Ausgabe 
30.5.1893
 
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Dinge vorgegangen mb wurde dort von pfangen und wider

sie ist doch eine so schöne Zeit der frohen, seligen Hoffnungen," erwiderte Ludwig. mr

Es war aber auch eine Zeit der ernsten Prusung, die nun wohl hinter uns liegt," flüsterte Käthchen leise und küßte Ludwig inbrünstig auf deffen gebräunte Wange.

Bereits seit drei Tagen hatte der Commerzienrath Malten mit wachsender Aufregung die Ziehungslisten der stattfindenden Lotterieziehung verfolgt, aber die Listen stets enttäuscht bei Seite geworfen, denn es waren bisher noch fast gar keine großen Gewinne gezogen worden. Gewöhnlich arbeitete um diese Zett der Commerzienrath über den Mittag hinaus in seinem Privatcontor, denn er machte auch zahlreiche andere Versuche, um seine Finanzen zu verbeffern, und ließ sich dann gegen zwei Uhr die Ziehungslisten von seinem Diener in das Contor bringen. Auch heute war dies der Fall, und zu seiner bitteren Enttäuschung sah er, daß bei der heute Vormittag stattgehabten Loosziehung wohl das ,große Loos mit 500,000 Mk. gezogen, aber auf keins seiner drei Loose gefallen war.

Aergerlich warf der alte Herr die Liste bei Seite, doch dann nahm er sie wieder in die Hand, um die Loosnummer, auf welche das große Loos gefallen war, näher in Augenschem zu nehmen. Es war die Nummer 77,785. Höhnisch grinsten ihn die dürren Ziffern an, die doch in diesem Augenblick so bedeutsam für den glücklichen Gewinner waren, und dann schob der Commerzienrath die Liste bei Seite, um endlich zu Tisch

sind, Werner."

Der Diener eilte hinab in dc

ungewohnter Stunde verlaßen. C unter und sehen Sie zu, welche s

Der Commerzienrath stand sprachlos vor dem wackeren

und diesen nach der Felix-Grube zu leiten, erfreute sich im i hohen Maße des Beifalles Hülsemann's unter der Voraus­setzung, daß die Leitungsarbeiten nicht zu theuer kämen.

Ludwig Malten glaubte garantiren zu können, daß diese | Arbeiten nicht viel theuerer als vielleicht 15000 Mk. kommen würden. L _

Unglaublich, mein Lieber!" erwiderte der alte Herr. Diese Arbeiten können das Doppelte und Dreifache kosten, zumal wir um die Leitung ausführen zu können, Grund und Boden kaufen müssen, und dann gewöhnlich sehr hohe Kauf­summen gefordert werden, wenn die Besitzer wiffen, daß man den Grund und Boden unbedingt braucht."

Aber das Land hat dort sehr wenig Werth, es ist dürf- tige Weide und schlechter Waldboden," bemerkte Ludwig,und da können die Besitzer, meistens kleine Gebirgsbauern, doch gar nicht soviel dafür beanspruchen. Außerdeni habe ich den Ge­birgsbewohnern ein sehr gutes Angebot vorgeschlagen, welches sie vielleicht veranlaßt, uns den Grund und Boden ohne zede Geldentschädigung zu geben."

Da bin ich aber sehr neugierig, dieses Angebot zu er­fahren," rief der alte Herr Hülsemann sehr erstaunt,denn etwas Verlockendes muß es sein, denn sonst macht es bei diesen Leuten keinen Eindruck." , , n . , _,, .

Nun die Sache ist sehr einfach," meinte Ludwig lächelnd. Den drei in Frage kommenden Gebirgsdörfern fehlt es an einer Mühle, da das Gebirgswasser nur so wild weglauft und nur da und dort einen kleinen Teich bildet. Durch unsere Anlage bekommen die drei Dörfer eine starke Wasserkraft zu einer Mühle, und das dürfte doch sehr verlockend für sie sein, denn sie können dann dort oben bequem ihr Korn mahlen und ihr Holz sägen. Und da können sie uns auch den Boden zu dem Bache unentgeltlich abtreten." .

Das ist wirklich eine prächtige Idee von Ihnen, Ludwig, erwiderte der alte Herr mit leuchtenden Augen,ich bewundere täglich mehr Ihren erfinderischen Kopf, der immer noch dort neue Auswege findet, wo gewöhnliche Sterbliche rathlos da­stehen. Setzen Sie sich sobald als möglich mit den Gemeinde­vorständen der drei Dörfer in Verbindung, damit man sieht, ob der Vorschlag Beifall findet."

Ich habe es schon brieflich gestern gethan und werde morgen noch persönlich mit den Orts-Vorstehern unterhandeln.'

O, das ist sehr gut, daß Sie die Angelegenheit be- schleunigen, Ludwig, und ich werde Sie begleiten, um die Quellen der Rehberge noch genau auf ihre Waffermengen zu

zu gehen. , ,

Da drang urplötzlich ein seltsamer Lärm, ein Schreien, Jubeln und Lachen wie aus Hunderten von Kehlen an sein Ohr, und erstaunt sah der Commerzienrath zum Fenster hinaus nach den werten Fabrikhöfen. Dort liefen die Arbeiter in hellen Haufen umher, stießen Freudenschreie aus, umarmten sich und geberdeten sich, als wären sie närrisch geworden.

Was ist dies für ein unerhörtes Gebühren," sagte Malten zu seinem Diener,die Leute haben ja ihre Arbeit zu ganz unaewobnter Stunde verlaßen. 6 doch einmal qm-

schätzen." , , , .

O, da oben giebt es Waffer genug, das habe rch auf meinen Ausflügen nach den Rehbergen im Frühling, Sommer und Herbst ersorfcht. Nur im Winter kann es zuweilen Wassermangel geben, doch da können wir uns anderweitig! helfen, nämlich durch eine kleinere Dampfmafchine, die wir neben der Wafferkraft anlegen, um den Betrieb des Bergwerkes, so Gott will, künftig noch umfangreicher zu gestalten als früher.

Das beabsichtigen Sie auch noch, Ludwig!" rief der alte Herr entzückt.Sie sind wie ein guter Engel, der mich so sehr geschlagenen Mann wieder aufgerichtet hat und mem Unternehmen zu neuem und größeren Ansehen bringen wird. Gott Die« be^en ^Männer umarmten sich und schritten dann aus dem Privatzimmer des Herrn Hülsemann nach dem Wohn­zimmer, wo Käthchen saß- , ,,,

Du mußt entschuldigen, mem liebes Käthchen, daß ich jetzt o wenig Zeit für Dich habe," begann Ludwig und rechte der Geliebten zärtlich die Hand.Aber erst muß« derFckx- Grube Alles wieder in Ordnung sem, ehe ich Zeit für Dch habe und ehe wir Hochzeit machen können. Habe noch einige Monate Geduld mit mir!" . . ,

Ich will, wie es sich einer treuen Braut gezwmt, g^ul.

hinttb boffnunasvoll warten, denn ein edeles opservolles Werk I L>er «Lvmmvtzlvmrny

zu unserem Segen hat Dich ja allein dazu veranlaßt, unsere alten Manne, dann sagte er leise,mit zitternden HochM auf ein halbes Jahr zu verschieben." ' °^a-d. und es wird W

einer Gruppe Arbeiter mit Jam seinen Willen in ihre Mitte gezogen. , .___,

Dem Commerzienrath wurde jetzt die Sache enngermaßen bedenklich, denn er sah, wie die Arbeiter den Aufforderungen der Ausseher nicht Folge leistete«, und seine Bureaubeamten, welche vermittelnd hätten eingreifen können, waren noch nicht von der Mittagszeit, welche bis 2 Uhr dauerte, zuruck.

Sollte plötzlich raffinirter Weife ein Streik seitens der Arbeiter in Scene gesetzt worden sein? Doch dies kam dem Commerzienrath, der ein erfahrener Kenner der Arbeiter war, "* Ä -'n- H- Ahnung. D-r

Theil der Arbeiter, die Mitglieder des GesangvereinsEon- cordia" waren, spielte ja, wie der alte Engelhard entrüstet berichtet hatte, ein Lotterieloos aus der Veremskafle. Sollte vielleicht auf diese Loosnummer des VereinsConcordra das große Loos gefallen fein? m

Der Gedanke electrisirts den alten Herrn und er wollte eben selbst hinab in den Hof eilen, als der alte Engelhard ganz aufgeregt in das Contor trat und ausrref:Entschulvigen ! Siel, Herr Commerzienrath, daß ich unangemeldet eurttet. Eine unerhörte Begebenheit hat sich zugetragen. Unsir Gesang- GesangvereinConcordia" hat das große Loos gewonnen. Die Arbeiter schwimmen in Wonne und wollen h-ute kemen Schlag mehr arbeiten. Der Lotteriegewinn hat ihre Sim umnebelt, trotzdem er doch in hundertunddreiundvierzig Thell geht und auf keinen der Gewinner eine wirklich große Summe

alten staune, oann sagie er mit, nm ,

tt aus ein yatves Jayr zu vericyicvc«. i Spielglück ist leider blind, ^^er Engelhard, un e vom

.Die Zeit des Wartens wird uns ja auch nicht lang und 1 auch den meisten der Leute nichts nutzen, ein Theüchen