Ausgabe 
30.11.1893
 
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564

Nr.'

Verwischtes.

Um

Redactian: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

Taschentücher, lieber den Ursprung des Taschentuches dürften sich unsere Damen wohl wenig Kopfzerbrechen gemacht haben, obwohl diesem unscheinbaren Ding eine bedeutende Rolle in unserer Toilette zugewiesen wurde. Vom unscheinbarsten Leinenlappen wurde dasselbe zum feinsten Spitzentuch erhoben, welches oft als ein kostbarer Gegenstand in den Wäscheschränken unserer Damen ruht. Schon im XIII. Jahrhundert finden wir, wie einem interesianlen Aufsatze in derWiener Mode" zu entnehmen ist, daß Kaiser Friedrich II. (1215) dem Taschentuche seine Aufmerksamkeit zuwendete. Er befahl nämlich, daß die weibliche Dienerschaft, und die Kinder auf seinen Besitzungen in Sicilien mit je zweiFaccolos de pano lineo (Taschentücher) zum Reinigen der Rase betheilt werden. Bis zum XVI. Jahrhundert gebrauchten die Deutschen das dem Italienischen entnommene Wort Facolo, Fatzelin ober Fatzen- lein für Taschentuch; es wird daher allgemein angenommen, daß das Taschentuch überhaupt aus Italien eingesührt wurde. Ja, selbst heute noch hat man in einigen Gegenden Oberöster­reichs und Bayerns kein anderes Wort hierfür als Fatzenlein. Im XVI. Jahrhundert war das Taschentuch noch nicht im allgemeinen Gebrauche, denn der um diese Zeit lebende Eras­mus von Rotterdam schrieb in seiner dem Prinzen von Burgund gewidmeten SchriftAnleitung zur Wohlanständigkeit" unter Anderem:Die Rase soll stets rein sein wie ein sauber Ge­schirr und niemals soll sie mit dem Parret oder dem Rocke geputzt werden, sonderm mit dem Facolettlein." Das Privi­legium, die Taschentücher zum Luxusgegenstande erhoben zu haben, kann Frankreich für sich reclamiren. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts galt das WortTaschentuch" in der Gesellschaft als verpönt; ebensowenig durste auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, dasselbe ausgesprochen werden Ein französischer Schauspieler, der es dennoch gewagt hatte, statt des WortesGewebe"Taschentuch" zu sagen, wurde der­art ausgezischt, daß er nicht nur die Bühne, sondern auch bte Stabt verlassen mußte. Selbst bas bloße sichtbare Tragen des Taschentuches war in den besseren Kreisen gegen die herrschende Etikette. Erst der Kaiserin Josephine blieb es vor­behalten, dem Taschentuche das Oessentlichkeitsrecht zu erwerben. Kaiserin Josexhine benützte nämlich beim Sprechen stets ein feines Spitzentaschentuch, welches sie zu den Lippen führte, um damit ihre schlechten Zähne zu verdecken. Kaum war dies Er- eigniß vor sich gegangen, als sich die Pariser Damen beeilten, ihre Garderobe mit den feinsten Taschentüchern zu completiren. Auf allen Boulevards, «in allen Salons sah man die Damen mit den Taschentüchern in den Händen, oder dieselben zumindest sichtbar tragen. Auf diese Weise erklärt es sich, daß das Taschentuch immer luxuriöser ausgestattet wurde und dieses einst in den tiefsten Falten verborgen gehaltene Toilettestück zu hohen Ehren gelangte. Dies hat Kaiserin Josephine gethan und Schuld daran waren die Zahnärzte jener Zeit; denn hätte es Dentisten gegeben, würde die Kaiserin es nicht nöthlg ge­habt haben, ihre schlechten Zähne mit dem Taschentuche beim

Karl U. zu den bekanntesten Persönlichkeiten. Er unterhält lebhafte gesellschaftliche Beziehungen, ja man könnte fast sagen, er sei einVereinsmeier", und so kommt es, daß sich vielleicht mehr Personen mit seinen Angelegenheiten beschäftigen, als ihm selber lieb sein mag.

Am vergangenen Mittag erschien der Kaufmann zur ge­wohnten Nachmittagsstunde in seinem Stammkaffeehaus. Als er das Engagement zu seiner gemüthlichen Tarockparthie an­nehmen wollte, hielt ihn einer seiner intimsten Bekannten, ein Möbelfabrikant zurück.

Ich muß mit Dir in einer sehr wichtigen Angelegenheit sprechen."

Diese Worte wurden mit so viel Ernst vorgebracht, daß Herr Karl 11. förmlich neugierig wurde. Der Freund zog ihn in eine einsame Ecke, ergriff seine Rechte und sagte:

Wir sind seit Jahren befreundet, Karl; wir kennen uns seit der Zeit, da wir noch Beide arme Anfänger waren. Wir haben uns gegenseitig geholfen, wo es möglich war . . ."

Wozu die vielen Worte? Du willst mir etwas sehr Un­angenehmes sagen."

Ja". Der Fabrikant zögerte und wurde sichtlich ver­legen.Es handelt sich um Deine Frau." Der Kaufmann, dessen Stirnadern anschwollen, machte eine heftige Bewegung der Ab­wehr. Aber der Redner ließ ihn nicht zu Worte kommen.Sei überzeugt, daß ich nach reiflicher Ueberlegung mich an Dich ge­wendet habe. Ich kann es Dir nicht verschweigen, denn Deine Mannesehre steht auf dem Spiele. Höre: ich habe in sichere Erfahrung gebracht, daß in einer gewissen kleinen Stammtisch- Gesellschaft" er nannte das Hotelvon einem Amateur- Photographen ein Bild herumgereicht wurde, welches Deine Frau in dem Augenblicke darstellt, in dem sie von einem Manne geküßt wird."

Der Kaufmann wurde todtenblaß; er war außer Stande, auch nur ein Wort hervorzubringn. In seinen Schläfen hämmerte es, das ganze Local tanzte vor seinen Augen und er mußte ein Glas Wasser hinabstürzen, denn er fürchtete, un­wohl zu werden. Es währte eine geraume Weile, bis er sich einigermaßen erholt hatte.

Es ist unmöglich I" ächzte er.

Die Thatfache kann gar keinem Zweifel unterliegen," erwiderte unerbittlich sein Freund.

Und wer ist jener Schuft . . . ?"

Darüber kann ich Dir keine Aufklärung ertheilen. Aber wir können sie sofort haben. Der Amateurphotograph wohnt Dir gegenüber und besaß so allerdings Gelegenheit" . . .

Eine Viertelstunde später befanden sich die beiden Männer in der Wohnung des Studenten, welcher in dem verhängniß- vollen Moment seinen Apparat hatte spielen lassen.

Der Kaufmann konnte vor Aufregung nicht sprechen und so mußte 6er Möbelfabrikant den Grund ihres Erscheinens an­geben.

Sie haben sich unterstanden, ein Bild von einer gegen­über wohnenden Dame zu verfertigen?"

Der junge Herr begriff sofort, um was es sich handle und ferner, daß seine allernächste Zukunft eine etwas unangenehme sein werde. Er ließ sich nicht lange bitten, die Photographie vorzuweisen, denn er war der Ansicht, daß er auf diese Weise noch am ehesten eine glimpfliche Beendigung dieser fatalen Eon- versation herbeiführe.

Der Kaufmann riß das verrätherische Bild an sich. Er schlug sich mit der Rechten an die Stirne. Kein Zweifel mög­lich! Da lachte ihm das hübsche Gesicht seiner Frau aus der in großem Format ausgeführten Photographie entgegen. Sie hielt einen Mann umschlungen ihre Rosenlippen näherten sich den seinen zum Kuß oder vielleicht war diese angenehme

Ceremonie schon erledigt . . .

Der Kaufmann brach in ein Helles Lachen aus, so daß die anderen Zwei nicht anders dachten, als daß er bett Ver­staub verloren habe.

Seine plötzliche Heiterkeit hatte aber einen begreiflichen Sprechen zu verdecken-

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Grund, denn der Mann, der seine, Herrn Karl U's, Frau küßte war er selber I Der junge Herr Momentphoto­graph hatte eine allerdings nicht für Stammtische ober die große Oeffentlichkeit berechnete Scene aus dem Eheleben verewigt.

Wie diese Unterredung eigentlich endete, wissen wir nicht. Aber der Student hatte am nächsten Tage heftige Zahnschmer­zen, ober um es genauer zu sagen eine eingebundene Wange. Herr U., der die Geschichte mit dieser Momenlphoto- graphie, um jeder weiteren irrigen Auffassung vorzübeugen, selber verbreitet, ist der zuversichtlichen Ueberzeugung, daß der junge Herr in Ausübung seiner Kunst con1 nun an bedeutend vor­sichtiger sein werde.