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„Gewiß und doch wünschte ich, Du hättest den Fürsten
lassen möge. t ,
Und nun sitzt vor ihr ein Fürst — ein Mann, der Prin- zessinnen aus königlichem Geblüt heirathen konnte. ... Die arme Mutter kann den Gedanken kaum fassen. Etwas wie Angst schleicht sich in ihre schlicht empfindende Seele. Wirre Gedanken von den Schrecknissen Sibiriens durchfliegen ihren Kopf, von der Knute und anderen Greueln Rußlands, über die sie gelesen-
Sie bemerkt das zarte Erröthen auf dem lieblichen Antlitz der Tochter, als der Fürst sie fragt, ob sie den Maskenball im Palais Edenfield mitmache und auf ihre Zustimmung hin um den ersten und letzten Walzer bittet und außerdem um so viele Tänze dazwischen, wie ste bereit sei, ihm zu schenken. Darauf fliegt ihr Blick hinüber zu dem dunklen Kopf des Russen. Mit dem sorgenden Mutterauge studirt sie den Ausdruck seiner Züge.
Run erhebt sich der Fürst und bittet in gewählten Worten um Entschuldigung wegen seines außergewöhnlich langen Besuches. Dann verläßt er mit einem tiefen Blick auf Lola das ßinitnct»
Als der Wagen unten davonrollt, kann sich die Pastors- wittwe nicht mehr beherrschen. Ihre Erregung ist zu groß.
„Lola, mein geliebtes Kind," ruft sie schluchzend. „Was
nie gesehen." , , ,, .
„Aber Mama!" lacht Lola. „Uebrigens habe ich ja noch gar nicht gesagt, daß ich ihn heirathen will."
„So ermuntere ihn auch nicht!"
„Thue ich das? Run, es wäre gar nicht so übel, über Tausende von Unterthanen za regieren —"
„Du könntest allerdings viel Gutes stiften," fällt Frau March fanft ein. „ „
„Daran habe ich allerdings noch nicht gedacht- Es wäre gut für mich — das ist mir genug," ruft ste lachend und ergötzt sich an dem Anblick der langen, glänzenden Haarsträhne, die ste langsam über ihre weißen Arme gleiten läßt.
„Thue, was Du willst, Lola," erwidert ihre Mutter mit einem tiefen Seufzer. „Ich weiß ja, daß mein Rath Dir nichts gilt." ,
„Und was räthst Du mir?" fragt Jene, den Kopf em wenig erhebend.
Frau March faltet die Hände.
„Ich rathe Dir aus vollstem Herzen: Heirathe den Fürsten nicht," sagt ste einfach.
Lola erhebt sich langsam von der Ottomane. Ihr Gesicht sieht ungewöhnlich ernst aus.
„Es ist ja noch gar nicht so weit, Mama- Auch bin ich durchaus noch nicht entschlossen. Ich will mir die Sache noch einmal überlegen."
„Gott segne Dich, mein Kind, und lasse Dich das Rechte finden," flüstert die Pastorswittwe innig.
Dann verläßt sie still das Zimmer, Lola ihren Gedanken überlassend.
.zwei volle Stunden lang", wie die neugierige Welt munkelt, i wirst Du thun? Du kannst nicht mit ihm koketttren, wie Du Kurz vorher war ein vergoldeter Blumenkorb in Form eines I es vielleicht mit Anderen gethan.
Riesenschiffes voll der kostbarsten weißen Hyacinthen im Palais I „Run also, Mama
Medfort abgegeben worden- Die Dienerschaft hatte bei seinem j »Was sagt Dein Herz, mein Kind?
Anblick verwundert die Hände zusammengeschlagen. I Lola lacht.
Jetzt sitzt der Fürst Lola gegenüber aus einem der hoch- i ™ ? ® 6 1 1 b ® $
lehnigen Fauteuils, Seine classischen Züge mit ihrer matten, | absolut nichts zu thun.
in's Bräunliche spielenden Farbe heben sich klar von dem „Du liebst ihn also nicht #
dunkelblauen Sammet ab. Sie gleichen in Reinheit und I „Lieben? ... Du bist komisch, Mama. Wenn wir über Schnitt einer Camöe. Noch niemals vorher war Lola die I meine Angelegenheiten sprechen, wollen nur das Herz und die
außergewöhnliche physische Schönheit des Fürsten so aufgefallen Liebe ein für allemal aus dem Spiel lassen.
wie heute. Der etwas fpöttische Zug um die vollen Lippen, I Bekümmert schüttelt Frau March den Kopf. „Warum der für gewöhnlich kalte Ausdruck der grauen Augen ziehen I dünkst Du Dich stärker als andere Frauen, Lola? Warum sie an — sie, die verwöhnte Schönheit, die stets nur Unter- I glaubst Du, ohne Liebe leben zu können- Wenn nun doch ein« würfigkeit und Anbetung in den Gesichtern der Männer ge« I mal die Liebe in Dein Herz einzögs - später — vielleicht, sehen. Gewiß, es ist keine Kunst, einen zahmen Pudel am I wenn es zu spät ist —"
blauen Seidenbande zu führen; einen Löwen in Ketten zu I „Kopf und Herz stimmen bei mir überein, lacht diese
schmieden, ist eine größere Ehre. sorglos. Plötzlich taucht vor ihr ein freundliches, offenes
Nach kurrer Reit schon tritt Frau March ein. Die gute I Antlitz auf, ein paar blaue, treuherzige Augen und ein heiter Pastors-Wittwe fühlt sich ein wenig befangen; sie steht zum I lächelnder Mund. . . . Eine tiefe Röthe bedeckt ihr Gesicht, ersten Mal einem Fürsten gegenüber! Doch Lola umfaßt die | Sie wird nachdenklich. Sie wirst sich auf eine Chaiselongue Mutter mit der ihr eigenen nachlässigen Grazie und zieht sie I und streckt nachlässig die weißen Arme empor.
mit bis dicht vor den Fürsten, Beide einander mit wenigen I „Liebe Mama, ich will heute einmal gut sein und Deinen neckischen Worten vorstellend. i Rath anhören." _, «. - .
Frau March ruft sich in's Gedächtniß zurück, daß „eine | „Gott segne Dich, mem Kind I Ich werde mein Bestes Dame stets eine Dame bleibt", und so kommt sie über die I thun."
An fatalen Minuten hinweg. Sie hatte sich stets in guter Run entledigt sich Lola allen Schmuckes, wie sie stets Gesellschaft bewegt; nur war diese etwas schwerfälligerer Art I thut, sobald sie einmal „gut sein will. Sie löst ihr langes gewesen. An den Umgang mit Baronen und Grafen hatte | weiches Haar, so daß es wre ein Schleier an ihr niederwsllt. Ä"Si9 a”*; a6etli"wM etoM fÄ’ÄS1 ää1?; Orlomly b*nb?lt*u mb I * " Frau March hiist-ll ein paar Mal. Sir weiß nicht r»
lichkeit. Er spricht wiederholt zu ihr und — was noch mehr | wie ihre Tochter Das, was sie Jagen will, aufnehmen wird, bedeutet — er hört ihren einfachen Worten freundlich zu. I Aengstlich beginnt sie: „Meine liebe Lola, der Fürst ist vor- we “uf w# * wäväääsw Als sie die Beiden betrachtet, den stolzen, imponirenden Ach "ünterMtttIch ta Dir Mt^genau
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chelnd, im Tone väterlichen Stolzes sagte: „Es sollte mich nicht wundern, wenn unsere kleine Lola eines Tages selbst einen Pastor heirathete. Sie würde eine niedliche Pfarrers- frau abgeben." Und die Mutter hatte in der Hoffnung auf ein solches Glück sür ihr geliebtes Kind gelächelt und zum lieben Gott gebetet, daß er es dieses ersehnte Ziel erreichen


