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solche Worte trüben."
sagte Martha und zog den Knaben
„Komm', Albert," sagte Martha und zog den Knaben dichter zu ihm heran. „Erinnerst Du Dich, war ich Dir von Deinem Papa erzählt habe, wie lieb und gut er ist? Sieh', dar ist Dein Papa, den Du sehr lieb haben mußt."
„Ich habe ihn schon lieb, — ich hatte ihn schon gestern lieb," sagte der Kleine eifrig.
„Ich bin schon so verwirrt, so im Taumel, daß tch Dich noch gar nicht gefragt habe, wie Du hierher gekommen bist? '
Herzenskämpfe.
Roman von Theodor Schmidt.
fragte Curt.
„Das mögen Andere für mich erzählen. Drei Tage, nach» dem ich Dich verlassen, befiel mich eine heftige Gehirnentzündung und schon deckte hoher Schnee die Erde, als ich wieder zu mir kam."
„Hast Du keinen meiner Aufrufe gelesen?" fragte Curt.
„Nein," entgegnete sie, „mit Dir verließ ich die ganze Welt. Als mir hier ein Obdach geboten wurde, nahm ich es unter der Bedingung an, daß Niemand mich je sehen oder von mir hören dürfe und daß Alles von der Außenwelt von mir ferngehalten werde. Ich dachte, ich würde sterben; ich sehnte mich ja auch nach dem Tode, da ich nicht mehr bei Dir sein konnte."
„Armes Kind," sagte Curt innig; „warum . . ."
Ein Klopfen an der Thür unterbrach ihn, und in der nächsten Minute trat die Baronin mit glückstrahlendem Ant» litz ein.
„Nun, kannten Sie die Dame?" wandte sie stch lächelnd an Curt. „Mein Sohn möchte wisien, ob er näher treten darf."
„Ein gerechter Wunsch!" sprach der Graf heiter, „da wir unser Glück zum großen Theil ihm verdanken- Ach, Masiol," rief er dem Eintretenden zu, „wie soll ich Ihnen für ihre große Güte danken I Jetzt aber erklären Sie mir, wieso ich meinen verlorenen Liebling hier in Ihrem Hause wiederfinde."
„Das ist eine lange Geschichte," antwortete der Baron, „doch Sie sollen sie hören. — Bor etwas mehr als drei Jahren, wenige Tage vor meiner Abreise nach Paris, gehe ich auf den Westbahnhof, mich nach etwas zu erkundigen. Es war eben ein Zug angekommen und auf dem Perron herrschte großes Gedränge. Da wurde ich auf eine Dame aufmerksam, die aus einem Wagen erster Klaffe stieg. Sie trug einen großen Mantel,
war dicht verschleiert und wußte offenbar nicht recht, wohin sie sich wenden solle. Endlich begab sie sich in den Wartesaal und verweilte da eine volle Stunde. Ich beobachtete sie, sie schien auf Niemand zu warten, ebenso wenig schien sich irgend Jemand um sie zu kümmern. Endlich stand sie auf, doch sichtlich noch ebenso unschlüssig wie bei ihrer Ankunft. „Ich will doch sehen," denke ich, „ob ich ihr nicht irgendwie behilflich sein kannl" — Ich gehe auf sie zu und biete ihr meine Dienste an.
Anfangs scheint sie mich nicht zu verstehen; doch als ich meine Frage wiederhole, schlägt sie den Schleier zurück und sieht mich mit wildem, verstörtem Ausdruck an.
Stellen Sie stch meinen Schreck vor, als ich Ihre Frau erkenne. „Frau Gräfin," rufe ich, „kennen Sie mich denn nicht? Baron Maffol, der Freund Ihres Gemahls?" — „O ja, ich kenne Sie," entgegnete sie. „Wollen Sie mir helfen?" fetzte sie mit tiefbekümmerter Stimme hinzu, indem sie ihre Hand auf meinen Arm legt- „Ich habe meinen Gatten, mein Haus für immer verlaffen. Ich fühle mich sehr krank; mein Kopf brennt mir wie Feuer. Wollen Sie mich irgendwo hin» bringen, wo ich sterben kann?"
Ich starrte sie sprachlos an, die schöne Gräfin von Rod» deck, hier in diesem bedauernswerthen Zustand. „Weiß der Graf davon?" stieß ich hervor. — „Wenn Sie meinen Worten nicht glauben," erwiderte sie heftig, „so verlaffen Sie mich; ich mag keine Fragen hören; ich kann die Nennung seines Namens nicht ertragen 1 Wenn Sie mir helfen wollen, so bringen Sie mich fort von hier!"
„Ihr Gesicht war todtenbleich, sie zitterte an allen Glie» dern und in ihren Augen brannte ein unheimliches Feuer.
Ich brachte sie zu meiner Mutter und noch an demselben Abend erzählte sie uns einen Theil ihrer Geschichte.
Sie schloß einen Vertrag mit uns; wir versprachen ihr, daß sie unter dem Schutz unseres Daches der Außenwelt, die sie so sehr fürchtete, völlig fern bleiben sollte; wir versprachen ihr Alles, was sie verlangte; ihr Zustand war so bedenklich, daß wir mit keinem Wort gegenzureden wagten. —
Nach jenem Abend habe ich sie erst vor wenigen Tagen wiedergesehen, da ich am nächsten Morgen nach Paris abreiste. — Ich kann der Vorsehung, die mich gestern in den Park führte, gar nicht genug danken. Wer weiß, wann sich ohne unser Zusammentreffen dieses unselige Mißverständniß aufgeklärt hätte! Als ich nach Hause kam und Ihrer Gattin Ihre Geschichte erzählte, da wußte ich, wie sehr diese Sie liebte."
„Gott segne Sie, Maffol!" rief Graf Curt. „Sie haben sich mir als treuester Freund bewährt; tausend Dank! — Auch Ihnen innigsten Dank, Frau Baronin," fuhr er, zu der Mutter Maffol» gewendet, fort, „für alle Liebe und Sorgfalt, die Sie meiner Gattin haben angedeihen lasten."
„Sie ist mir eine so liebe Tochter gewesen," erwiderte diese, „daß ich kaum weiß, wie ich ohne sie leben soll! Ich wünschte nur, ich hätte sie Ihnen kräftiger, rosiger wiedergeben können."
Der Graf schaute besorgt auf das Antlitz seiner Gattin, sie sah sehr bleich und zart aus.
„Wir müssen Dich recht pflegen, mein Liebling," sagte er; „einige Wochen vollen Glücks sollen Dich wieder frisch machen. Ist es denn wirklich wahr — ist es kein Traum, meine Martha? Ich soll mit meiner Frau und meinem Kinde heimkehren?"
„Thäten Sie nicht besser, Ihre Frau Mutter erst auf bie Überraschung vorzubereiten?" meinte die alte Dame.
„O nein," entgegnete Curt, „ich wage nicht, meine Martha wieder aus den Augen zu lassen; und Mutter soll sobald al» möglich mein Glück mit mir theilen."
Martha schmiegte stch inniger an ihren Gatten und flüsterte ihm leise zu, daß sie sich vor dem Wiedersehen mit der Gräfin fürchte.
„Habe keine Sorge, Kind," tröstete ihr Gatte sie, „meine Mutter macht sich selbst die bittersten Vorwürfe, Dir nrcht mehr Liebe entgegengebracht zu haben-"
Es war ein Abend ungetrübten Glücks.
(Schluß.)
W Curt hatte schon einmal geweint wie ein Kind — das war, als er seine Gattin verloren hatte; auch jetzt wieder schien seine Manneskraft ihn verlaffen zu wollen und heiße Thränen fielen auf ihr goldenes Haar.
„Curt," hauchte sie, „kannst Du mir jemals vergeben — daß ich an Dir zweifelte, daß ich Dich verließ?"
„Mich trifft die Schuld," antwortete er, „ich war eifer» süchtig und ungeduldig." L
„Mit mir spricht Niemand," erklang da eine klagende Stimme, und ein zartes Kindergesicht schaute verwundert auf.
Da erst erinnerte stch Curt an den Knaben.
„Wer ist der Knabe, der Dich Mutter nennt?" fragte er mit stockendem Athem. , r.
Statt aller Antwort legte Martha das Kind in seine Arme.
„Dein Sohn," hauchte sie, „Dein Sohn und der meine. — Schilt mich nicht, Curt," sprach ste, nachdem der erste Freudentaumel vorüber war, „schilt mich nicht, als ich Dich verließ, wußte ich nicht, welch' unschätzbares Geschenk der Himmel mir machen würde. Sieben Monate, nachdem ich von Dir gegangen war, wurde der Knabe hier geboren. Ich wollte ihn Dir schicken, wenn er alt genug war, um meiner nicht mehr zu bedürfen." - ~
„Still, still, Martha!" fiel Curt ihr in'» Wort. „Das ist eine goldene, eine selige Stunde, laß ste uns nicht durch
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