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erinnern oder auch mit solchen Gegenständen, die einen besonders gewichtigen Eindruck machen, wie „Tönnchen", „Faß", „Rollmops", „Rudel", „Maschine", „Dampfwalze", „Fregatte"; schmächtige, um nicht zu sagen dünne Personen dagegen, die anscheinend „den Schmachtriemen zu sehr zugezogen" haben oder bei denen „Schmalhans Küchenmeister" zu sein scheint, haben angesichts ihrer „Wespentaille" das Unglück, „bloß ein en Darm" zu besitzen oder sie sind „aus Versehen durch die Wringmaschine gezogen". Verfügt nun solch eine „Hopfenstange", wohl auch „Windhund" genannt, noch über eine besonders steife Haltung, so kommt er gar noch in den Verdacht, „einen Ladestock verschluckt" zu haben.
In engem Zusammenhang mit der ganzen Gestalt steht die Gangart des Menschen, und an der hat der Volkswitz zumeist etwas auszusetzen. Entweder geht man ihm nicht stramm genug, dann heißt'S: man „tagelöhnert", man geht „knickebeinig" oder man „drückt nach vorn durch"; umgekehrt wieder „übt man Parademarsch" oder „steigt wie der Storch im Salat". Nun, und daß es der Volkswitz nicht schön findet, wenn jemand „über die große Zehe" läuft oder „watschelt wie eine Ente", das kann man ihm wahrlich nicht übel nehmen.
Und nun, nach diesen einleitenden Betrachtungen, zur eigentlichen Zergliederung des menschlichen Körpers I Dazu brauchen wir nun allerdings ein Muster von Häßlichkeit, wie wir es unter normalen Verhältniffen vergebens suchen dürften. Allein der Volkswitz bedarf ja gerade des Abnormen und so bleibt uns schon nichts übrig, als uns solch ein Monstrum selbst zu construiren.
Fangen wir also beim Kopf — pardon, bei der „Kohlrübe" anl Der „Verstandskasten" ist etwas klobig gerathen, daher der Name „Quadratschädel", was aber den Träger nicht hindert, in die Klasse der „Lichtgötter" oder „Feuerköpfe" gezählt zu werden, sintemalen die Farbe seines Haares eine brennend rothe ist. Uebrigens ist der Haarwuchs nur ein spärlicher, denn „die Motten sind hineingerathen"; „Vollmond" ist zwar noch nicht ganz, immerhin aber ist der „Mondschein" bereits ein bedenklicher. Zu beiden Seiten ragen ein paar Ohren empor, die unser Anatom ihrer beträchtlichen Länge wegen mit dem wenig schmeichelhaften Namen „Eselsohren" belegt. Trotz dieser abnormen Länge ist aber die Behauptung des Volkswitzes, daß unser Monstrum „auf den Ohren sitzt", nur bildlich zu verstehen, denn es soll damit nur gesagt sein, daß es ein wenig „spät hört". Diese Eigenschaft unseres Untersuchungsobjectes, die „Ohren zugeknöpft" zu halten, ermuthigt uns, in der ohne Zweifel etwas heiklen Plauderei fortzufahren.
Die Augen sitzen ein wenig schief in den „Guklöchern", werden daher nicht mit Unrecht „Krokodilsaugen" genannt, und da ihr Besitzer, „etwas schüchtern auf dem einen Auge" ist, so darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn er das Kunststück fertig bringt, „mit dem rechten Auge in die linke Westentasche" zu sehen. Er kann das um so leichter, als seine Nase — ja so, das Wort Nase kennt ja der Volkswitz nicht — also: er kann das um so leichter, als seine „Gurke", sein „Heft", sein „Gesichtserker", sein „Zinken", sein „Haken" das directe Segen« theil einer „Habichts-" oder „Adlernase", nämlich eine Stulpnase ist. Solch eine Stulpnase hat nun zwar die Unannehmlichkeit, daß es „hinein regnen" kann, andrerseits aber kann auch wieder „die Sonne hineinscheinen", wodurch ja jene Unannehmlichkeit wieder aufgehoben wird. Dank seiner intensiv rothen Färbung gehört der Gesichtserker, um den es sich hier handelt, in die Klasse der „Glühlichter" oder „Kupferbergwerke", allein unser Monstrum ist darüber nicht sonderlich unglücklich, denn der Volkswitz giebt ja gegen Nasenröthe ein vorzügliches Hausmittel an, nämlich: so lange zu trinken, bis die Nase — blau wird.
Gehen wir ein Stückchen weiter abwärts, so gelangen wir zur „Futterluke". Die Lippen sind ein wenig vorgeschoben und aufgeworfen, daher der Name „Hechtschnute" und „Kosakenschnauze". Die Sprache ist, obwohl es den Anschein bat, als habe unser Monstrum „einen Kloß im Munde", durchaus fließend,
von einem „Stolpern mit der Zunge" kann also keineswegs die Rede sein, viel eher wäre die Bezeichnung „Revolverschnauze" angebracht, da die Sprechwerkzeuge keine Minute in Ruhe sind. Das Gebiß ist kräftig, vielleicht ein wenig zu kräftig entwickelt, denn sonst würde der Volkswitz die Zähne kaum als „Hauer" bezeichnen.
Die Menge der Falten im Gesicht läßt übrigens darauf schließen, daß ‘ unser Monstrum nicht mehr zu den Jüngsten zählt — das reine „verfitzte Bindfadengesicht" hat es aufzuweisen; und da es in seiner Jugend an den Pocken erkrankt war, sieht es aus, als habe es „mit dem Gesicht auf einem Rohrstuhl gesessen" oder als sei ihm Jemand „mit dem Reibeisen übers Gesicht gefahren".
Obwohl übrigens unser Monstrum sonst recht gut bei Leibe ist, verfügt es doch nicht über eine „Wassersuppe", im Gegentheil, sein Hals ist ein „Schwanenhals", wie man ihn sich besser nicht wünschen kann. Das ist ihm aber gar nicht angenehm, denn der Hals ist so lang, daß jedes „warme Getränk kalt wird, ehe es in den Magen kommt".
Doch weiter in der anatomischen Betrachtung! Von einer „Berücksichtigung" will unser Monstrum nichts wissen — das läßt auf ein böses Gewissen schließen. Und mit Recht. Da hinten auf dem Rücken hat es nämlich „etwas versteckt", einen „Ast, den es gestohlen" hat. Doch da wir keine criminalistische Untersuchung hier anstellen wollen, kümmern wir uns auch nicht weiter darum, sondern gehen in unsrer Betrachtung zu den Armen über, die uns ihrer Länge wegen interessiren. „Affenarme" nennt sie der Volkswitz, oder auch, näher specialisirend, „Pavian-" resp- „Gorilla-Arme". Die Hände machen den Armen alle Ehre; es dürfte genügen, wenn wir sie nach der Hand- schuhnummer, deren sie benöthigen, characterisiren: „Nr. 15 — kommt gleich nach den Strümpfen". Auch die Fingernägel lassen rückschließend die Bezeichnung „Affenarme" gerechtfertigt erscheinen, denn sie sind, wie bei allen Gigerln und sonstigen Affen, ungewöhnlich lang und werden daher mit Recht „Krallen" genannt. Besondere Kennzeichen: „Hoftrauer".
Und nun zum Schluß unserer Betrachtung zu den unteren Extremitäten. Sie lassen erkennen, daß unser Monstrum auch Gemüth hat: es hat nämlich „einen so wehmüthigen Zug um die Beine", mit anderen Worten, es hat die schönsten Exemplare von „0-Beinen". Daß solche „Säbelbeine" durchaus nicht zu den Seitenheiten gehören, beweist wohl die große Anzahl von Bezeichnungen, die der Volkswitz für diese Erscheinung hat. • „Teckelbeine" werden sie nach ihren berühmten Vorbildern, den Dachshunden, genannt; als „Rokoko" bezeichnen sie Kunstverständige und als „Beine, durch die man einen Hund jagen kann", vermuthlich nur Sportsmänner. Daß speciell Referendare mit Säbelbeinen gesegnet seien, worauf das Berschen:
Für solche Referendare Erschuf man die Talare ja schließen lassen könnte, ist wohl nur ein schlechter Scherz des Klapphorn-Dichters. Uebrigens giebt der Volkswitz eine sehr einleuchtende Erklärung für die Entstehung der 0-Beine: Die Betreffenden haben „im Feuchten gestanden" und da haben sich „die Beine krumm gezogen". Unser Monstrum aber leugnet überhaupt, 0-Betne zu haben. Die ganze Schuld an dem Verdacht schiebt es lediglich seinem Schneider in die Schuhe, der ihm „die Hosen krumm gemacht" hat. Nun, mag ihm in diesem Falle das Leugnen etwas nützen, daß es aber „auf einem großen Fuße lebt", dieses Factum läßt sich bei aller Spitzfindigkeit nicht aus der Welt lügen. Die mächtigen Füße sind mit vollem Fug und Recht als „Quadratlatschen" oder „Rathsgondeln" anzusprechen. Wie sollte sonst wohl auch der Schuster unseres Monstrums seinen Ausspruch rechtfertigen wollen, daß er „solche Kleinkinder-Särge" noch nicht angefertigt habe?!
Doch genug nun des grausamen Spieles. Wir haben gesehen, daß der Volkswitz ein gründlicher „oberflächlicher" Anatom ist und ein loser Spötter dazu, dem nichts heilig ist. Aber den Nagel trifft er, trotz der mitunter recht gewagten Bilder, doch zumeist auf — die Kohlrübe.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


