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Donnerstag, be« 1. November.
„Die Geschichte wiederholt sich niemals, mein Fürst!" erwidert sie mit einem neckischen Blick.
Da gewahrt sie die Herzogin von Edenfield, die soeben am Arme Lord Rawdons das Zimmer betritt. Der schöne Mund der Herzogin verzieht sich spöttisch, als sie Lola in in- timer Unterhaltung mit dem Fürsten sieht. Ihr Blick sucht die Augen Lord Rawdons, und auch dieser lächelt ein wenig. Doch liegt kein Spott in diesem Lächeln, eher eine gewisse Befriedigung.
XVI.
Lola ist schöner, glänzender, gefeierter denn je. Das Gerücht hat sich verbreitet, der gegen Frauenreize so unempfindliche Fürst Orlowsky habe sich ernstlich in die Baronin Med- fort verliebt — Grund genug, um sie noch populärer zu machen.
Der Fürst — verliebt!
Zuerst lachte man darüber. Dann schüttelte man den Kopf. Schließlich mußte man sich doch dazu bequemen, dem Gerücht näher zu treten.
Jetzt bildet die merkwürdige Thatsache das Hauptgesprächsthema von ganz London. Die Damen besprechen sie an ihren Theeabenden, die Herren in ihren Clubs. Sie erzählen einander pikante kleine Anecdoten über den Fürsten in seiner neuen Rolle — jedoch niemals in seiner Gegenwart. Man weiß nicht, wie er es aufnimmt.
„Reize einen Russen und Du findest einen Tartaren!" sagt ein englisches Sprichwort. Dessen sind die braven Leute eingedenk.
Jedoch besteht ein stillschweigendes Usbereinkommen, die Beiden gewähren zu lassen. Wenn der Fürst das Zimmer betritt, in dem Lola sich befindet, machen alle in ihrer Nähe Befindlichen ihm Platz. Wenn er mit ihr spricht, sucht kein Anderer ihre Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen.
„Ein wahrhaft königliches Werben!" flüstert man sich bedeutungsvoll zu.
„Wird er um sie anhalten und wird sie ihn auch annehmen ?"
Bisher hatie der Fürst Lolas Wohnung noch nicht betreten. Heute zum ersten Mal hält fein Wagen mit den silber- beschlagenen Rappen vor dem großen, eisernen Portal —
»Die Ehre ist ganz auf meiner Seite, 'Frau Baronin."
Lola nimmt mit einer graziösen Verbeugung ihre Spitzendraperien zusammen und verläßt den Balkon. Trotz der Abmdkühle glüht ihr Angesicht.
Der Fürst folgt ihr.
„O, lassen Sie diesen Traum von heute sich wiederholen!" flüstert er in bittendem Ton.
(Fortsetzung.)
... Die Sonne ist niedergegangen. Dämmerung breitet sich über den Fluß und die grünen Gelände aus. Noch immer befinden sich der Fürst und Lola allein auf dem Balkon. Nie- mand stört sie. Lord Rawdon promenirt mit der Herzogin von Edenfield am Flußufer; die Uebrigen spielen auf dem weiten Rasenplatz hinter dem Hotel Lawn tennis.
t Orlowsky blickt eine Zeit lang wie gebannt in das senkte Antlitz vor ihm. Dann sagt er leise: „Sie müßten als Königin geboren sein. Hunderte von Sclaven sollten Sie beb’.enen. Tag und Nacht eines Winkes ihrer Herrin gewärtig. Das Leben von Tausenden von Untertanen läge in Ihrer kleinen, weißen Hand —"
»Das klingt ja recht despotisch," fällt sie lachend ein.
„D, es ist etwas Großes um die Macht!"
„Ich glaube, meine Macht wird sich stets nur über die Herzen der Männer erstrecken —"
„Pah! Was thnt man mit Herzen!"
Der Fürst ruft es in wegwerfendem Tone, der Lola bis zum Aeußersten reizt. Das brennende Verlangen erwacht in chr, diesen hochmüthigen Fürst fühlen zu lassen, daß ein Herz kein solch geringfügig Ding ist, wie er glaubt, daß es sogar größerer Schmerzen fähig sein kann, als der Körper. Es er« greift sie wie ein Fieber. Sie muß diesen Mann zu ihren Füßen sehen, koste es, was es wolle!
Sie blickt auf.
Seine Augen ruhen mit einem eigenthümlichen Ausdruck °us ihr - mit einem Ausdruck, in dem sich Mitleid, Spott und Bewunderung mischen. Sie weiß ihn sich nicht zu er- Nären und fühlt sich fast ein wenig unbehaglich. Wird es leinem stolzen Geist denn gar so schwer, sich zu unterjochen?
Sie will sich von dem Balkon zurückziehen. Da flüstert seine Stimme sanft: „Dieser Tag war der glücklichste meines Lebens So oft habe ich mich gefragt, welch' schöne Seele wohl hinter der schönen Hülle verborgen läge."
Lola wendet den reizenden Kopf halb zu ihm zurück.
„Jnteressiren Sie schöne Seelen auch?" fragt sie neckisch.
„Manchmal, doch nicht ost. Nur meinen intimsten Freunden gestehe ich dieses zu."
„Sie thun mir eine große Ehre an, indem Sie mich zu Ihren intimen Freunden zählen, mein Fürst."
Er verbeugt sich tief.
Lola.
Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friesen.


