- 612

Valerie war zu Ende mit ihrer Arbeit und betrübt ließ I sie den Blick noch einmal über den Weihnachtsbaum gleiten, aber sie hatte keine Freude mehr an demselben. Wie schmerz- I sich vermißte sie den Geliebten I Wie schwer lastete der Druck all' des Leidens, was ihr in der letzten Zeit widerfahren, aus 1 ihrl Wie schön hätte es sein können, wenn Joses an der heu­tigen Feier hätte theilnehmen können und ein frischer Lebens- I muth ihr neue Freudigkeit gegeben hätte.

Vorüber war der Traum, auf immer vorüber I Sie trat I an das Fenster; jenseits der Straße, hinter den erleuchteten Scheiben, flackerten die Wachskerzen des Wethnachtsbaumes und dann und wann drang der Helle Ton jubelnder Kinder- I siimmen an das Ohr der einsamen Lauscherin und sie erwachte erst wieder aus ihrer dumpfen Lethargie, in welche sie ver- fallen schien, als die Thür hastig geöffnet wurde und der Ruf Valerie" an ihr Ohr drang.

Von einem freudigen Schreck über die ihr nur zu sehr I bekannte Stimme durchzuckt, wandte sie sich um und sank im nächsten Augenblicke in die geöffneten Arme Josef Piroths, der auf sie zugeeilt.

Mit kurzen Worten theilte er ihr mit, was sich zuge­tragen und das junge Mädchen war nicht wenig erstaunt, als es erfuhr, daß jenerJosef", dem sie nun ihr Glück zu danken hatten, Kaifer Jofef selbst gewesen. Im ersten Augenblicke I freilich wollte sie es gar nicht fasten und erst als Jofef ihr jenes Schreiben, von besten Wahrheit er, noch bevor er sich zu seiner Geliebten begeben, bei dem darin namhast gemachten Bankier sich überzeugt, gezeigt, fand sie Worte, ihrem Herzen in lauten Segenswünschen für den edlen Monarchen, dem Gründer ihres Glückes, und fein ganzes Haus Erlerchterung zu verschaffen^ We 6eil)en Liebenden umschlungen.

Das Fragen und Erzählen wollte gar kein Ende nehmen und besonders Valerie konnte nicht des Rühmen» genug finden, mit welcher Freundlichkeit und Güte der edle Kaiser damals bei seinem unverhofften Besuch ihr begegnet war.

O möchte doch allen bekümmerten und unglücklichen Menschen heute ein gleicher rettender Engel erscheinen und jenes Wort unseres Heilandes, das er so oft den Menschen gelehrt,

hauchte einen Kuß auf die Stirne des schönen Mädchens.

Frau Wendt sprach ein stille» bewegte» Dankgebet, in das die beiden Wiedervereinigten mit , einstimmten, während von den Thürmen die Glocken in feierlicher Weise den Beginn de« Festes verkündeten und selbst der Lichterglanz der wenigen Kerzen schien Heller auf die glücklichen Menschen zu strahlen, die unter dem Christbaum sich wiedergesunden.

geist befeuchtet sind. Der Salmiakgeist löst da» Schwefelsilbe auf, greift aber das metallische Silber nicht an, so daß dar Metall blank zum Vorschein kommt.

Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

GsMsinnÄtzigss.

Oelftecks aus Dielen zu entfernen. Der Fleck wird mit grüner Seise bestrichen, mit Spiritus übergossen und dieser dann angezündet. Selbstverständlich muß man stch mit den Kleidern von der Flamme sernhalten. Nach dem Verlöschen wird sofort mit der Bürste, mit weichem Wasser und Se fe nachgescheuert; der Fleck wird vollständig verschwunden fern, Petroleumflecke lasten sich ebenso entfernen.

Broneeleuchter zu putzen. Man bestreicht dieselben mit gereinigtem Terpentin und reibt sie mit einem wollenen Lappen trocken ab.

Vermischtes.

Vom medicinischen Examen.Herr Candtdat, was halten Sie für das beste Mittel, um zum Verspiel einen , durch maßlosen Genuß geistiger Getränke besinnungslos gewor­denen Collegen schnell wieder zu.sich zu brmgen?Ihm in's Ohr schreien, daß ihn der Geldbriefträger sucht.

Beinahe dasselbe. *Ehecandidat (zum Heirachr- Vermittler):Ich muß Sie ernstlich zur Rede stellen. Sie haben mir erzählt, der Vater des Mädchens sei tobt und nun erfahre ich, daß er im Zuchthaus sitzt!" Heirathsv^mittler. Nu, und wenn er fchon im Zuchthaus sitzt, sagen Se selbst is da» e Leben?" * ,

Vom Elementar-Unterricht- Lehrer:Unsere i Stadt hat bekanntlich viele Brücken; wozu dienen diese? Kann | mir da» Einer sagen?" Schüler:Ich! Damit das

Master unten durchfließen kann."

Ein großer Vorzug. *Du, Bummel, den Schneider Eller kann ich Dir sehr empfehlen dem begegnet man fast nie!" e .

Im Heirathsbureau. Vermittler:Das Mädchen, welches ich Ihnen empfehle, ist sehr häuslich." Herr: Gut! Je mehr Häuser, desto bester!"

Immer derselbe. Reisender:Ach, mein Fräulein, wenn Sie mich schon nicht wiederlieben, so erhören Sie doch wenigstens nicht einen von der Concurrenz!" __

bi. iWl. >u «*««, «.ich. mm % fg W* I M°uÄmtatte Welt wie mm üb« * * I fo war ihm bl« gerlbe m«hm. Deflete bot M nmta solchen heimlichen Ausgängen dem zu jeher Zeit hilfsbereiten | Monarchen die Gelegenheit, Gutes zu wirken und zuweilen als I Retter in der Roth zu erfcheinen. t . I

So war dies auch in dem vorliegenden Falle gewesen. I Sofort, nachdem sich der Kaiser aus der Wendt'schen Wohnung entfernt, stand bei ihm der Entfchluß fest, hier helfend m tue | Verhältniste einzugreifen und schien ihm da» bevorstehende Weihnachtsfest die paflendste Zeit, um den beiden Liebenden eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Schon am anderen Tage ließ der Kaiser unauffällig Erkundigungen über das junge Mäd­chen einziehen und die erhaltene Auskunft gab der sittfamkelt und den häuslichen Tugenden von Valerrs das beste Zeugnrß Auch bezüglich Jofef Piroths geschah ein Gleiches und da dem- selben ebenfalls in jeder Beziehung em guter Ruf zur Serk stand und besonders die Thatsache sich bewahrheitete, nicht durch eigene Schuld seine Stellung verloren zu haben,, so zögerte der Kaiser auch nicht länger und die Folge war jenes Schreiben ^Jn ^r Wendt'schen Wohnung wurde da» Christfest ge­feiert! Ein jämmerliches Tannenbäumchen, an dem einige Wachslichter befestigt waren, deren flackerndes Lcht mit röth- liebem Scheine da» verweinte Antlitz Valeriens beleuchtete, die vor demselben stand und noch einige kleine Sachelchen zum Schmucke an den Baum anzubringen sich bemühte, während ihre Mutter im Lehnsessel saß, die Hände andächtig gefaltet