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Commerzienrath Liflauer und anderen Leuten schuldig sein? Gewiß ist es eine enorme Summe."

Erich zuckte die Achseln.Als Hans Adam das Gut an­trat, war mehr als eine halbe Million Baarvermögen vorhan­den dies Geld hat er verbraucht und seitdem auf fürstlichem Fuße gelebt. Es werden ihm Tausende und Abertausende all­jährlich gestohlen, ohne daß er es bemerkt; er leiht jedem Be­drängten, er schmiedet große Pläne und glaubt immer, das Gelingen schon in der Hand zu halten. Da ist alles Zureden umsonst."

Ruth seufzte.Sein Herz ist golden," sagte sie halblaut.

Für die, welche nicht genöthigt sind, alle Consequenzen seiner Thorheit an ihrem eigenen Schicksal zu tragen, vielleicht."

Werden Sie nicht bitter, Herr Wolfram, wir müssen zur Sache kommen. Ich hätte so gern von Ihnen ein gutes Wort."

Sicher! Sicher! Aber Sie fragten, Fräulein Ruth, und ich mußte antworten- Im Ganzen mag Hans Adam doch wohl Verpflichtungen bis zur Höhe einer Viertelmillion mit sich herumschleppen wenn nicht noch mehr."

Ruth schauderte.Eine so furchtbare Summe, Herr Wolfram? Aber das Gut hat auch einen großen Werth, nicht wahr?"

Freilich. Wenn Moldt unter den Hammer kommt, wer­den alle Gläubiger befriedigt dann ist Hans Adam ein verlorener Mann. Sich mit der Wirklichkeit des Lebens, mit allen seinen Anforderungen und ewig erneuten offenen Fragen allein abfinden kann er nicht."

Ruth senkte den Blick-Ich weiß es, Herr Wolfram. Und nun muß Alles gesagt werden. Ich bitte Sie inständig, mir das Versprechen, welches ich Ihnen kürzlich gab, jetzt unter den veränderten Umständen erlassen zu wollen. Ich muß muß den Commerzienrath Lissauer heirathen oder es ist Alles verloren."

Erich hatte längst vorausgesehen, was nun folgen werde, er erschrak daher nicht; aber sein Entschluß schien vollkommen festzustehen.

Das ist unmöglich, Fräulein Aßmann," sagte er.

Rath führte die Blume an ihre Lippen, sie rang nach Athem.Lassen Sie sich erbitten, Herr Wolfram, sprechen Sie selbst mit dem Commerzienrath und schließen Sie einen förmlichen Handel, der diesem Herrn für alle Zukunft die Hände bindet. Lissauer ist unermeßlich reich, man sagt, daß er mehrere Millionen besitzt."

Die sämmtlich durch das edle Gewerbe des Wuchers zusammengebracht worden sind ja. Daß hier und da ein Pistolenschuß das Gehirn eines Betrogenen zerschmetterte, daß Dieser oder Jener des würdigen Herrn Commerzienraths wegen in das Irrenhaus kam und seine ganze Familie dem Elend überlieferte, nun, daran zu denken ist der gute Mann nicht empfindsam genug!"

Aber das Alles kümmert doch mich nicht!"

Ruth schrie es fast; sie schluchzte bitterlich.Herr Wolf­ram, suchen Sie den Mann auf, unterhandeln Sie mit ihm, und wenn er einwilligt, Hans Adams Schulden ganz und gar zu tilgen, wenn er schriftlich verspricht, keinerlei eigene Forde­rungen mehr geltend zu machen, dann will ich ihn heirathen-"

Erich erhob sich plötzlich, er trat zum Fenster und sah hinaus.Und das sollte ich in die Wege leiten?" rief er mit erstickter Stimme.Ich?"

Das war im höchsten seelischen Affect hervorgestoßen; für den Augenblick schien die Selbstbeherrschung des sonst so ruhi­gen Mannes vollständig erschüttert.Ich kann es nicht, Ruth," fügte er tiefathmend hinzu.Unmöglich!"

Nehmen Sie mir nicht alle Hoffnung," bat hinter ihm die weiche, sympathische Mädchensttmme-Es ist nur ein Wort, um das ich flehe."

,.O, wie sehr Sie sich täuschen, Fräulein Ruth! Es ist das Elend Ihrer ganzen Zukunft, es ist mehr als der Tod ein Jammer, der Sie dem Irrsinn entgegenführen könnte."

Er kehrte sich langsam wieder zu ihr.Oder sollte ich mich täuschen?" setzte er hinzu-Würden Sie es jemals

lernen, an der Seite eines völlig gewissenlosen Menschen glücklich zu sein? Würden Sie Schätze besitzen wollen, die mit der Verzweiflung Anderer erkauft sind?"

Ruth schauderte.Wer spricht denn von mir? Wer denkt daran, was ich empfinden, würde? Lassen Sie mich die Meinigen retten, Herr Wolfram, das ist Alles, was ich zu er­langen wünsche."

Nein!' versetzte er beinahe rauh.Nie, so lange ich es verhindern kann." (Fortsetzung folgt)

Eine Methode schmerzloser Operation ohne allgemeine Betäubung.

Bon Dr. Fr. Hauser.

lSchluß.)

Die Haut besteht im Wesentlichen aus zwei Schichten, der derben, sehr festen Lederhaut (Cutis) und dem sogenann­ten Unterhautfettgewebe, das ein lockeres Maschenwerk dar­stellt. In diesem Maschenwerk vertheilen sich selbst große Flüssigkeitsmassen sehr schnell, indem sie nach allen Seiten fast ohne Widerstand abfließen. (Man kann z. B- bei Cholera­kranken in wenigen Minuten ganze Liter Salzlösung auf diesem Wege einlaufen lassen.) Wenn man nun früher in dieses lockere Gewebe die Cocainlösung einspritzte, so traf man erstens nur sehr unsicher die Nervenendigungen, die fast ausschließlich in der Lederhaut eingebettet sind, und konnte zweitens nur ausnahmsweise den hohen Flüsstgkeitsdruck erzielen, der das Gewebe blutleer und die Nervenendigungen unempfindlich macht.

Dr. Schleich machte also auf Grund dieser Erwägungen dieJnjectionen nicht mehr sub cut an, sondern intra ctan; er spritzt nicht mehr in das lockere Unterhautgewebe, sondern in die derbe Cutis.

Eine Operation nach dieser Methode gestaltet sich nun folgendermaßen: Um dem empfindlichen, vor dem Messer selbst bei größter Stork scheuen Kranken jeden, auch den leisesten Schmerz zu ersparen, wird ein Aetherstrahl auf die Stelle der Haut gelenkt, wo der Einschnitt beginnen soll. Sobald eine weiße Verfärbung der Haut unter dem verdampfenden Aether anzeigt, daß hier kein Schmerz mehr empfunden wird, wird eine feine Hohlnadel an einer sogenannten Pravaz'schen Spritze, die die schwache Lösung enthält, parallel zur Oberfläche in die Lederhaut eingestochen und ein langsamer Druck auf den Spritzenstempel ausgeübt. Die Flüssigkeit dringt in die sehr engen Räume zwischen den Zellen der Cutis ein, bläht die ganze Stelle auf, die nun als schneeweißeQuaddel" hervor­tritt, schneeweiß, weil das Blut aus ihr verdrängt ist. Diese Quaddel ist absolut unempfindlich. Man geht jetzt in der Richtung, die der Hauptschnitt haben soll, innerhalb der Grenzen des weißen Bezirkes auf'S Neue mit der Hohlnadel ein, bildet eine neue Quaddel, die also mit der ersten zusammen­hängt, und geht so weiter vor, bis die ganze Hautfläche, die das Messer spalten soll, unempfindlich gemacht ist. Man k mn dann sofort durchschneiden, ohne daß der Kranke einen Schmerz sühlt. Ganz ebenso geht man weiter in die unter der Haut belegenen Organe vor, in Muskeln, Knochen, Eingeweide, - nur daß man dort viel weniger von der Flüssigkeit gebraucht. Denn diese Theile sind zum Theil sehr viel weniger, zum Theil gar nicht empfindlich.

Die Methode hat ihre Probe in Hunderten von Fällen glänzend bestanden: nicht nur alle Maßnahmen derkleinen Chirurgie", sondern auch der größten undglänzendsten" Ope­rationen sind unter der Zeugenschaft zahlreicher Aerzte ge­lungen.

Ganz zu verbannen wird das Chloroform nie sein: es gibt im Körper Stellen, wo die Localanästheste technisch nicht auSgesührt werden kann. Aber die Narkosen von langer Dauer und die Gefahr der Narkose wächst mit ihrer Dauer sind sicher überall zu vermeiden.

Von geradezu unermeßlichem Werth aber ist die Methode sür alle solche Kranke, die sich einem chirurgischen Eingriff