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jum Greßenev Anzeigen (Geneval-Anzeigev)
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Donnerstag, den 28. September.
Dunkle Mächte.
Novelle von B. Corony.
" ” (Nachdruck verboten.)
I.
-. Nur eine kurze Strecke von der Stadt P. entfernt befand sich das Rittergut Clauswitz, dessen schattiger und wohlgepfleg- ter Garten bis an den Waldessaum reichte. Die seit Jahren verwittwete Besitzerin, Frau v. Waldau, bewohnte es Sommer mld Winter mit ihrer Tochter Rafaele und einer jungen Waise, Namens Magda von Bodenstein. Sie führte ein sehr gast, freie», den besten Kreisen geöffnetes Haus, in welchem man des fernen und doch ungezwungenen Tones wegen, der da herrschte gern verkehrte. y w '
Sin einem herrlichen Juni-Abende hatten sich wieder zahl- reiche Gäste versammelt und unter diesen nahm der noch im besten Mannesalter stehende Arzt Georg Frank das besondere Interesse in Anspruch. Er galt für einen äußerst ehrgeizigen und namentlich auf dem Gebiete der neueren Wissenschaften rastlos vorwärts strebenden Gelehrten. Sein Auge hatte einen gebietenden, zwingenden, aber finstern Blick, wie denn auch sein ganzes Benehmen etwas Schroffes und Herrisches zeigte. Seit es ihm gelungen war, Magda, die verloren schien, dem Tode abzuringen, hing diese mit schwärmerischer Dankbar- ke,t und Verehrung an ihm. Auch Frau v. Waldaus Ver- trauen genoß er in unbeschränktem Maße, nur Rafaele wurde eher abgestoßen als angezogen von seinem Wesen.
Gegenwärtig hatte sich eine Streitfrage zwischen ihm und dem Gerichtsrath Wernecke erhoben. Letzterer stand den Wunderwnkungen des Hypnotismus sehr skeptisch gegenüber, während Frank zu den begeisterten Anhängern desselben gehörte. Kernen Widerspruch auf wissenschaftlichem Gebiete dul- dend, erwiderte er denn auch jetzt mit sehr entschiedenem Ton:
en Laie, während ich mich auf Erfahrungen berufen kann Alle großen Fortschritte, alle überraschenden Entdeckungen sind nur dadurch zu Stande gekommen, daß Einer ber A^ere den Muth fand, gewissen, noch unerklärlichen Dingen näher zu treten und gegen landläufige Anstchten anzu- rampsen."
»Ich gebe gern zu, daß meine Meinung, was mystische Phänomene Betrifft, gar nicht in die Waagschale fällt. Immer- hin werden Sie aber die ausgesprochenen Zweifel nicht ganz unberechtigt nennen dürfen, in Berücksichtigung dessm dasi viele Fälle zur öffentlichen Kenntniß gelangten, in welchen es sich um rasfinirten Betrug, um eine Mystifikation des Publi- kums handelte," beharrte Wernecke.
: "Das ist richtig, aber gerade deshalb ist es Sache der
• Wissenschaft, vorurtheilslos und objectiv zu prüfen und dem ? Charlatanismus den Boden zu entziehen."
j , " Während Frank in eifrigster Weise seine Meinung ver- er doch oft mit raschem, gleichsam verstohlenem Blick zwei zunge Damen, die unter einem blühenden Akazien- fa^en- Die schwankenden Zweige beschatteten auch wirklich ent ungemein fesselndes Bild, welches sich von dem goldiggrünen Hintergrund in anmuthigster Weise abhob. Die Mädchen Boten einen ebenso auffallenden als lieblichen Coutrast dar. Rafaele, groß, imposant, rothblond und blendend weiß, konnte Magda an Schönheit weit überlegen genannt werden, und dennoch dienten sich diese beiden jugendlichen Gestalten gleichsam gegenseitig als Folie. Bewunderte man die junonische Erscheinung und die klassisch geformten Züge der Einen, so fand man das sylphenhafte Figürchen und die nachtschwarzen, aus- drucksvollen Augen der Andern nur um so entzückender. So verschiedenartig nicht nur ihr Aeußeres, sondern ihr ganzer Wesen war, vermochte man sich doch die Mädchen kaum mehr getrennt zu denken, wenn man sie erst einmal vereint gesehen
Sie gehörten zusammen und hegten auch wirklich schwesterliche Zärtlichkeit für einander.
„Sollte er denn nicht möglich sein, Jemand von den An- wesenden m magnetischen Schlaf zu versetzen?" fragte ein Gast, der dem lebhaft geführten Gespräch besondere Aufmerksamkeit widmete.
r . bi« gern bereit, den gewünschten Versuch zu machen," lautete Franks rasche Erwiderung.
OÄA Diese Erklärung wurde sehr beifällig ausgenommen. Lächelnd und flüsternd umringten die jungen Damen den Arzt, furchtsam, erregt und neugierig wartend, auf wen seine Wahl fallen werde. Er entschied sich für Magda.
In ihre träumerischen Augen trat ein seltsam weicher Glanz, die rothen Lippen öffneten sich zu einem reizenden Lächeln und die zierliche Gestalt sank graziös in den herbei gerückten Armfluhl.
„Denken Sie daran, daß Sie einschlafen sollen," sagte Frank und nach einigen Minuten, während welcher ihr Blick wie gebannt in den seinen tauchte, fuhr er fort, immer lang- samer, aber mit dem Ton der Ueberzeugung sprechend: „Jetzt fangen Ihre Augen an, allmälig müder zu werden — die Lider zucken und werden schwer — sie senken sich — ein Gefühl der Mattigkeit beginnt zu entstehen — Ihre Gedanken verwirren sich--Sie können nicht länger widerstreben. —
Schlafen Sie!"
Gleichsam zögernd hatten sich die dunklen Wimpern geschlossen,


