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DK Abende werden länger, und die Schirmlampe beginnt ihre Herrschaft mehr und mehr auszudehnen. Da setzt man sich wieder zusammen und sucht in Behinderung reicheren Naturgenusfes sich geistige Freuden. Unter den Namen „Lese» kränzchen" und „Liebhabertheater oder Familientheater" finden wir einen guten Theil der Bevölkerung versammelt, den winterlichen Unterhaltungen einen geschloffenen Rahmen zu geben und zugleich die Centren der zu hoffenden geistigen Kost zu bezeichnen.
D a s T h e a t e r s p i e l, zu dem ja scheinbar nicht viel mehr gehört, als das Lernen einer Rolle, und dem ja das Kostüm, das sich freie Darbieten beim Glanz der Lampenbeleuchtung einen romantischen Schimmer verleiht, wird, je jünger, kecker und selbstgefälliger die Mehrzahl der Mitglieder ist, meistens den Sieg über ein Lesekränzchen davontragen. Man „sitzt ja da zu still", man kann „sich nicht so glänzend ein» führen", so schelmisch kokettieren, und was man sonst noch mehr gegen das Lesen spricht oder auch nur denkt-
Aber dennoch stehen wir aus vielen, naheliegendenMründen nicht an, einem Lesekränzchen, vor allem Theaterspiel zu Haus den Vorzug einzuräumen, vor allem, weil es den be» beschränkten Mitteln und der Vorbildung der Familienglieder mehr entspricht, als das Spiel, sodann, weil es Sinn und Geist der Werke unserer Dichter beffer in Haus und Herzen trägt, als das nicht so selbstlose Spiel, und endlich, weil es eben darum nicht lächerlich wird und nicht die Thäligkeit und den Frieden im Hause stört, wie oft das sog. Theater« spielen. Welch ein Segen vollends, wenn vor dem Vorlesen eines Geisteswerkes unserer Dichter oder Denker das Nölhige über dessen Person oder die Entstehung des Werkes gegeben wird.
Wir wiffen wohl, indem wir dies sagen, stoßen wir bei unzähligen Leuten an, welche gern Theater spielen. Es mag dies Spielen ja auch in beschränktem Rahmen angehen; aber immer bleiben doch die Mittel des Hauses mehr oder minder hinter dem Ideale zurück und der lächerlichsten Auffaffung ist voller Raum gegeben. Auch werden die Comödienspieler, meist junge Leute, von ihrer Profession, vom Studium re mehr abgezogen, als durch jedes andere Vergnügen; aus schlichten Bürgertöchtern werden offerierte Aeffchen und die langlockigen Halbkünstler stampfen im Streit mit den Musen die dröhnenden Bretter, wo sie lernen, zeichnen correspondieren, lesen oder musizieren könnten, statt ihre Ohnmacht, bei Lam- penflimmer zu zeigen ober höchstens betörten, urtheilslosen Müttern und Tanten eine Augenweide abzugeben. Und wie viel Leid hat es in Familien gebracht, daß über allem Rollenlernen der stegberauschten Mutter der Mittagstisch und die auszubeffernden Kleider und Strümpfe der Ihren versäumt wurden-' Das Rollenlernen nimmt in der Ttzat viel Zeit weg und fast alle Leistungen stehen in einem kläglichen Mißverhältnisse zu dem Aufgebot an Kraft, das vorherging.
Lesekränzchen und Liebhabertheater.
Ein Wort zur Zeit.
bie Ausstellungsräume. Wo sie sich blicken laffen, in den menschenvollen Zelten, in den ltchtumfloffenen Grotten, vor den s farbenprächtigen Blumenbeeten — Überall macht man ihnen ? bereitwillig Platz.
„Die schöne Baronin Medfort und der Fürst Orlowsky, geht es flüsternd von Mund zu Mund.
Während sie die Königin der Rosen ansteht und den leisen Worten des Fürsten lauscht, wird das Gefühl verletzter Eitelkeit immer stärker in ihr. Woher nahm jene hochmüthige Herzogin das Recht, derart zu ihr zu sprechen — zu ihr, der anerkannt schönsten Frau von England, die für keinen Mann zu gering ist, und sei er selbst ein Fürst.
(Fortsetzung folgt.)
Wer es auch mit angesehen hat, wie das junge Mädchen nach glücklich bestandenen Tanzstunden-Abenteuern ihr angeborenes, „unzweifelhaft angebornes Comödiantentalent" zu verwerthen eilt, weil sie ganze Vormittage statt Hemden zuzuschneiden und Strümpfestopfen zu lernen, ihre Rolle memoriert, wie sie dann bald nach dem Mittagessen frisiert und angekleidet wird, zur Probe fährt und dann dort bis zur Aufführung unter mancherlei Bedenklichkeit anderer wartet, der wird nicht nur die sanitären, moralischen und vor allem die familiären Gefahren überschauen, in die sich solch eine angehende Muse mit dicker Binde vor den Augen stürzt-
Natürlich liegt ein verlockender Reiz zum Comödiespielen, insbesondere für das schöne Geschlecht nahe. Mit Tanzstunde und Ball noch nicht befriedigt, stürzen sich die jungen Dämchen auf die Bühne, diesen leicht gewonnenen Tummelplatz für neue Triumphe. Nie wird es darum an weiblicher Hilfe für Liebhabertheater fehlen, denn jede echte Evatochter ist Feuer und Flamme, sowie sie sich nur costümieren darf, ist Feuer und Flamme für Maskenbälle, bunte Auszüge und die Aussicht, wie eine wirkliche Schauspielerin agieren zu dürfen.
Der Theaterdnigent hat freilich seine Roth, denn von zehn Frauenzimmern wollen immer neun die erste Liebhaberrollespielen. Sentimentales, Schmachtendes ist am gesundesten, gleichviel ob Alter, Gesicht und eine wahre rauhe Baßstimme dem eigentlich schnurstraks entgegen sind. Soubrette, Dienerinnen — buh I sind nicht zu haben, es müßte denn ein recht wirksamer Anzug dafür da fein und den Ausschlag geben-
So wird durch das Liebhabertheater auch der Eitelkeit gesröhnt. Wir wiederholen: ein gut gewählte« Lesen steht uns hoch über dem oft unzulänglichen, kraft- und saftlosen Spielen in Dilettantenkreisen und vermittelt die Einführung geistiger Schätze durchaus. (Aus dem „Hausmütterchen".)
V-vinischtes.
Ein Berliner will feinem Freunde aus der Provinz die Wirkung des Telephons erklären- Er sucht mit ihm also eine öffentliche Fernsprechstelle aus und sagt: „Gieb Acht l Jetzt sage ich meiner Fran, daß Du heute Abend bei uns essen wirst. — So nun halte die Schallfänger au's Ohr und Du wirst Dich überzeugen, daß sie mich verstanden hat." — Der Gastfreund lauscht und hört die inhaltschweren Worte: „Der Schafskopf hat mir gerade noch gefehlt-"
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Fremder: „Beim Vorübergehen warf ich einen Blick in'8 Schulhaus; die Zahl der Kinder find' ich im Verhältniß zur Größe des Dorfes nicht bedeutend." — Bürgemeister: „Ach, da haben der gnädige Herr jedenfalls nur das Wohnzimmer unseres Lehrers gesehen!"
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Lehrer: „Sage mir, Mayer, wie erging es dem Volke Israel, nachdem es unter Gottes gnädigem Beistand der Verfolgung Pharaos entronnen war?" — Der kleine Mayer: „Ich danke, gut."
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Schwabe: „He, Schätzte — warum weinscht?" — Braut: „Ach Gott, ich hab' solche Angst! Heut hat man mir gesagt, Ihr Schwaben dächtet, jedes rechtschaffene Weib müsse seine Prügel bekommen!" — „Guck, sei nit so g'späßig, Herzle! Mach' Dir koi Angscht — dees muß ja so gtei no net sein!"
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Mißliches Urtheil. Gnädiges Fräulein (zu ihrem Nachbar): „Nun, Herr Baron, Sie scheinen sich jr ganz herrlich zu amüsiren. Sie lachen ja über das ganze Gesicht." Baron: „Nun, gnädiger Fräulein, ich mache nur gute Miene zum bösen Spiel."
Redaction; A. Schcyda, — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.


