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Zweites Kapitel.
der
Gerichtsmami Merten Frickell. "Jedermänniglich ist bekannt, war für ein Hasenfuß Ihr fetb. Mtt einem Men Stocke de waffnei, getraut Ihr Euch nicht emmal zu einem tobten Hinkel unb nun fchwabronirt Ihr vom Hinausfuhrwerken. Ist das überall so Sitte bei Euch im Altkatzenellenbogtschen ober habt das von Eurer Urgroßmutter direct geerbt ?
Fred Quaffel grinste hinter den großen Brillengläsern
bub Stoffel an: „Halt ein, Du Aasjäger! Hast Du | nicht in der Schonzeit eine Rieke geschaffen und sie dann so I zurechtgeschneidert, daß man glauben sollte, er sei ein Rehbock! I Ein solcher Pfuscher und Lügner will Andere hänftln! Em« | tränken will ich Dir's, daß Du es niemals vergeffen sollst, 1 denn Du bist ein feiger Geizhals der seine Nebenmenschen I f&htbet unb vlaat, gegen Gottes Gebot. I
$ Da kamen die Beiben scharf aneinander- Heinz woM i abwehren, aber es half nichts, er war zu schwach. Plötzlich 5 erschien Franz Schmidt der Junge. Er hatte bei den Branden« | Bürger blauen Kürassieren in den letzten W^eng^ient und war stark wie Simson. Mit der Rechten faßte er Dörr dusch, mit der Linken Langerhans am Krips, Hub sie schwebend empor wie zwei Spielbälle und warf sie über den Gartenzaun. Hinter diesem befand sich ein kleiner Entenp uhl. in welchen die beiden Streithähne ,ach hineinflogen, also, daß die der Landwirthschast gar dienliche Flüssigkeit hoch empor spritzte.
„Alle gute Dinge sind drei!" sprach lachend der bärenstarke Franz Schmidt, ergriff den beinfertigen Steckenreuter Heinz Rabenholt und warf ihn den aus dem Tümpel ausi buchenden Wildhütern auf die Köpfe, daß sie alle drei noch einmal untertauchten, um darauf gemeinschaftlich an » Ufer zu krabbeln und nach Hause zu humveln- Zorn und Hitze war ihnen vergangen.^ Was die drei Ehehälften zu ihren lieblich duftenden Eheherrn beim Rachhaufekommen tagten, rote sie mit Kübel Besen und Bürsten an ihnen herum arbeiteten, bis der mnae Tag anbrach, ist nachmals bekannt geworden und hat an langen Winterabenden angenehmen Stoff zur Unterhaltung
hervor Ma- öet^t ^enn j0 ein Schollenhupfer und Pfuhl« sabrer vom Hinausfuhrwerken I" antwortete Fred Quaffel hoch« Lia Hast Du schon einmal etwas von Orpheus gehört, als er9 mit feinen Meerungeheuern aus dem Wellengetumpe emvor stieg und die Ceres ans Land fetzte? Sah es nicht vorhin gerade fo aus, als die drei Schlucker aus dem O-ymp des Nachbars empor stiegen, triefend von Hector und Aloisia? Unb fo ein zweifpänniger Schimmelbauer unb doppelter Horn« viebbesitzer will mir pon Hafenfußerei vorcaprioltren l
„Euer Griechisch unb Hebräisch laßt Ihr kmmer los, wenn ^br mit Eurem Bischen Latein zu Ende seid, antwortete Merten Frickell mit Gemüthsruhe. „Ihr wollt mrt solchem i mS« dem I», IÄ nicht« u-rsiM,
in Resvect versetzen. Dergleichen Späße sind vorbei. Wir willen daß Ihr Eure Nasen in die Briese und Depeschen sieckt 'was Euch gar nicht zukommt. Ihr laßt Euch schmieren
R- lauft nicht bla« d-u Christeudirnen, sogar dm Jud-umid-l« nachdarumhEfich Eure Frau kein Dienstmädchen mehr. Wenn Fürst Lhurn und Taxis, der kaiserliche Generalpostmeister, wußte, was sur
I eine Krähe er sich durch Euch in seine Saat geletzt, er hätte I Euch schon längst abschießen lasten." m . nYt
Brüllendes Gelächter folgte auf diese grobe Antwort. Zorn^ erhob sich Quaffel. Ein Kampf stand in Aussicht, aber die Umsttzenden wußten es bester. . .
„Jetzt gebt acht, Ihr Männer, was der tapfere Goltath l^Ut!" imlmen^mb^te ich Euch!" donnerte Quaffel, indem er mit der geballten Faust auf den Tisch schlug, aber sogleich Au!" rief, weil er einen abgenagten Schinkenknochen getroffen hatte Zermalmen, wie Angias den Hector zermalmte, als
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herab sauste. Aber Ihr feid mir Alle mcht recht, ^hr seid nickt« als leibeigene Frohndknechte und müßt es Euch zur Ehre des Durchläuchtigsten Landgrafen schenke. Hier füllt mn noch
। einmal den Humpen, dann werdet Rr wett r sehen Allgemeines Bravorusen folgte auf diese tapfere
Der Humpen wurde gebracht. Quaffel ergriff ihn 3 sich langsam nach dem Ausgang hm. „Diesen schönen h wein wird meine Gattin aus's Woh der gnädigsten^verrschast trinken!» rief Quaffel. „Jhr KrautkÜpfe aber könnet mr M
I den Buckel hinaufsteigen und in der Anke Mittag Y
führt vernehmen. Caspari schloß das Fenster und suchte sein I Laaer aus. Die frische Lust und der friedliche Anblick in das I Mne Horloffthal hatten ihm gut gethan und fein heftig er« I regte« Gemüth beruhigt. Bald verkündeten regelmäßige | Atbemzüge, daß er die erfehnte Ruhe gefunden. I
Jm9Garten des „Darmstädter Hofes" gmg es noch munter I m. Dorthin hatte der Landgraf em Fuder Wein schaffen I lassen, welches von den Gerichtsmännern, bem Lehrer. den I «ILft, »»d Jaadläufern, dem Zehnt- und Speicherpersonal, I de/Postschreiber und feinem Ausläufer getrunken werben I fnHte Das Faß war groß, es wurde aber doch bezwungen, I denn zuweilen schlüpfte eine Frau oder dieandere.mtnicht zu kleinem Milchtopfe unter der Schürze, herein und ließ sich I K mft d«m I-Mch-M M MM. N-h-d-m S-N- faßeu Au, Rabmhott, dn P»stISuI°r auch Sl-S-m-ul-r g-. nannt Peter Dörrbusch und Stoffel Langerhans, die beiden Wildhüter. We drei gönnten sich Alles, den Nebenmenschen aber nichts, also daß sie es baß verdroß, wenn ein Weiblein mit einem weitbauchigen Milchnapfe den schönen Wetn zu ver« ickti-nnm tracktete Sie hatten sich alle drei die Kopse yern ! getrunken und erzählten ihre Heldenthaten: im Wem ist Wahr« K^ Nii- mar es Stoffel" fragte Peter Dörrbu ch den Ge-
u“ 6«®«$ i» n* Jahr-ch- WK-b-ft in Seinem Jagdhulo aihi-lt und Du te», »u
ieieft davon auf dem einen Ohre taub geworden? Hemz lackte wie ein Spitzbube, als er das vernahm unb rief: „Gib's ihm zurück, Stoffel, laß Dich nicht hänseln von bem SbbTKm Heinz eine Maulschelle von Dörrbusch mit den Worten: „Kehr' Du vor Deiner Thür, seiger Wetber- knecht." Heinz zog sich etliche Schritte zuruck, rieb die ge troffene Stelle und that einen kräftigen Zug aus seinem
geliefert $u QUt ^acht!" rief Fred Quaffel
hör Nagsckreiber Schabe, baß ich den Durcheinander Nicht früher merkte, ich hätte mitgeholfen, bie Störenfriede hinaus« rufubrwerken" Bei diesen Worten schob Quaffel die thaler großen Brillengläser zurück, weil ihm das Sehinstrument ans die Nafensvitze herabgerutscht war, faßte mit der Linken bte wenigen Haarsträhne feines kahlen Schädels und legte sie quer über das fettglänzende Haupt. , , r h
„Ihr seid doch der größte Prahlhans, Lugenbeutel und Aufschneider zwischen hier unb Frankfurt," bemerkte baranf
@UtC Kaum batte sich der Tapfere gewandt, um den Ausgang zu gewinnen, da fuhr ihm ein steinerner Humpen, von Metten Frickells nerviger Faust geschleudert, mit solcher Wucht m Kreil! daß Quaffel kopfüber zu Boden stürzte, den gesumeii Lumv« von sich schleuderte Md di- Rost auf tem J«rt« Boden Mutig Wog. So schnell -« ferne ®?t»uleM!0 raffte er sich auf und verschwand im Dunkel der Nacht Zurückgebliebenen tranken das Faß leer und wankte schweren Köpfen nach Hause- „So etwas war noch n ch gewesen," meinten Alle, als sie sich trennten.
Wenige Wochen waren nach dem festUchen Einzuge fürstlichen Paares in'« Land gegangen und schon W ’ J* ein lebhafteres Schaffen, Regen unb Ruhren n der Fuldifch^ Mark, denn je zuvor- Der Mge Fürst befahl, baß ge Stege ausgedeffert und hergerichtet wurden, worn $roei( Wagner und Schmiede nicht sonderlich erbaut «"em d m sie üermeineten, es ginge setzt nicht mehr fo »tel Geschirr zu Grunde als ehedem und sie wurden dadurch


