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bester Freund, ja, er war vor Jahr und Tag ihr Seelenarzt gewesen. Sie blickte mit unendlichem Vertrauen zu ihm auf, sie sollte, sie konnte ihn glücklich machen. Wie seine Lippen so bangevoll zuckten, als er jetzt vor ihr stand. Eine Vermählung mit diesem erprobten, edlen Manne, diesem treuen Freunde, sie würde kein Mißgriff sein. Johannas Herz blühte erst leise und schüchtern, dann mächtig in Liebe auf und zitternd einJa!" stammelnd, reichte sie dem Capellmeister die. Hand, der sie mit Küsten bedeckte und die erröthende Jungfrau an sein Herz schloß.

Johanna Halm und der Hofcapellmeister Braun wurden ein sehr glückliches Paar, welches herrliche Jahre in der Gunst des Herzogs und der hauptstädtischen Bevölkerung verlebte.

Weniger glücklich gestaltete sich aber später die Ehe des Herrn und der Frau von Bornstetten, sie hatten durch das glänzende Leben ihr großes Vermögen fast ruinirt und Herr von Bornstetten mußte nebst seiner kleinen, verwöhnten Frau die Bewirthschaftung seines stark verschuldeten Rittergutes selbst übernehmen und ein eingeschränktes Leben führen, um nicht in Armuth zu gerathen.

Anter dem Ghristöaurn."

Weihnachts-Erzählung von Gustav Lange.

(Schluß.)

Ja, es war ein grausames Schicksal, welches ihn Zeit seines Lebens verfolgt, wenn es auch einmal fast den Anschein gehabt» als ob er durch eigene Kraft und Geschicklichkeit im schweren Kampfe um's Dasein sich emporgearbeitet und eine sorgenfreie Existenz vor sich zu haben geglaubt, und al« er dann die Bekanntschaft Valerie Wendts gemacht, deren Liebe ihn, den einsamen, jeder frohen Stunde entbehrenden Mann, über die Misere dieses Lebens hinwegzuhelfen versucht, als ob das Glück ihm nun hold sei. Aber dann hatte ihn ein grau» sames Geschick wieder zurückgestoßen in den Abgrund tiefen Elends. Er hatte seine Stellung, seine Existenz verloren und war somit aller frohen Hoffnungen auf eine glückliche Zukunft beraubt worden, nur ein leerer Wahn war ihm geblieben. War diese Erkenntniß im ersten Augenblicke niederschmetternd, fast unerträglich ihm erschienen, so hatte er doch anfänglich den Muth nicht sinken lassen und Valerie war ihm in seinem Unglücke ein tröstender Engel gewesen, hatte ihn aufzurichten versucht, als er nahe daran war, alle Hoffnungen zu verlieren.

Aber Woche auf Woche verging und noch wollte es ihm nicht gelingen, eine neue Stellung zu finden, trotzdem ihm die besten Zeugnisse zur Seite standen. Seine Ersparnisse waren nun bald aufgezehrt und er sah sich im Geiste schon in der Lage, wo er eines Tages der bittersten Roth preisgegeben sein würde. Auch waren bereits acht Tage verflossen, seit er nicht mehr bei Valerie gewesen, aber er konnte und wollte ihr auch nicht mehr unter die Augen treten und nach vielem Grübeln und mancher schlaflosen Nacht war er zu dem Entschlüsse ge­kommen, ihr offen und ehrlich Alle« mitzutheilen, wie es um ihn stand. Noch heute wollte er ihr dies schreiben. Freilich würde er dem armen Mädchen gewiß das Herz brechen, heute amheiligen Abend", wo alle Welt fröhlich und glücklich war.

Er hielt bei dem letzten Gedanken in seiner Wanderung durch da« Gemach inne; ein schmerzliches Sehnen wallte in ihm auf.Wo steht mein Weihnachtsbaum?" kam es trostlos non seinen Lippen. Er schlug die Hände vor das Gesicht und weinte, weinte wie ein Kind um das verlorene ach, so kurz besessene - Glück. 8

Bilder aus den Kindertagen stiegen in seiner Seele auf. Wie fein ganzes Leben ein ununterbrochener Kampf gewesen, Noth, Elend und Entbehrung ihn auf allen seinen Wegen be­gleitet, so hatte er nicht einmal das Glück froher Kindertage kennen gelernt. Vater und Mutter waren frühzeitig gestorben, ihn als eine arme Waise allein in dieser Welt zurücklassend; mitleidige Menschen hatten sich zwar seiner angenommen, aber er war immer der arme, vater- und mutterlose Knabe geblie­

ben. Erst als er dann älter geworden und ein Kaufmann sich seiner erbarmt, der ihn anfangs zu niederen Diensten verwen­det, später aber, als er seine Brauchbarkeit, seinen Fleiß und seine Treue erkannt, ihn in die kaufmännischen Geschäfte ein» geweiht und nachdem er seine Lehrjahre absolvirt, eine Stelle als Commis m seinem Geschäfte übertragen, glaubte er das Ziel seiner Wunsche erreicht zu haben und nun war auch dies vorbei.

Fast eine Stunde mochte wohl vergangen sein, seit den Entschluß gefaßt, an Valerie ?inen offenen 8f zu schrei! ben, einmal hatte er schon angefangen, aber die Feder hatte nicht weiter gewollt und in schmerzvollem Stöhnen hatte er nach Fassung gerungen und al« er jetzt noch immer nicht über die Anrede hinausgekommen, warf er die Feder auf den Tisch sprang mit Heftigkeit von seinem Sitze empor, daß der Sessel auf den Fußboden rollte und begann abermals mit ruhelosen Schritten in dem Gemache auf und ab zu schreiten, das Haupt tief auf die Brust gesenkt. Er hatte dabei ganz überhört, daß bereits mehrere Male, erst leise und dann stärker, an die Thüre geklopft wurde, und erst als dies jetzt noch heftiger geschah, fuhr er entsetzt empor, beeilte sich aber, die Thür zu öffnen, um nach dem Grunde dieser Störung zu forschen. Er war nicht wenig erstaunt, als er hier von einem ihm vollständig wildfremden Manne, nachdem sich derselbe genau nach seinem Namen und Stand erkundigt, ein sorgfältig versiegeltes Schrei­ben erhielt und der Ueberbringer desselben, ohne auf seine weiteren Fragen Auskunft zu geben, sich wieder entfernte.

Eine seltsame Verwirrung bemächtigte sich des jungen Mannes, als er jetzt wieder allein war und noch immer das Schreiben ungeöffnet in der Hand hielt; seltsame Gedanken durchkreuzten sein Hirn und ein Gefühl, fast wie leise Furcht, beschlich ihn. Endlich raffte er sich auf, öffnete vorsichtig die Umhüllung und hielt nun ein längeres Schreiben in seiner Hano, dessen Inhalt er, wie es schien, mit einem einzigen Blick überflog und als er jetzt zu Ende gelesen, ging eine merkliche Veränderung mit ihm vor. Er jauchzte wiederholt laut auf, drückte das Papier wie in überschwänglicher Freude an sein Herz und las es dann immer wieder von neuem durch, al« sei es ihm unmöglich, den Inhalt desselben zu fassen.

Das Schreiben war nichts Geringeres, als eine Anweisung auf eine größere Summe Geldes, die Josef Piroth bei einem gleichfalls darin genannten Bankier erheben konnte und war eigenhändig von Seiner Majestät Kaiser Josef II. ausgestellt. In dem Schreiben theilte der Monarch ihm weiter mit, daß er durch Zufall von seinen Verhältnissen Kenntniß erhalten und auch von seinen vergeblichen Bemühungen zur Erlangung einer Stellung, er wolle ihm deshalb behilflich sein zur Gründung eines eigenen Geschäftes, nur knüpfe er die Bedingung daran, daß er unverzüglich Valerie Wendt aus ihren Zweifeln und ihrem Kummer über sein Fernbleiben erlöse und sie später als seine Gattin heimführe.--

Zur Erklärung des Vorstehenden müssen wir noch einmal auf den Vorgang, der sich einige Tage früher in der Wohnung der Frau Wendt abgespielt, zurückgreifen. Jener Fremde, welchen Valerie, wie einer geheimnißvollen Eingebung folgend, zum Vertrauten ihrer Herzensangelegenheiten gemacht, war kein Geringerer gewesen, als der edle Kaiser Franz Josef II. von Oesterreich.

Noch heute erzählt man sich in Wien so manche Anekdote aus dem Leben dieses menschenfreundlichen Fürsten, zu dessen Gewohnheiten es unter Anderem gehörte, in einfacher Kleidung und ohne Begleitung sich unerkannt in den Straßen seiner Hauptstadt unter die Bevölkerung zu mischen oder die von den ärmeren Leuten bewohnten Viertel der Stadt zu besuchen, um durch eigene Anschauung von dem alltäglichen Leben und Trei­ben seiner Unterthanen und was sich sonst seinem Gesichtskreise entzog, zu überzeugen; nicht selten betrat der Kaiser sogar irgend eine öffentliche Wirthschaft oder ein Gasthaus und ließ sich mit den Anwesenden, die ihn natürlich nicht kannten und sich wohl nicht im Entferntesten träumen ließen, ihren Landesherrn unter sich weilen zu sehen, in Gespräche ein, die er geschickt auf seine eigenen Regierungshandlungen zu lenken wußte, um hierdurch