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„Herr des Himmels," überlegte Herr Vibiral blitzschnell, I „bringt der Satan die Alte daher. Was mach' ich denn? I Wenn sie mich da trifft, so schwört sie ja d'rauf, daß ich Mit I dem Dienstmäd'l ein Techtl-Mechtl hab'. Da gibt'« nix, als sich versteck'». Es iS zu dumm . . . Himmelssäpperment —"
Bebend vor Zorn schlüpfte Herr Vibiral in den offenen Kleiderkasten des Dienstmädchens. Es war die höchste Zeit, denn im nächsten Augenblicke traten die beiden Frauen ein, hinter ihnen Louise, die sich ebenso verlegen wie ihre Herrin umsah, wo denn der gnädige Herr hingekommen. Die Tante hingegen griff ahnungslos nach dem gerupften Gansel und prüfte es mit Kennermiene.
„Ein schönes Gansel," sagte sie, „wurzelfett, aber was hat's denn da am Krag'n? Jeffas, das Gansel hat ja ein Kropf ... Da schau' her, Clara . . . Das iS aber ein Natur« spiel! Mein Leb'n hab' i kein kropfet's Gansel nit g'seg'n. Ob das Vieh auch g'sund war? . . . Wart', ich werd' Dir beim Ausnehmen helfen, da werd'n wir ja gleich draufkommen, ob Alles in Ordnung is. Geh', gieb mir eine Schürzen."
Herr Vibiral im Kasten stand auf Kohlen.
„Aber nein, liebe Tante," wendete Frau Vibiral, immer noch mit den Blicken ihren Mann suchend, ein, „halt' Dich nit auf und mach' Dich nit schmutzig, das Gansel iS ganz g'sund g'wesen . . . Das biffel Kropf macht nix . . . Hat auch noch Zeit mit dem Ausnehmen . . ."
„Tfchapperl," entgegnete die Tante liebenswürdig, „fei froh, wenn ich Dir die grausliche Arbeit abnimm, ich hab' eh heul' nix zu thun zu Haus."
Und damit legte sie ihre Mantille ab und begann, sich ganz ernstlich mit dem unglückseligen Gansel zu beschäftigen.
Herr Vibiral im Kasten knirschte mit den Zähnen. Wäh» rend er grimmig über die abenteuerlichsten Pläne zu seiner Befreiung nachsan«, kam Louise an dem Kasten vorüber und schnell machte er ihr zwischen den Kleidungsstücken hindurch ein Zeichen mit der Hand, um ihre Aufmerksamkeit auf seine verzweifelte Lage zu lenken. Allein das alberne Ding erschrak darüber dermaßen, daß es einen Schreckensruf ausstieß und starr vor dem Kasten stehen blieb. Im Nu war auch die Tante vom Gansel weg und forschte mit Adlerblicken unter der Dienstboten» Garderobe umher, so daß Herrn Vibiral nichts übrig blieb, als sein Versteck zu verlassen. Er glaubte in die Erde sinken zu müssen, als er sich solchermaßen seiner Erb» feindin ausgeliefert sah.
Die Scene, die nun folgte, gab den eigentlichen Anlaß zu der Gerichtsverhandlung; denn die Tante ließ ihrer Entrüstung über den vermeintlichen Ehebrecher dermaßen freien Lauf, daß Herr Vibiral trotz der inständigen Bitten seiner Frau eine Klage wegen dreizehn verschiedener schwerer Beschimpfungen und Schmähungen einbrachte, schon um sich in der Nachbarschaft zu rehabilitiren, die durch den lärmenden Vorgang so peinlich alarmirt worden war. Dessen ungeachtet sprach sich der Richter für einen Ausgleich aus und legte der beklagten Frau Sophie Meidinger nahe, den Vorfall, nachdem sich das Mißverständniß nun aufgeklärt habe, zu bedauern.
„Hm," meinte achselzuckend diese riegelsame Dame, „wer weiß, ob's so ist, wie meine Nichte, die gute Patsch, sagt. Zu« trau'« thät ich dem Herrn da Alles."
„Eine neue Beleidigung!" brauste Herr Vibiral auf. „Jetzt nehm' ich gar keine Abbitte mehr an. Ich laß," fügte er majestätisch hinzu, „dem Gesetze seinen Lauf."
„Aber Mannerl," bat die Frau, „schau', die Tant' hat's ja gut gemeint mit mir; 's Gansel hat's mir wollen aus« nehmen. . ."
„Ja, aber mich hat's ausgenommen aus dem Kasten und . . ."
Alle Und nützten ihm doch nichts, er mußte auf den Aus« gleich etngehen. Und so bleibt Alles beim Alten — nur die arme Louise, darauf wäre Hundert gegen Eins zu wetten, die Louise wird am längsten im Hause Vibiral gedient haben. Das ist so die häusliche Gerechtigkeit!
Gemeinnütziges.
Kürbis als Gemüse. Der fast ausgewachsene, aber noch nicht ganz reife Kürbis wird seiner Länge nach in sechs bis acht Theile geschnitten, geschält, von seinem Samengehäuse gereinigt, mit dem Gurkenhobel oder dergleichen weiter zerkleinert und dann gesalzen. Nach V2—9/i Stunden läßt man den Kürbis, den man gut ausdrückt, in Fett, in welchem etwas feingehackte Zwiebel leicht gelb geschwitzt wurde, etwas dunsten, stäubt ihn mit feinem Weizenmehle ein und gießt ein wenig saueren Rahm dazu. Will man ihn sauerer haben, so nimmt man etwas Essig, wodurch überhaupt der Geschmack erhöht wird. So zubereitet, ist der Kürbis eines der feinsten und gesundesten Gemüse.
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Sauer gewordene Fruchtsäfte wieder herzustellen. Wenn eingemachte Früchte und Fruchtsäfte in sauere Gährung gerathen, so kann man sie wieder gut machen, wenn man die Säfte abschüttet und wieder auskocht. Fügt man noch etwas Zucker oder 1 bis 5 Messerspitzen voll doppeltkohlensaures Natron hinzu, so halten sich die Früchte noch besser.
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Das Schimmeln eingemachter Früchte verhütet man dadurch, daß man nach dem Einkochen derselben unter Luftabschluß die obere Schicht mit einem in starken Rum oder Cognac getränkten Papier bedeckt und das Gefäß wieder sorgfältig verschließt.
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Birnen-Pasten als Confeet. Geschälte, entkernte, zerschnittene Birnen werden im Wasser weich gekocht und durch ein Haarsieb getrieben. Das dem Maike gleiche Gewichtsquantum Zucker wird mit Fruchtwasser zur Syrupdicke eingekocht, das Mark, das übrige Fruchtwasser und die zerschnittene Schale einer Citrone dazu gegeben und dann zu steifer Beschaffenheit gekocht, wobei man stetig umrührt. Man legt diese Masse auf Porzellanplatten, nimmt sie nach einigen Tagen auf ein mit fein gestoßenem Candis bestreutes Backbrett, schneidet sie in schwache Scheiben, woraus man Figuren aussticht. Diese bestreut man mit Zucker, legt sie in Siebe und trocknet sie im schwach geheizten Bratofen.
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Birnen in Zucker. Man schäle reife Birnen, schneide den halben Stiel ab, entferne die Schale von der zurückbleibenden Stielhälfte, lege die geschälten Birnen, um ihnen ihre weiße Farbe zu erhalten, in kalte» Wasser und tauche da« ganze Quantum in einem Siebe einige Minuten in kochendes Wasser ein. Darauf kühlt man sie in kaltem Wasser ab, schichtet sie trocken in Einmachgläser und übergießt sie mit geklärter Zuckerlösung (t Kilo auf V2 Liter.) Die Büchsen oder Gläser, luftdicht verschlossen, werden dann im Wafferbade 30 Minuten gekocht. ______________
Vermischtes.
In der Bildergalerie. Meister (im Catalog lesend): „Bild von einem unbekannten Meister." — Lehrjunge: „Woher wissens denn dann, daß 's a Meister war?"
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Ungenirt. A.: „Wir sind erst drei Tage bekannt und Sie pumpen mich schon an?!" — B.: „Ja, wissen Sie, ich gebe gar nichts auf Etiquette!" ♦ *
Süße Erinnerungen. A.: „Wie, Du kennst mich nicht mehr? Ich bin ja der Meier, der Dir in der deutschen Schule immer die Griffel stahl!" — B.: „Ja, jetzt erinnere ich mich! Ich hab' Dich einmal dafür so geprügelt, daß Du acht Tage lang im Bett liegen mußtest." — A.: „Ja, ja, das waren noch schöne Zeiten!"
Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Drück und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


