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schlag fertig, so schlägt man an den beiden Seiten so viel Pfähle ein, als die Länge der Gruben oder die Länge der aufzulegenden Stangen, welche das Rohr tragen sollen, erfordert. Man schlägt die Pfähle oder Stützen so schräg ein, daß sie sich oben kreuzen, und legt dann eine oder mehrere Stangen darauf, bindet sie fest und deckt das Ganze mit Rohr ein, welches befestigt wird, indem man nochmals Stangen auflegt und mit den unteren Stangen verbindet. Ist .ein geeignetes Brett vorhanden, so kann dies nach oben lang gelegt werden. Die beiden Enden bleiben vorläufig offen. Wenn es kühler wirb, kann man sie mit Laub und strohigem Dung verpacken, falls man nicht des bequemeren Lüftens wegen Vorsetzer au» Rohr oder Stroh anfertigt. Schlimmsten Falls um» giebt man die Grube noch mit einem Laubumschlage. Man kann unter einem solchen Dache verschiedene Pflanzen, die im Keller ost zu früh treiben, sehr gut unterbringen, z. B- niedrige Rosen und dergleichen. Auch für Beete mit wurzelächten ausgepflanzten niedrigen Rosen bildet ein solches leichtes Strohdach guten Schutz.
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Möhren-Compot. Man schält die gereinigten Wurzeln mit einem feinen Messer, daß sie wie Locken sich kräuseln (der in der Mitte befindliche Theil wird entfernt), kocht solche mit Citronenschale und schüttet sie auf ein Sieb. Dann kocht man zu 625 Gramm Wurzeln 250 Gramm Zucker, Citronensaft und etwas Essig, läßt die Wurzeln eine kleine Weile darin kochen und den Säst noch einkochen.
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Vogelbeeren - Compot. Man pflücke die reifen, jedoch noch nicht mehlig gewordenen Beeren, entstengele sie und wasche sie sauber, begieße sie mit reinem Wasser soweit, bis sie bedeckt sind, bringe sie zum Feuer und lasse sie 10 bis 15 Minuten kochen. Auf ein Haarsieb oder in einen Saftbeutel geschüttet, wird der abgelaufene klare Saft mit 1 Pfund Zucker auf je 1 Pfund Saft auf raschem Feuer zu Geloe gekocht, in Gläser gefüllt und mit Papier geschlossen. Diese Bratenbeigabe wird besonders von den Herren sehr beliebt und mit Vorzug genossen.
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Strohhüte zu reinigen. Feine Kernseife wird mit lauwarmem Wasser so lange auf einem wollenen Lappen gerieben, bis auf diesem ein starker Schaum entsteht. Mit diesem eingeseiften Lappen werden dann die Hüte gewaschen, bi» aller Schmutz verschwunden ist. Wenn man keine Seife mehr auf dem Lappen hat, so muß solche wieder darauf gebracht werden, so daß man die Hüte nicht trocken reibt. Ist der Hut rein, so wird er mit reinem Wasser von aller anhaftenden Seife gereinigt und mit einem Tuche gut abgetrocknet. Helle Hüte werden dann gleich in den Schwefelkasten gebracht, welchen man sich leicht nach folgender Art herstellen kann. Man nimmt ein Faß, dessen einer Boden als Deckel dienen muß, legt einen Ziegelstein hinein und darauf ein altes Blech mit Schwefelpulver, welches angezündet wird. Der Hut wird alsdann vorsichtig so hinein gehängt, daß der brennende Schwefel ihn nicht erreichen kann, worauf das Faß mit dem einen Boden zugedeckt wird. Den Hut läßt man ungefähr eine halbe Stunde im Fasse, dann nimmt man ihn heraus und giebt ihm mit einem warmen Bügeleisen den nöthigen Glanz, wobei ein feines, weißes Papier untergelegt werden muß- Weiße Strohhüte, welche schmutzig und fettig geworden sind, reinigt man auch mit einer Seifenlösung, welcher ein Theelöffel voll Weinsteinsäure zugesetzt wird, mittels eines Schwammes durch gutes Abreiben. Schwarze Strohhüte können gleichfalls, wie angegeben, mit einem singe» seiften Lappen oder mittels einer Seifenlauge gereinigt werden. Solche Hüte können leicht selbst auch wieder schwarz lackirt werden, wozu man blonden Weingeistlack oder Holzlack verwendet, dem man eine entsprechende Quantität in Weingeist ab» geriebenen Kienruß zusetzt.
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V-rinischtes.
Der Anzug der Frau. Nichts beleidigt das Auge und Gemüth des Mannes so sehr, als die Erscheinung einer Frau, die sich selbst vernachlässigt - sei es nun in der K eidung oder in ihren Mienen. Es ist ein keineswegs übertriebene» Verlangen, das man an eine Gattin oder Mutter stellt, wenn man von ihr erwartet, sie möge Sorgsalt auf ihr Aeußeres verwenden. Dem Gatten wird sie dann stet» einen erfreulichen, erquickenden Anblick bieten, den Kindern aber durch ihr gutes Beispiel von allem Anfang an den Sinn für Schönheit, Rem- lichkeit und Ordnung in die jungen Seelen pflanzen. „Fürs Haus ist Alles gut!" Wie oft hört man dies schlimme Wor aus dem Munde der Frauen, die im Haufe einem wnbtdbel gleich herumschlappen, aus der Straße aber als.Muster an Eleganz und Geschmack einherstolziren. Dre Thörrchtrn! Bedenken Sie denn nicht, daß da» Haus die Welt der Frau ist, und daß sie sich dieselbe so schön als möglich zu gestalten trachten sollen, — dem Manne, den Kindern und sich selbst zum Wohlbehagen? Deshalb und nicht au» eitlem Putzbedürf- niß verwendet eine gute und kluge Frau viel Sorgfalt aus ihr Aeußeres und bringt nöthigenfalls sich selbst dafür so manche» kleine Opfer an Zeit und Schlaf. — Und ihre Mienen halt sie vollauf in der Gewalt! Ein heiteres, freundliches Gesicht - wer fände das nicht schön? Nichts wirkt so sehr gernüthr- verstimmend, als das Antlitz einer Frau, die geärgert, verbitter oder auch nur bekümmert dreinschaut. Wohlan! Sre hat oft trübe Augenblicke — Sorge um dieses und jenes — um die Kinder oder um die knappen Mittel. Der Mann aber braucht die ganze Körper- und Geisteskraft für den Beruf, da sollen ihm alle niederen Sorgen, alle kleinlichen Hebet ^rngehalten werden; so zwingt sich die brave Frau zu ihrem alten Lächeln. Und heiter, trotz aller Sorgen, tritt sie dem Manne dann entgegen, der stets aufs Neue staunen muß, welch' großen Schatz er an dieser kleinen Frau gefunden hat. — Ob er wohl etwas ahnt von ihrer Selbstvergessenheit und Selbstverleugnung" Doch ist er überzeugt davon, daß sie sein guter Genius st, der Sonnenstrahl in seinem sturmbewegten Leben, der Zufluchtsort in allen Lebensstürmen — Blume, Glück und Segen seines Hauses. - Die Frau, die sich in stolzer Demuth damit be- gnügt, so zu handeln, das ist die Frau, die Gott erschuf, dem Manne zur Gefährtin! Ihr gebührt alle Achtung — ihr aller Segen! Sie ist Diejenige, die ohne Selbstüberhebung zum Manne sagen kann: „Ich bin Deiner werth — bin Deine Hälfte." __
Aergerlich. Er: „Wie hast Du geschlafen, mein Engelchen, mein Täubchen, mein Mäuschen —" Sie: „Geh mit Deinen einfältigen Kosenamen. Wenn Du mich kurzweg Anna nennen würdest, dann würdest Du nicht vergessen haben, daß gestern mein Namenstag gewesen ist!"
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Im Colleg. Professor (vortragend): „Der Stoff ist unvergänglich, meine Herren, nur die Form wechselt.' — Suff (leise zu Bummel): „Das ist doch sicher nicht wahr; beim vollen Maßkrug z. B. wechselt der Stoff, aber die Form bleibt unvergänglich." *
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Drohmittel. Ein Bettler, mit einer Clarinette bewaffnet, tritt in den Garten einer Villa ein, wo sich eine muntere Gesellschaft tummelt. „Machen Sie, daß Sie fort' kommen!" befiehlt der Hausherr. — „O nein, Papa, bittet die Tochter, „laß den Mann doch 'mal das Ständchen von Schubert spielen, ich höre es so gern." — „Na, denn mal los," schmunzelt der Papa. - „Ich kann überhaupt nicht auf dem Dings spielen," erwidert der Bettler. — „Was thun Sie denn mit dem Instrument?" fragt wißbegierig die Tochter.— „Damit drohe ich nur," ist die lakonische Antwort.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


