Ausgabe 
31.8.1893
 
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sie aus dem Dämpftopf, seihet die Flüssigkeit des letzteren über dieselben und servirt sie, nachdem sie kalt geworden sind.

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Gurken binnen acht Tagen sauer zu machen. Glatte, grüne Gurken werden gewaschen, gebürstet und abge- trocknet; dann mit einer Gabel mehrmals durchstochen, in einen tiefen Topf gelegt und mit Salz bestreut. Auf 30 Stück Gurken rechnet man einige Hände Salz. Die Gurken werden mit hartem kochendem Waffer übergossen, so daß sie ganz be< deckt sind. So läßt man sie abkühlen, legt sie dann schicht­weise mit Dill, saurem Kirschlaub, Weinreben und einigen Stückchen Brod in einen Steintopf, gießt das Brühwasser da­rauf und läßt sie in der Wärme aufgähren. Auf oder neben einem Bratofen, oder recht in der Sonne stehen sie gut. Nach acht Tagen sind sie zu benutzen und von vortrefflichem Ge­schmack; man hebt sie dann im Keller auf. Natürlich halten sie nicht so lange, als andere saure Gurken.

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Spargel. In Frankreich macht man die Spargelbeete auf folgende Art: Das Beet wird 3 bis 5 Fuß tief ausge­graben und die gute Erde, welche beim Herausgraben allein gelegt wird, muß gesiebt werden, damit auch nicht ein Stein­chen von der Größe einer Wallnuß darin bleibt- Die Mate­rialien zu dem Beete werden dann in folgende Proportionen und Ordnung gelegt: 18 Zoll gewöhnlicher Mist (Kuh- oder Pferdemist), 8 Zoll Rasen, 6 Zoll Mist wie zuvor, 6 Zoll ge­siebte Erde, 8 Zoll Rasen, 6 Zoll sehr verfaulter Mist, 8 Zoll von der besten gesiebten Erde. Die letzte Lage Erde muß mit der letzten Lage verfaulten Mistes gut gemischt werden. Dieses Verfahren ist mit der Abänderung, daß man das Beet noch tiefer ausgrub und thetlweise auch mit Baumästen aussüllte, in City Washington angewandt worden und hat sich durch den reichen Ertrag und die außerordentliche Größe des Spargels (von P/2 bis 2 Zoll im Durchmesser) reichlich bezahlt.

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Wie kann man einem feuchten Keller ab­helfen, damit man Obst re. darin aufbewahren kann? Die Entfeuchtung eine« zu feuchten Kellers kann, wenn Drainage und andere Mittel nicht durchführbar oder ungenügend sind, durch Anwendung von Chlorkalktum erzielt werden. Dieses Mittel hat die Eigenschaft, sehr viel Feuchtigkeit aus der Luft zu entnehmen, das Doppelte feines eigenen Gewichtes, und dabei flüssig zu werden. Das erwähnte Salz wird auf ein breites Blech oder Brett gebracht, das mit einem Rande ver­sehen und, damit die Flüssigkeit abfließen kann, etwas schief gestellt wird. Man kann diese in einem Gefäße aufgefangene Flüssigkeit verdampfen und erhält so das feste Chlorkalkium "wieder, welches man dann von Neuem gebrauchen kann. Je nachMaßgabe der Größe und Feuchtigkeit des Kellers erfordert dieses Abhtlfemittel eine Menge von 618 Kilogramm de» Salzes, welches nicht theuer und, wie gesagt, zu wiederholten Malen verwendbar ist.

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Wen« Oleander nicht blühen wolle«, obwohl sie Blüthenknospen genug angesetzt haben, dann fehlt'» entweder am Standort: zu schattig, zu wenig Sonne, oder an der Nah­rung: zu wenig Düngung. Also in die Sonne, so lange e» sich jetzt noch thut, und mit aufgelöstem Kuhdung oder mit Hornspänen düngen. Auch Gießen mit warmem Waffer hat sich erprobt.

Gegen die Wanzenplage gibt e» wohl kaum ein beffere» Mittel als Alaun. Man bestreiche die Wände, worin die Wanzen nisten, mit einer kochenden Alaunlösung und sie kehren nie wieder zurück.

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Firniß und schwerhaftende Lackfarben entfernt man durch Waschen mit Petroleum, Spiritus, Terpentinöl oder Salmiakgeist.

Vermischtes.

Wie die verschiedenen Gelehrten LiebeS- erklärnngen machen. Der Mediciner:Gestatten Sie mir Ihren Puls, mein Fräulein. Er macht zwanzig Schläge mehr in der Minute, als normal. Genau so wie der meine. Ich darf also annehmen, daß Sie mich wieder lieben?" Der Jurist:Ich liebe Sie, Aurelie, und nun ermahne ich Sie, ebenfalls ein umfaffendes Geständniß abzulegen." Der Mathematiker:Voraussetzung ist, daß Sie mich lieben. Be­hauptung ist, daß ich Sie auch liebe. Beweis: Wenn von zwei Personen eine die andere liebt, so lieben sie sich gegen­seitig. Nach der Voraussetzung lieben Sie mich, ich liebe Sie ebenfalls, folglich lieben wir uns gegenseitig. Der Chemiker: Erlauben Sie mir, gnädiges Fräulein, mit Ihnen eine so innige Verbindung einzugehen, daß eine Analyse unmöglich ist." Der Philosoph:Lange habe ich an dem wirklichen Vorhandensein der Welt gezweifelt, aber jetzt, nachdem ich weiß, daß Sie meine ganze Welt sind, zweifle ich nicht mehr." Der Electriker:O, Georgine, wenn ich Sie sehe, bin ich wie electrisirt. Lasten Sie den electrischen Funken der Liebe von mir auch zu Ihnen überspringen." Der National- öconom:Ich habe berechnet, mein Fräulein, daß sich in unserer Stadt durchschnittlich dreißig Paare in der Woche verheirathen. In dieser Woche sind es nur neunundzwanzig wollen wir das dreißigste sein?" Der Botaniker:Mein Fräulein, wollen Sie sich nicht fürs ganze Leben an mir emporranken?"

Leicht zu verwechseln. Herr:Was ist denn das für ein Geschrei von der Villa herüber?" Gärtner (auf­horchend):Genau kann ich's nicht unterscheiden; aber ent­weder hat'» gnädige Fräulein Singstunde oder es ist wieder ein Marder in den Hühnerstall gekommen."

Stadtfräulein.Sich' nur, Papa, wie unschuldig diese Kühe aussehen! Man begreift gar nicht, woher die ge­fälschte Milch kommt I" *

Lahme Entschuldigung. Mutter (entrüstet):I dächt', Du hätt'st ka Ursach', zu pfeifen, wann'» uns schlecht geht un der Onkel krank isl" Sohn:I pfeift jo eh an Trauermarsch!"

Fataler Nachsatz. Angehender Tonkünstler:Nun, mein verehrter Herr Professor, wie haben Ihnen meine Com- Positionen gefallen?" Kritiker:Was soll ich dazu sagen? Ich denke, man wird sie vielleicht noch spielen, wenn Mozart, Haydn, Mendelssohn und Meyerbeer längst vergessen sind!" Tonkünstler:Wirklich?" Kritiker:Gewiß, aber vorher nicht!" *

Weibliche Eitelkeit. Wenn Fräulein Amanda, die auf etwa» großem Fuße lebt, in einem Hotel übernachtet, bürstet sie ihre Stiefeletten selbst ab. Dem Hausknecht hat sie ein Paar eigens zu diesem Zwecke mitgeführte, viel kleinere Exemplare vor die Thür gestellt. *

Umschrieben.Ist es wahr, daß Sie gesagt haben, der Schlankele hier habe Ihnen Ihren Geldbeutel gestohlen?" Das habe ich nicht gesagt, Herr Richter. Ich habe blos behauptet, daß, wenn der Schlankele mir meinen Geldbeutel nicht hätte suchen helfen, ich ihn dann wieder gefunden hätte."

Reservirtes Compliment. Mutter (von vier ält­lichen Töchtern):Nun, Herr Rittmeister, wie finden Sie meine Töchter?" Rittmeister:O . . . 0 . . . meine Gnädigste, eine immer jünger, als die andere!"

Redaction: A. Schey-da. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.