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großen Loose gewönne' gewinn für mich nn Arbeiter werden ihr arbeiten wollen, t>’
„Das ist e- „denn schwerst Gewinn auf arbeiten."
\16ei wird dieser Lotterie« Streik, denn die meisten mffen und nicht eher wieder /winn verpraßt ist."
X/' klagte der alte Engelhard, - glücklichen Gewinner ruhig den ragen und morgen wieder fleißig
„Das .gt mich jetzt förmlich," klagte der
Commerz' n gerade jetzt die Leute nicht entbehren,
um gro erführen zu können. Ich werde mit
voller f n und gleich jetzt den Arbeitern erklären,
daß welche jetzt ohne Kündigung ihre Arbeit
verl .cht mehr angenommen werden. Vielleicht
w- ,i Vielen."
n Wenigen, die vernünftig sind, wird es helfen," u. Engelhard, „aber bei der großen Mehrzahl hilft die Drohung nichts, denn Denen sitzt, seit sie den Lotteriegewinn haben, der Teufel im Nacken. Bedenken Sie doch, Herr Commerzienrath, jeder der gewinnenden Arbeiter besitzt jetzt mehr als dreitausend Mark Vermögen I Das ist ja für Alle eine Summe, die sie früher nie im Besitze hatten. Dazu kommt, daß die Meisten von ihnen nach schönen, guten Tagen ohne Arbeit und mit viel Vergnügen in Folge einer verkehrten Auffassung der Dinge förmlich lechzen. Auch werden ein großer Theil der übrigen Arbeiter, welche gar nicht an dem Lotterie« gewinn betheiligt sind, auch mit feiern, denn es ist ja für morgen bereits ein großes Arbeiterfest geplant. Das Geld muß doch umgesetzt werden und die meisten Arbeiter werden nicht eher wieder in den Werkstätten erscheinen, als bis sie die letzte Mark von dem Lotteriegewinn ausgegeben haben."
«Trotzdem bleibt es bei der Maßregel," erklärte der Commerzienrath, „und jeder meiner Arbeiter, der heute ohne Kündigung die Fabrik verläßt, wird später nicht mehr ausgenommen. Sie die Aufseher herbei, damit sie diesen Beschluß den rn gleich mittheilen."
Der al" .Hard eilte davon und holte die Aufseher
herbei. Abe: ese den Arbeitern die Willensmeinung des
Fabrikherrn igen wollten, hatten die meisten der letzteren bereits jubel schreiend und wie von einer unsichtbaren Macht fortgeriffen, die Malten'sche Fabrik verlassen. Nur ein kleiner Theil hörte die Maßregel noch und nahm sie mit Lachen und höhnischen Zurufen auf.
Die ganze Fabrik stand plötzlich still und der Commerzienrath rang verzweifelt die Hände. Der Gewinn des großen Looses seitens der Arbeiter war für den Fabrikherrn ein wahres Unglück geworden, und da sein Haupt schon mit großen Sorgen erfüllt war und sein schlimmster Gläubiger der Bankier Buchhold unter den jetzigen Umständen wohl keine Nachsicht mehr übte, so sah Malten unvermeidlich seinen Bankerott herannahen.
Tief gebeugt, verließ der unglückliche Mann endlich sein Contor und seine inzwischen zurückgekommenen Beamten sahen ihm kopfschüttelnd und theilnehmend nach, denn sie wußten alle, daß die plötzliche Arbeitseinstellung der Arbeiter den Fabrikherrn in schwere Verlegenheiten bringen mußte.
Als der Commerzienrath über den Fabrikhof schritt, traten ihm plötzlich elf ältere Arbeiter unter der Führung Engelhard» entgegen und zogen höflich die Mützen.
„Wir elf sind die einzigen Leute, welche die Arbeit nicht nWerlegen wollen," sagte Engelhard treuherzig, „und wir hoffen, daß es uns gelingen wird, bald die genügende Anzahl Arbeiter wieder anzustellen."
Commerzienraths Mundwinkel zuckte ein weh« muthiges Lächeln und er sagte dann so weich, wie ihn die Arbeiter noch nie hatten reden hören: „Sehr brav, sehr brav E JhnenI Arbeiten Sie, so gut es unter den jetzigen Ver« hältmffen geht, weiter."
Grüßend wollte er weiter gehen,' aber da rief Engelhard: „Noch eine Bitte, Herr CommerzienrathI Wir elf Arbeiter haben auch mit das große Loos gewonnen und wollen den Gewinn bis auf einige hundert Mark, welche wir unseren Frauen geben wollen, Ihnen übergeben. Das Geld kann ja
in der Fabrik mit angelegt werden und Sie geben uns jeden einen Schuldschein und nach Jahresfrist die üblichen Zinsen."
. Erstaunt blickte Malten den alten Engelhard an und dann ihm die Hand bietend, sagte er: „Sehr gern würde ich Ihnen und Ihren Freunden den Gefallen thun, und Ihr Geld mit guten Zinsen in der Fabrik anlegen, aber ich kann Ihnen diesen Wunsch nicht erfüllen, denn es kann leicht der Fall eintreten, daß ich die Fabrik verkaufe und da will ich nicht erst noch Geldsummen aufnehmen. Wenden Sie sich an meinen Ober« buchhalter Herrn Henze, der wird Ihnen rathen, wie Sie Ihren Gewinn gut und sicher anlegen können."
Gesenkten Hauptes ging der Commerzienrath daraus davon und der alte Engelhard sagte zu seinen Kameraden: „Unser Herr hat jetzt viele Sorgen und Herzeleid. Im Geschäft hat er großes Unglück und der einzige brave Sohn hat ihn wegen einer unglücklichen Liebesgeschichte verlaffen. Ich habe es Euch ja immer gesagt, daß das Glück nicht immer nur bei den Vornehmen und Reichen zu finden ist, wie viele Arbeiter thörichter Weise meinen." ♦ * ♦
Am anderen Tage hielt der Arbeiter-Verein „Concordia" ein großes Volksfest in einem Vergnügungsetabliffement außerhalb der Stadt ab, und es ging dabei so hoch her, wie es bei einem Arbeiterfeste wohl noch nie der Fall gewesen war. Die Arbeiter und ihre Frauen und Kinder hatten sich alle neue Festkleider in feinen Stoffen gekauft, mit Musik zogen sie nebst vielen geladenen Freunden aus und es wurde in Saus und Braus gelebt. Bier genügte an diesem Tage vielen Arbeitern nicht zum Getränk, sondern die meisten tranken Wein und Champagner. Es sah in dem Etabliffement, wo das Arbeiterfest stattfand aus, als wäre das berühmte Schlaraffenland zur Wirklichkeit geworden. In der Malten'schen Maschinenfabrik standen aber die meisten Betriebe still, und der Commerzienrath schlich sich still und bleich gegen Abend in das Haus des Bankiers Buchhold, um mit diesem seinem größten und gefährlichsten Gläubiger zu unterhandeln und eine plötzliche Katastrophe von seinen Unternehmungen fern zu halten. Das Resultat dieser Verhandlungen war, daß der Commerzienrath Malten sein sämmtliches bewegliches und unbewegliches Vermögen an Buchhold verpfändete, und von diesem dadurch auf ein Jahr Zahlungsfrist für seine Forderung erhielt.
Mühselig arbeitete der Commerzienrath in seiner Fabrik dann weiter, denn fast vier Wochen lang fehlte es ihm an den nöthigen Arbeitern. Die meisten der neu angenommenen Arbeiter waren nicht genug geschult, um viel zu leisten, und die Fabrik erlitt große Verluste.
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Ueber Ludwigs Arbeit und Mühen in den Angelegenheiten seines künftigen Schwiegervaters hatte inzwischen ein glücklicher Stern gewaltet. Die Gebirgsdörfer hatten das Angebot betreffend die Sammlung und Weiterleitung des Wassers der Rehberge unter der Bedingung, daß sie eine Wasserkraft für eine Mühle bekamen, gern angenommen und hatten den Grund und Boden für den auszugrabenden Gebirgsbach ohne weitere Geldentschädigung abgetreten. Mit den geschickten Bergleuten und noch fünfzig anderen Arbeitern hatte Ludwig das Bett des Baches in fünfzig Wochen hergestellt und dadurch eine dauernde starke Wasserkraft gewonnen. Das Bergwerk war vergrößert worden und förderte jetzt bedeutend mehr Kohlen als früher, und dabei war die von den Gläubigern Hülse« mann's bewilligte Vorschußsumme nur zu zwei Dritteln verbraucht worden. Das Bergwerk war jetzt noch viel mehr werth, als vor dem verhängnißvollen Schachtsturze, und keiner der Gläubiger Hülsemann's drang mehr auf sein Geld, sondern sie boten Hülsemann, und Ludwig noch mehr Geld an, falls solches zu weiteren Vergrößerungen des Bergwerks gebraucht werde.
Die ganze Stadt und Umgegend war von dem Lobe Ludwig Waltens erfüllt, dessen muthiges Eintreten ein ganzes Bergwerk und Hunderten von Bergleuten das Brod gerettet habe. Dieses Lob drang natürlich auch zu des Commerzien-


