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Herzog,
wohl, er war schon seit Jahren ihr Lehrer, ihr Berather, ihr
der er- gesagt, davon
wirken sollten.
Auch Johanna sagte ihre Mitwirkung zu und fahrens Hofcapellmeister Braun hatte dem Herzoge daß Johanna Halm wahrscheinlich den Siegerlorbeer
anzunehmen.
Ein wahrer Freudentaumel ergriff Bornstetten, als er erfuhr, daß der Herzog seine Einladung huldvollst angenommen hatte und Helenens Herz schlug vor freudiger Aufregung wie
im Fieber.
Der große Tag kam heran. Die Salons in Bornstettens Villa waren in einen herrlichen Wintergarten verwandelt, die CrZme der Gesellschaft, an ihrer Spitze der Herzog, erschien zu dem Concerte, und Herr und Frau von Bornstetten standen . —» «hte
im Zenith ihres Triumphes. Da begann das Concert der braunen Augen niederschlagend, blickte Johanna in das eoie, fremden Künstler und Künstlerinnen und sie ernteten reichen männlich schöne Antlitz des von, ihr verehrten Mannes. Ja Beifall für ihre Bravourstücke, so daß die nachfolgenden Vor» r*7 "" — r '*
führungen der Mitglieder de« herzoglichen Hoftheater« als etwas in Schatten gestellt erschienen.
Zuletzt sang Johanna Halm, wie sie es sich ausgebeten. Sie hatte auf den Rath des Capellmeisters Braun das berühmte Gebet der Elisabeth aus dem Tannhäuser gewählt, welches Johanna nach Brauns Urtheil in genialster, verständ- nißvollster Weise wie so leicht keine zweite Sängerin zu singen wußte und welches auch so ganz und gar der erhabenen Ge- müthsstimmung Johannas entsprach.
Wie eine die Seele tief ergreifende Bewegung zitterte es durch den Saal, als Johannas glockenreine Stimme erklang. Packender, hinreißender wurde diese Stimme bei jedem ferneren Laut des Gebetes und weit, weit weg vom Alltagsempfinden trug die geniale Kunst Johannas die Hörer. Ein Beifallssturm brach los, als Johanna geendet hatte, und der Herzog war so entzückt von Johannas Leistung, daß er ihr persönlich huldvollst dankte und dabei änßerte, daß er sich eine besondere Anerkennung für diese Glanzleistung vorbehalte.
Bornstetten hatte während Johannas Gesang andächtig hinter einer Säule gelauscht; und als der Triumph der Sängerin wuchs und es klar war, daß sie vor so vielen berühmten Künstlern den ersten Lorbeer errungen, da erschien ihm, dem Kunstfreund, Johanna in einer Größe, daß er sie nun noch höher achtete und schätzte als je vorher.
Schon am Tage darauf theilte der Intendant des Herzog- ! lichen Hoftheaters Johanna mit, daß der Herzog geruht habe, sie zur herzoglichen Kammersängerin zu ernennen und daß der hohe Herr, um eine solche Künstlerin seinem Theater zu erhalten, Johannas Gage aus seiner Privatchatulle verdoppeln werde. Gleichzeitig überreichte der Intendant im Namen he» Herzogs seiner Kammersängerin einen kostbaren Brillantschmuck.
Die bescheidene Johanna war durch die Huld des Her- I zog» ganz verblüfft und fand kaum Worte des Dankes, so I erregt war sie.
Als der Intendant gegangen war, fiel Johanna auf die Knies und dankte Gott für solche unverdiente Gnade. Dann I wurde ihr ordentlich ängstlich zu Muthe, sie wagte sich in ihrer Bescheidenheit mit dem neuen Titel gar nicht auf die Straße und den prachtvollen Brillantschmuck blickte Johanna an, als wenn er gar nicht ihr gehöre. Aber die hohen Auszeichnungen, die ihr soeben vom regierenden Herzog geworden, empfand sie voll und ganz und Freudenthränen im Auge wollte sie zur Tante und zur Mutter eilen.
Da klopfte es leise und bescheiden an die Thüre, und auf Johannas Heretnruf trat der Hofcapellmeister Braun ein. Er grüßte nicht in seiner gewohnten leichten Weise, sondern I mit einer tiefen Verbeugung und seine Stimme zitterte, al» | er sprach.
„Ich weiß schon Alles von unserem gnädigsten Herzoge selbst," sagte Braun, „ich gratulire herzlichst, Fräulein Kammer- sängerin." „, _
„O, wie viel danke ich Ihnen sür diesen Erfolg, Herr I Capellmeister I" entgegnete Johanna und reichte demselben
widern?" „ .
Mit wachsendem Staunen und sehr häufig die großen
freundlich die Hand. m
„O, nichts haben Sie mir zu danken," erwiderte Braun in einer merkwürdigen Hast, „ich wäre ja nicht werth, daß mich Gottes Erdboden trüge, wenn ich Ihr Genie nicht erkannt und Ihre Stimme nicht ausgebildet hätte, Fräulein Johanna. O, verzeihen Sie meine Unruhe, ich muß Ihnen ein Geständ- niß offenbaren und eine demüthige Bitte zu Füßen legen. Meine liebe Johanna, denken Sie nicht daran, daß ich ein alternder Junggeselle und bereits einundvierzig Jahre alt bin. Ich verehre, ich — liebe Sie seit dem Tage, wo Ihr unglückliches Herz bei dem herrlichen Gesangs aus Tannhäuser von schwerem Leid genaß. Ich könnte, ich möchte nicht ohne Sie leben, Johanna! Können Sie in mir mehr als einen Freund erblicken, vermögen Sie meine Liebe aus vollem Herzen zu er*
XI.
Eine Woche nach dieser Unterredung Bornstettens mit seiner Frau verbreitete' stch in der Stadt die Nachricht, daß demnächst ein großes Concert fremder Künstler bei Bornstettens stattfinden werde und diese Nachricht erweckte in der kunstsinnigen kleinen Residenz, wo derartige Concerte bisher nur bet Hofe stattfanden, große Sensation. Das Concert, ausgeführt von berühmten fremden Künstlern, fand auch vor aus- erwählten Gästen unter großem Beifall statt und Herr und Frau von Bornstetten kamen in den Ruf, der Kunstpflege ganz neue Bahnen geöffnet zu haben. Der schwärmerisch angelegte Bornstetten gerieth dadurch förmlich in Entzücken und veranstaltete sechs Wochen später ein neues Elite-Concert in seinem Hause, in welchem förmlich im Wettbewerb auch hervorragende Künstler und Künstlerinnen des Hoftheaters mit
tragen werde.
Diese Mittheilung bestimmte den kunstsinnigen die Einladung des Herrn und der Frau von Bornstetten, dem Elite-Coneerte in ihrem Hause gnädigst beiwohnen zu wollen,
angelegte» Herz fühlte sich durch die scharfe Ablehnung seiner = Schwägerin doch sehr verletzt. Einst hatte Johanna fast jeden Abend einige Lieder für ihn, für ihn allein gesungen und nun wollte sie vielleicht einmal im Jahre seine Hausconcerte durch ihre Stimme verschönern helfen! Ja, die Zeiten hatten sich geändert, einst sang Johanna aus Liebe, aus reiner edler Liebe für Bornstetten und wurde des Singens nicht müde. Dann hatte er diese Liebe verschmäht, sie war erloschen, und Johanna hatte nun auch keine Lieder sür ihn mehr. Es war ein ganz natürlicher Vorgang, den aber der vom Glück verwöhnte Bornstetten nicht recht begreifen wollte. Er war doch recht ärgerlich über Johannas Ablehnung und theilte dies auch seiner Gattin mit.
„O, was sich diese Johanna doch jetzt einbildet!" rief da aufgebracht die kleine, stolze Helene. „Sie will nicht mehr I bei uns singen. Nun, dann läßt sie es eben bleiben. Es gibt ja andere Sängerinnen genug und wir könnten ja während der Wintermonate überhaupt einige Künstlerconcerte in unserem Salon geben, ein Königreich kann ja das nicht kosten und unser Haus wird dadurch noch berühmter. Wie gefällt Dir der Vorschlag, lieber Kurt!" schloß die kleine Frau und legte schmeichelnd den Arm um den Hals ihres Gatten.
„Du hast Recht, Lenchen!" erwiderte Bornstetten. „Es ist eine gute Idee, selbst einige Künstlerconcerte zu veranstalten, wie ich sie so sehr liebe und wodurch wir in unserer kunstsinnigen Stadt große Ehre einlegen können. Vielleicht beehrt uns gar der Herzog mit seinem Besuche, wenn er hört, daß auserlesene fremde Künstler sich bei uns hören laffen."
„Das wäre herrlich, Kurt," rief die kokette, junge Frau, „wenn das herzogliche Paar einmal bei uns als Gast weilte, dann würden auch gewtffe Mitglieder der hohen Aristokratie uns nicht mehr von oben herab ansehen. Wann denkst Du, daß wir das Concert geben können?"
«In vier Wochen, mein Kind!" entgegnete Bornstetten ganz begeistert. „Ich werde in den nächsten Tagen die nöthigen Schritte thun."
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