Ausgabe 
28.3.1893
 
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erinnern oder auch mit solchen Gegenständen, die einen beson­ders gewichtigen Eindruck machen, wieTönnchen",Faß", Rollmops",Rudel",Maschine",Dampfwalze",Fregatte"; schmächtige, um nicht zu sagen dünne Personen dagegen, die anscheinendden Schmachtriemen zu sehr zugezogen" haben oder bei denenSchmalhans Küchenmeister" zu sein scheint, haben angesichts ihrerWespentaille" das Unglück,bloß ein en Darm" zu besitzen oder sie sindaus Versehen durch die Wringmaschine gezogen". Verfügt nun solch eineHopfenstange", wohl auch Windhund" genannt, noch über eine besonders steife Haltung, so kommt er gar noch in den Verdacht,einen Ladestock ver­schluckt" zu haben.

In engem Zusammenhang mit der ganzen Gestalt steht die Gangart des Menschen, und an der hat der Volkswitz zu­meist etwas auszusetzen. Entweder geht man ihm nicht stramm genug, dann heißt'S: mantagelöhnert", man gehtknickebeinig" oder mandrückt nach vorn durch"; umgekehrt wiederübt man Parademarsch" odersteigt wie der Storch im Salat". Nun, und daß es der Volkswitz nicht schön findet, wenn jemand über die große Zehe" läuft oderwatschelt wie eine Ente", das kann man ihm wahrlich nicht übel nehmen.

Und nun, nach diesen einleitenden Betrachtungen, zur eigent­lichen Zergliederung des menschlichen Körpers I Dazu brauchen wir nun allerdings ein Muster von Häßlichkeit, wie wir es unter normalen Verhältniffen vergebens suchen dürften. Allein der Volkswitz bedarf ja gerade des Abnormen und so bleibt uns schon nichts übrig, als uns solch ein Monstrum selbst zu construiren.

Fangen wir also beim Kopf pardon, bei derKohl­rübe" anl DerVerstandskasten" ist etwas klobig gerathen, daher der NameQuadratschädel", was aber den Träger nicht hindert, in die Klasse derLichtgötter" oderFeuerköpfe" ge­zählt zu werden, sintemalen die Farbe seines Haares eine brennend rothe ist. Uebrigens ist der Haarwuchs nur ein spärlicher, denndie Motten sind hineingerathen";Vollmond" ist zwar noch nicht ganz, immerhin aber ist derMondschein" bereits ein bedenklicher. Zu beiden Seiten ragen ein paar Ohren empor, die unser Anatom ihrer beträchtlichen Länge wegen mit dem wenig schmeichelhaften NamenEselsohren" belegt. Trotz dieser abnormen Länge ist aber die Behauptung des Volkswitzes, daß unser Monstrumauf den Ohren sitzt", nur bildlich zu verstehen, denn es soll damit nur gesagt sein, daß es ein wenigspät hört". Diese Eigenschaft unseres Unter­suchungsobjectes, dieOhren zugeknöpft" zu halten, ermuthigt uns, in der ohne Zweifel etwas heiklen Plauderei fortzufahren.

Die Augen sitzen ein wenig schief in denGuklöchern", werden daher nicht mit UnrechtKrokodilsaugen" genannt, und da ihr Besitzer,etwas schüchtern auf dem einen Auge" ist, so darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn er das Kunststück fertig bringt,mit dem rechten Auge in die linke Westentasche" zu sehen. Er kann das um so leichter, als seine Nase ja so, das Wort Nase kennt ja der Volkswitz nicht also: er kann das um so leichter, als seineGurke", seinHeft", sein Gesichtserker", seinZinken", seinHaken" das directe Segen« theil einerHabichts-" oderAdlernase", nämlich eine Stulp­nase ist. Solch eine Stulpnase hat nun zwar die Unannehm­lichkeit, daß eshinein regnen" kann, andrerseits aber kann auch wiederdie Sonne hineinscheinen", wodurch ja jene Un­annehmlichkeit wieder aufgehoben wird. Dank seiner intensiv rothen Färbung gehört der Gesichtserker, um den es sich hier handelt, in die Klasse derGlühlichter" oderKupferbergwerke", allein unser Monstrum ist darüber nicht sonderlich unglücklich, denn der Volkswitz giebt ja gegen Nasenröthe ein vorzügliches Hausmittel an, nämlich: so lange zu trinken, bis die Nase blau wird.

Gehen wir ein Stückchen weiter abwärts, so gelangen wir zurFutterluke". Die Lippen sind ein wenig vorgeschoben und aufgeworfen, daher der NameHechtschnute" undKosaken­schnauze". Die Sprache ist, obwohl es den Anschein bat, als habe unser Monstrumeinen Kloß im Munde", durchaus fließend,

von einemStolpern mit der Zunge" kann also keineswegs die Rede sein, viel eher wäre die BezeichnungRevolver­schnauze" angebracht, da die Sprechwerkzeuge keine Minute in Ruhe sind. Das Gebiß ist kräftig, vielleicht ein wenig zu kräftig entwickelt, denn sonst würde der Volkswitz die Zähne kaum alsHauer" bezeichnen.

Die Menge der Falten im Gesicht läßt übrigens darauf schließen, daß unser Monstrum nicht mehr zu den Jüngsten zählt das reineverfitzte Bindfadengesicht" hat es aufzu­weisen; und da es in seiner Jugend an den Pocken erkrankt war, sieht es aus, als habe esmit dem Gesicht auf einem Rohrstuhl gesessen" oder als sei ihm Jemandmit dem Reib­eisen übers Gesicht gefahren".

Obwohl übrigens unser Monstrum sonst recht gut bei Leibe ist, verfügt es doch nicht über eineWassersuppe", im Gegentheil, sein Hals ist einSchwanenhals", wie man ihn sich besser nicht wünschen kann. Das ist ihm aber gar nicht angenehm, denn der Hals ist so lang, daß jedeswarme Getränk kalt wird, ehe es in den Magen kommt".

Doch weiter in der anatomischen Betrachtung! Von einer Berücksichtigung" will unser Monstrum nichts wissen das läßt auf ein böses Gewissen schließen. Und mit Recht. Da hinten auf dem Rücken hat es nämlichetwas versteckt", einen Ast, den es gestohlen" hat. Doch da wir keine criminalistische Untersuchung hier anstellen wollen, kümmern wir uns auch nicht weiter darum, sondern gehen in unsrer Betrachtung zu den Armen über, die uns ihrer Länge wegen interessiren.Affen­arme" nennt sie der Volkswitz, oder auch, näher specialisirend, Pavian-" resp-Gorilla-Arme". Die Hände machen den Armen alle Ehre; es dürfte genügen, wenn wir sie nach der Hand- schuhnummer, deren sie benöthigen, characterisiren:Nr. 15 kommt gleich nach den Strümpfen". Auch die Fingernägel lassen rückschließend die BezeichnungAffenarme" gerechtfertigt erscheinen, denn sie sind, wie bei allen Gigerln und sonstigen Affen, ungewöhnlich lang und werden daher mit RechtKrallen" genannt. Besondere Kennzeichen:Hoftrauer".

Und nun zum Schluß unserer Betrachtung zu den unteren Extremitäten. Sie lassen erkennen, daß unser Monstrum auch Gemüth hat: es hat nämlicheinen so wehmüthigen Zug um die Beine", mit anderen Worten, es hat die schönsten Exemplare von0-Beinen". Daß solcheSäbelbeine" durchaus nicht zu den Seitenheiten gehören, beweist wohl die große Anzahl von Bezeichnungen, die der Volkswitz für diese Erscheinung hat. Teckelbeine" werden sie nach ihren berühmten Vorbildern, den Dachshunden, genannt; alsRokoko" bezeichnen sie Kunstver­ständige und alsBeine, durch die man einen Hund jagen kann", vermuthlich nur Sportsmänner. Daß speciell Referen­dare mit Säbelbeinen gesegnet seien, worauf das Berschen:

Für solche Referendare Erschuf man die Talare ja schließen lassen könnte, ist wohl nur ein schlechter Scherz des Klapphorn-Dichters. Uebrigens giebt der Volkswitz eine sehr einleuchtende Erklärung für die Entstehung der 0-Beine: Die Betreffenden habenim Feuchten gestanden" und da haben sichdie Beine krumm gezogen". Unser Monstrum aber leugnet überhaupt, 0-Betne zu haben. Die ganze Schuld an dem Verdacht schiebt es lediglich seinem Schneider in die Schuhe, der ihmdie Hosen krumm gemacht" hat. Nun, mag ihm in diesem Falle das Leugnen etwas nützen, daß es aberauf einem großen Fuße lebt", dieses Factum läßt sich bei aller Spitz­findigkeit nicht aus der Welt lügen. Die mächtigen Füße sind mit vollem Fug und Recht alsQuadratlatschen" oderRaths­gondeln" anzusprechen. Wie sollte sonst wohl auch der Schuster unseres Monstrums seinen Ausspruch rechtfertigen wollen, daß ersolche Kleinkinder-Särge" noch nicht angefertigt habe?!

Doch genug nun des grausamen Spieles. Wir haben ge­sehen, daß der Volkswitz ein gründlicheroberflächlicher" Anatom ist und ein loser Spötter dazu, dem nichts heilig ist. Aber den Nagel trifft er, trotz der mitunter recht gewagten Bilder, doch zumeist auf die Kohlrübe.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.