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1894.

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Donnerstag, den 1. Mmz.

(Fortsetzung.)

In den nächsten Tagen verließ der Profeffor das Haus nicht sondern lag auf der Lauer, ob Edgar von Bach nicht seinen Condolenzbesuch bei Lindens machen würde, denn seine Compagnie war endlich zurückgekehrt. Da, am siebenten -t.age nach der Bestattung des Todten, sah Ernst Pfeil zu seiner Genugthuung die hohe Gestalt des Hauptmanns der Billa zu» schreiten. Höhnisch lächelnd murmelte der Profesior:Nun werden wir Dich nicht oft mehr sehen, Sohn des Mars; ich werde Dir noch heute eine Falle stellen, die Dir ferne Liebe einbringen soll! Welch' ein Glück, daß ich heute noch nicht

Er wartete dann die Zeit ab, daß Edgar seinen Besuch beendigen sollte. , ,

Als Ruth das edle Gesicht Edgars erblickte, eilte sie auf ihn zu und sagte:Mama und ich, wir haben Sie schmerzlich bei diesem Schlage des Schicksals an unserer Seite vermißt, Herr von Bach!"

Und ich bin bestürzt über einen Todesfall, von dessen Nachricht ich - ich muß es gestehen - fast überwältigt ward Meine gnädige Frau, mein gnädiges Fräulein, es bedarf wohl der Versicherung nicht, wie mein Herz hier weilte, während mich die Pflkkht drüben in der Bergstadt gefesielt hrelt! Wie ist nur Alles so schnell gekommen?"

Frau von Linden erwiderte schmerzlich erregt:Drese Nervenkrankheit ist selten heilbar; daß mein Mann seit längerem daran litt, verrieth mir Profesior Simmler; nur seiner sorg­samen Haltung ist es zu danken, daß wir den Theuren mcht schon früher verloren!"

Aber was werden Sie jetzt begrünen, meine Damen?

Frau Georgine entgegnete:Ich danke Ihnen für Ihre Theilnohme, Herr von Bach, indeß ganz so mittellos, wie sonst wohl Ojfizierswittwen, sind wir nicht! Botho muß seinen Lreb- habereien ziemlich viel Geld gewidmet haben; wir haben sür den Haushalt stets nur ein Drittel des Gehaltes verwendet; das zweite Drittel habe ich aber seit dreizehn Jahren erspart und werde Ruth dafür eine Rente kaufen, damit sie auch nach meinem Tode versorgt ist; sür mich wird die übliche Pension genügen!" _

Und Sie bleiben in der theuren Hauptstadt?"

Nein, mit Ablaus des Miethvertrages ziehen wir nach N.,meiner Heimath; so haben wir beschlosien!"

Der Hauptmann überlegte: sollte er j-tzt um Ruths Hand litten? Aber es war heute doch wohl nicht schicklich ! Dagegen durste er wohl andeuten, daß demnächst auch bei ihm eine Veränderung eintreten werde.

Wtsien Sie, meine Damen," begann er dann,der selige Herr Oberst thal ganz Recht, als er den Dienst qmttirte. Ich bin in derselben Lage! Ich mochte, ich konnte dre Chicanen meines Dienstes nicht länger ertragen; ich habe um meinen Abschied gebeten!" , _

Aber warst hier Ruth mit Hast ein. Jeder un­befangene Beurtheiler, auch Frau Georgine, konnte hieran sehen, daß der Mann, der da jetzt lächelnd saß, ihrem Herzen nicht gleichgiltig war.Aber, wie was - ? frug Ruth vor Erregung stotternd. r . , .

Wovon ich leben will?" fuhr Edgar lächelnd fort. Denken Sie sich: ein entfernter Verwandter, der Kanonikus in einer alten süddeutschen Stadt war, stirbt vor einiger Zeit und setzt mich zu seinem Erben ein. Ich bin dadurch plötz­lich unabhängig geworden; ich werde Landwirth werden, wozu ich außer Neigung auch das meiste Talent besitze!

Ruth wurde flammend roth und wandte sich ab, ihre Er­regung zu verbergen- Erblickte sie sich schon int Geiste als die Gattin des rüstigen Gutsbesitzers?

Somit sah jetzt auch Edgar ein, daß die beiden Frauen ihn nicht übweisen würden, wenn er um Ruth würbe; er wollte deshalb beim nächsten Besuche, ja morgen schon, die Sache mit den Damen besprechen- In diesem Gedanken beseltgt, brach Edgar aus und verließ dann das Haus- Eigentlich wollte er noch bei dem Profesior vorsprechen, um die Sache mit diesem nochmals zu Überlegen; da aber unten in der Villa alles Leben ausgestorben schien, ging er zufrieden beim.

Aber unten bei dem Profesior waren Haß und Gemein­heit wach, den Vertrauensfeligen um sein Lebensglück zu be­trügen. Der Profesior benutzte die Gelegenheit, während Dimer und Magd in der Küche speisten, Ruth und die Frau Oberst aber im Zimmer saßen, sich leise auf den Corridor zu schleichen und dort das von Edgars Hand herruhrende Billet an Camilla hinzuwerfen. Dann war er verschwunden, lag Lr 7i" die SrcuiWe im N-st. au, d°, L-m»,»« e. geben werde. Doch da öden regte sich nichts.

*

Seit acht Tagen hatte Edgar von Bach den Weg nach der Villa jedesmal vergeblich gemacht und entweder nur den Diener und die Magd oder Frau Georgine gesprochen, denn Ruth lag schwer krank am Nervensieber danieder. Heute war der neunte Tag angebrochen. Wieder stieg der unermüdliche

Im Banne des Bösen.

Novelle von C. Western.