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chwimmendes Boot ihre Aufmerksamkeit, welches Meer und Wind —• er stand von der See her und trieb die Wogen zum Strande — als willenloses Spielzeug behandelten, oder führten Menschenwille und überlegene Geisteskraft es dem Ufer zu? Doch während sie zagend diese und jene Möglichkeit bedachten, kam es der steinreichen Küste näher und näher, aber noch immer hinderte der herabströmende Regen, der sich wie eine Wolke zwischen sie und dasselbe legte, die Beantwortung dieses Zweifels. Aber plötzlich — wie war es nur gekommen, daß es mit einem Male herangerückt schien, so dicht, daß ein von Neuem herabzuckender Blitzstrahl es wie in unmittelbare Nähe vor sie hinstellte, — da rief das Mädchen mit stockender Stimme: „Gott stehe ihnen bei, ich sehe Menschen!" In den Herzen beider Männer fanden die Worte einen lebhaften Widerhall, dann aber schüttelte der Pastor den Kopf und tief aufseufzend sagte er, indem er das Fernrohr absetzte: „Es kann sich nicht aufrecht halten, wenn es in die Brandung kommt, an die großen Blöcke vor der Einfahrt, nicht wahr, Locke, das ist auch Ihre Meinung?"
Der Andere schaute noch einmal nach dem Boot, dann schob er die breitrandige Schiffermütze, von deren Nackendach Ströme herabrieselten, etwas aus dem Gesicht, während er bedächtig antwortete: „Kann möglich sein, Herr Pastor, das ist, wie's kommen soll." Vielleicht hätte er seiner Liehlingsredens« art noch eine Erklärung zugefügt, aber die Tochter unterbrach ihn.
„Bitte, Herr Pastor, geben Sie mir einmal das Glas," sagte sie lebhaft, und ohne des Vaters abweisendes: „Nein, Marie, das paßt sich nicht für eine Frauensperson," zu beachten, nahm sie es aus seiner Hand.
Es war eine kurze Pause in dem Aufruhr eingetreten,. welcher Himmel und Erde erregte, der Regen hatte sich ein wenig vermindert und erlaubte eine deutlichere Kenntnißnahme der Sachlage. Gespannt blickte der Pastor in das Gesicht der eifrig Spähenden, während des Vaters wetterharte Züge einen unzufriedenen Ausdruck trugen, als er ärgerlich sagte: „Du sollst Dir nicht mit den Ferngläsern zu schaffen machen und mit Allem, was zum Meere gehört, Marie, ich will's nicht haben."
„Es gilt vielleicht ei« Menschenleben, Vater," antwortete sie nur ruhig und er versank in Schweigen. Er hatte zwei Söhne auf der See verloren, der arme Mann, war's da zu verwundern, wenn er die Tochter, welche in der Stadt bei Verwandten seiner verstorbenen Frau eine beffere Erziehung genoffen hatte, als sie sonst bei einer Ftschertochter gewöhnlich war, von Allem fern zu halten suchte, was mit dieser in Verbindung stand? Sie war zu besseren Dingen bestimmt, als die Frau eines Schiffers zu werden, aber eine abergläubische Furcht hatte sich seiner bemächtigt, daß ihr Schicksal sie wie ihre Brüder auf das Meer treiben würde. Sein beliebtes Wort: „Das ist, wie's kommen soll," und: „Es soll wohl so sein," das sonst die gleichmäßige Ruhe seiner Seele aussprach, war ihm in dieser Beziehung nur ein Grund zur Befürchtung. So stand er denn ungeduldig neben ihr. Am liebsten hätte er das Glas aus ihrer Hand genommen, aber einmal hinderte ihn die Ehrfurcht vor des Pastors Gegenwart daran und dann hatte sich ihm heute zum ersten Male die traurige Ueberzeugung aufgedrängt, daß er alt war und seine Augen den Dienst nicht mehr versehen konnten, wie in früherer Zeit.
Endlich ließ Marie das Fernglas sinken. „Es ist ein Mann in dem Boot," sagte sie in ruhig bestimmtem Tone, „und er muß hier in der Gegend bekannt sein, Vater, denn er hat es draußen um den Regenstein geführt, wenn er auch unter Wasser steht."
„Gott sei Dank," rief der Pastor lebhaft, „so ist eins der gefürchteten Hindernisse überwunden. Wir müssen das Boot nun bald deutlicher erkennen können, wenn es an die großen Blöcke vor der Einfahrt kommt."
Eine bange Stille entstand, während Alle in höchster Spannung hinausblickten. Auch ein weniger geübtes Auge konnte das Fahrzeug jetzt erspähen und wahrnehmen, wie es von einem bewußten Willen regiert wurde. Wenn aber das der Fall war, wie kam's, daß es jetzt nach rechts zuhielt, nach
jener Stelle des Ufers, wo keine Möglichkeit des Herankommens war? Hatte Marie doch unrecht gehabt? War das Umschiffen des Regensteins eine Zufälligkeit gewesen und mußte der Unglückliche, welcher dort um sein Leben kämpfte, noch kurz vor der erhofften Rettung elend untergehen? Mit zurückgehaltenem Athem verfolgten sie die Bewegungen des Mannes, von dem sie nur undeutliche Umrisse erkennen konnten, dann kam es plötzlich wie ein Jubelruf von den Lippen des Mädchens: „Er kennt das Wasser, Vater, er muß ein Crumbacher sein, er hat nach links gewendet," und nach einer Pause folgte mit einen, Seufzer der unbeschreiblichen Erleichterung: „Gott sei tausend Dank, er hat die Einfahrt gewonnen."
„So, Marie, und nun hast Du genug gesehen," sagte der Fischer in ungewohnt scharfem Ton- „Du gehst nach Hause, Mädchen, und legst Deine nassen Sachen von Dir. Herrn Pastor kannst Du mitnehmen und machst ihm ein Glas Grog, das ist gut für Kälte und Nässe, und wenn'« ihm auch sonst nicht anstehen mag, heut' ist das mal was Anders."
„Und Du, Vater?" fragte Marie.
»Ich geh' nach unten und sehe, daß ich ihm vollends an's Land helfe. Das ist noch gar nicht gesagt, daß er's schon gewonnen hat, das ist Alles, wie's kommen soll"
„Laß mich mit Dir gehen, Vater," bat die Tochter, „siehst Du, Du bist alt und die Brandung ist stark heut' —"
Er unterbrach sie schnell. „Nichts da, Marie, dazu bist Du nicht erzogen und das paßt sich nicht für ein Frauenzimmer, das nichts mit einem Seemann zu thun haben soll," sagte er bestimmt, „Du gehst in'S Haus, wie ich Dir gesagt habe."
Sie folgte seinem Befehl, nachdem ein schneller Blick sie überzeugt hatte, daß das Boot sich rasch dem Lande näherte, und der Alte schickte sich an, den steilen Abhang auf schlüpfrigem Wege herabzustetgen. Der Pastor folgte ihm, obgleich er es keine Kleinigkeit fand, sich auf dem durchweichten, mit Kreide vermischten, zähen Lehmboden aufrecht zu halten. Bald schien's, als ob er dis Füße mit magnetischer Gewalt festhalten wollte, dann gab er plötzlich nach und ließ sie fahren, als ob er sie böswilliger weise zu Fall bringen wolle. Mit großer Mühe gelang ihm jedoch der Abstieg, aber der Fischer, dessen gewaltige, wasserdichte Stiefel dem Fuß einen festeren Halt gewährten, hatte vor ihn« das Ufer erreicht- Er fand ihn dort bis an die Hüften im Wasser stehen, bereit, die Spitze des Bootes zu fassen, sobald sie sich hinlänglich genähert haben würde. Ohne Bedenken trat der Pastor neben ihn. Nur wenige kurze Augenblicke warteten sie noch, dann griffen sie gleichzeitig zu. Trotz der Gewalt des zurücktreibenden Wassers, das ihnen noch den Preis entreißen wollte, gelang es ihrer gemeinsamen Anstrengung, das Boot heranzuziehen und das gewaltige Ankertau zu befestigen. Dann boten sie dem einzigen Insassen die Hand, um ihm das »ussteigen zu erleichtern.
(Fortsetzung folgt-)
Gemeinnütziges.
Gute Durchwtnterung verschiedener Gemüse ohne Keller. Obgleich mir ein Keller zur Verfügung stand, überwinterte ich seit mehreren Jahren schon mit Vortheil die verschiedenen Suppengemüse: Sellerie, Lauch, Petersilie rc, und die Kohlarten im Freien in einer Grube mit Schutzdach aus Rohr, Schilf, Stroh rc- Rohr verdient den Vorzug zum Ueberwintern. Man mißt wie gewöhnlich die Grube ab, 5 bis 6 Fuß breit und dem Bedarf entsprechend lang. Innerhalb des abgegrenzten Raumes wirft man eine« kleinen, einen Spatenstich breiten Graben aus und bildet mit der hierbei gewonnenen Erde einen fußhohen Wall um die Grube, an welchen man später das Rohr anlegt. Nun fängt man an einem Ende an, das sauber abgeputzte, von den alten, losen Blättern befreite Gemüse querüber reihenweis einzuschlagen, läßt aber in der Mitte einen schmalen Raum, Steig, frei, damit man nachher von diesem Steige aus Grünes, Wurzeln :c. hervorholen kann, ohne das Gemüse zu zertreten. Ist der Ein«


