Ausgabe 
31.1.1893
 
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unterziehen müssen, für die aber aus besonderen Gründen das Chloroform eine erhöhte Gefahr darstellt. Herzkranke, alte Leute mit stark verkalkten Blutgefäßen, Kranke mit sogenannter Blutleere, Reconvalescenten von schweren Jnfectionskrankheiten, Menschen, die erst vor kurzer Zeit eine Chloroformnarkose durch» gemacht haben, Kropfleidende, diphtheritiskranke Kinder, Schwind» süchtige u. s. w. dürfen von Rechtswegen überhaupt nicht chloro- formirt werden. Sie mußten bisher kleinere Eingriffe ohne Narkose aushalten und bei größeren Operationen zitterte der Arzt vor der Gefahr, die ihm allein aus der Narkose erwuchs. Schmerz und Gefahr stnd ihnen jetzt zu ersparen.

Das Wohl des Kranken ist das höchste Gesetz", sahis aegroti suprema lex, ist der alte Wahrspruch der Medicin. Darum wird auch, wenn erst die Ueberzeugung von der Vor- trefflichkeit der neuen Methode langsam, wie alles Gute, aber auch sicher, wie alles Gute, eine allgemeine geworden sein wird, der ärztliche Stand die Mühe nicht scheuen, die Technik derselben zu erlernen. Denn erlernt muß sie werden, so ein­fach sie ist. Welcher Arzt sie aber beherrscht, wird ihrer sroh werden. Nicht für den Arzt ist sie nothwendig, der in der Stadt Assistenten, Wartepersonal in jedem Augenblicke zur Hand hat, aber für den Landarzt, der, vielleicht auf Meilen im Umkreise der einzige seines Standes,von menschlicher Hilfe" so weit, bisher in dringlichen Fällen zugleich Operateur und Chloroformator sein mußte, stetsmit einem Fuße im Gefängniß". Ihm wird es in neunundneunzig Fällen von hundert in Zukunft erspart bleiben, zu wählen, ob er seinen Kranken durch die Narkose in Gefahr des Todes und sich selbst in Gefahr der strafrechtlichen Verfolgung bringen, oder ob er brutal darauf los operiren soll, ohne Rücksicht auf die Schmer« zen des Leidenden.

Hier ist ein Großes gefunden!

GEeinnNtziges.

Zeichen unschädlicher Gummiwaaren. Es kommt nicht selten vor, daß Kinder beim Spielen mit Sachen aus Gummi dieselben in den Mund nehmen und dann schließlich gewiße Erkrankungssymptome aufweisen. Die letzteren zeigen sich auch häufig bei Kindern, welche noch aus der Flasche trinken. In beiden Fällen hat alsdann der Gummistoff irgend­welche schädliche Substanz in sich, und es ist daher gut, wenn man weiß, ob Gummiwaaren gesundbeitsnachthellig stnd oder nicht. Unschädliche Gummiwaaren weisen folgende Kennzeichen auf: Erstens schwimmen fie im Wasser, zweitens erweisen sie sich als sehr elastisch, drittens sind sie von weicher Beschaffen­heit. Schwarze Sauz» und Warzenhütchen können ebenfalls als der Gesundheit nicht nachtheilig erachtet werden; schwarze Gummipuppen dagegen, falls sie in der Masse gefärbt sind, sinken im Wasser unter, was darauf hindeutet, daß sie Blei­oxyd enthalten. Auch alle grauen Gummisachen müßen als verhältnißmäßig schädlich bezeichnet werden, weil sie Zinkoxyd enthalten. Vorsichtige Eltern sollten daher ihren Kindern keine Spielsachen aus grauem Gummi geben-

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Fruchtsuppe. Man nehme irgend eine frische Frucht und lasse sie so lange im Waffer kochen, bis sie ganz weich geworden ist. Dann lasse man die ganze Masse durch ein Sieb laufen und stelle sie wieder auf das Feuer Jetzt thue man etwas Gewürz, wie Nelken, Stangenzimmt und einige Scheiben Citronen dazu, und Zucker nach Geschmack Hat das Gewürz einige Zeit mit der Masse gekocht, so nehme man es wieder heraus und verdicke die Suppe mit Stärkemehl. Es muß selbstredend so viel Wasser zur Frucht gethan werden, bis das Ganze die Form einer sämigen Suppe annimmt.

Vevinischtes.

Die Bekehrung der Junggesellen. Am Abend des 21. Januar fand in Wien der bereits einmal angekün- digte, aber infolge zu schwacher Betheiligung unterbliebene Vortrag des Fräuleins Hedwig Georgesüber die Bekehrung der Junggesellen" statt. Es hatte sich, wie dieN. Fr. Pr." schreibt, ein zwar nicht zahlreiches, aber äußerst distinguirtes Publikum, bestehend aus mehreren Mädchen, die in Begleitung ihrer Mütter erschienen waren, und einigen Junggesellen, die wahrscheinlich das Bedürfniß nach Bekehrung sühlten, eingefun­den. Fräulein Georges bat einleitend um Nachsicht für ihren Vortrag, welcher die brennende Tagesfrage des Junggesellen- Clubs und seines Pendants, des Jungfrauen-Clubs, zum Motive habe. Die Junggesellen, sagt die Vortragende, sind nicht principielle Gegner des Heirathens. Nicht Furcht vor dem Pantoffel, nicht Scheu vor Arbeit halten sie hiervon ab; aber eine liebende Gattin, kleine schuldlose Kinder hungern und darben zu sehen, kann der stärkste Mann nicht, der Herz hat. Es ist mehr die liebevolle Sorge des gemüthvollen Mannes, die ihn veranlaßt, dem Junggesellenclub beizutreten, ohne daß er einen Eid leiste, ihm treu zu bleiben Es liege in der Hand der Damen, die Junggesellen zur Fahnenflucht aus ihrem Club zu bewegen, und zwar durch Gründung eines Damenclubs, wonach den Herren Gelegenheit geboten werden solle, ein echtes und rechtes Familienleben kennen zu lernen. Die Damen müssen zur Ueberzeugung gelangen, daß nicht blos Putz und Tand das Leben ausfüllen, sie müssen Kraft und Muth be­sitzen, zu schaffen, theilzunehmen an den Interessen des Mannes und ihm helfen, die Last des Lebens zu tragen. Die Damen sollen echte deutsche Hausmütterchen werden. Der zu gründende Jungfrauenclub werde wohlthätigen Zwecken dienen. Zweimal wöchentlich sollen Zusammenkünfte stattfinden, einmal mit Aus­schluß der Herren. An diesen Abenden sollen Berathungen gepflogen, für arme Kinder geschneidert, genäht und gestrickt werden. Herren können nur auf Empfehlung eingeführt wer­den. Die Damen sollen sich einfach, sauber gekleidet, mit weißen Schürzchen einfinden. Auf den Tischen summt der Theekessel; Kellner werden nicht zugelassen. Die Herren dürfen nur zwei Glas Bier trinken, für jedesUeberbier" müssen sie zehn Kreuzer Strafe zahlen. Es soll kein Klatschabend und kein Klatschkränzchen werden. Dem Zauber, meint Fräulein Georges, wird Niemand widerstehen, es sei denn ein ausgemachter Brummbär. Die Vortragende, welche aus Deutschland stammt und mit leichtem norddeutschen Accent spricht, schildert in ausführlicher Weise die Vortheile der Ehe und hält es als die größte Glückseligkeit für einen Vater, ein halbes Dutzend kleiner Poiaunen-Engel um sich herumtollen zu sehen. Es sei eine Pflicht für den Staat, in seinem eigenen Interesse ein Gesetz zu erlassen, wonach jeder Junggeselle in einem bestimm­ten Alter heirathen müsse. Wenn Keiner heirathen würde, dann müßte ja die Weltgeschichte aufhören.Treten Sie ein in die heiligen Hallen des Jungfrauen-Clubs," apostrophirte Fräulein Georges die noch anwesenden Junggesellen,und er­wärmen Sie sich an dem traulichen Familienbilde!" Schließ­lich sprach die Vortragende die Hoffnung aus, daß ihre Joeen auf fruchtbaren Boden gefallen und die gestrengen Richter nicht unbefriedigt von dannen gehen werden. (Beifall.)

Was er sich wünscht. Ein Bauer sitzt in einer Wirthschaft und studirt die Anzeigen einer Zeitung. Plötzlich springt er auf und sagt zu einem neben ihm sitzenden Gasten Dunnerwiär, so 'n Veh deih ick mi auk wünsken!" Dabei zeigte er auf ein Inserat folgenden Wortlautes:Eine Kuh, welche jeden Tag kalben kann, ist zu verkaufen u. s. w." Un wenn se dat bloß alle twee Dage könn, dann wör immer noch en gurt Geschäft dormet to maken," meinte unser Mann vom Lande.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.