Ausgabe 
28.2.1893
 
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des gewöhnlichen Thees auf diese Organe, so daß demnach die Snelling'sche Theemischung reizbaren Personen empfohlen wer­den könnte.

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Hirschleder wasche«. (Beinkleider, Handschuhe u.s.w.) 1) Man löst Weinstein in kochendem Wasier auf. Sobald es etwas abgekühlt ist, taucht man die Gegenstände einige Zeit hinein. Hierauf reinigt man sie in lauwarmem Wasser mit Eigelb vermengt und appretirt dann die Sachen mit einer schwachen Ockerlösung, der man etwas Alaunpulver beigefügt hat. Dann wendet man die Gegenstände auf die linke Seite, drückt sie aus und hängt sie an die Luft, aber weder an die Sonne noch an den heißen Ofen. 2) Weißes Hirschleder wäscht man in Seifenwaffer rein, spült es in kaltem Wasser nach, dann reibt man es leicht im Wasser, in das man einige Tropfen Speiseöl gegeben hat. Alsdann streicht man das Wasser mit der Hand soviel als möglich aus. Leder darf nie gerungen werden, man läßt es langsam trocknen, war je nach Stärke des Leders 35 Tage dauern kann- Halbtrocken dehnt man es zur richtigen Größe aus und mangelt es dann mit einem Rollholz glatt. Rehled» wird ebenso behandelt.

Spanische Ringelhauben. 1 Pfd. Mehl, Vs Pfd. Butter werden abgebröselt, dann mischt man V» Pfund ge­stoßene Mandeln, 1/4 Pfund Zucker, sowie die fein gewiegte Schale einer Sitrone daran, ebenso zwei Eidotter und macht Alles zu einem Teig. Dann walkt man aus und sticht Plätz­chen daraus. Man bestreicht dieselben mit Eiweiß, bestreut sie mit Zucker und legt sie auf ein mit Wachs bestrichenes Blech, um sie bei mäßiger Hitze im Rohre zu backen.

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Moeea-Creme. 125 Gramm feinster Mocca-Kaffee wird recht vorsichtig gebrannt, sofort gemahlen und mit zwei Taffen brausend siedendem Wasser übergossen, mit einem Löffel umgerührt, fest zugedeckt und so 4 Minuten stehen gelassen. In eine größere Kanne thut man 85 Gramm Zucker, filtrirt den Kaffee darauf durch einen Beutel und läßt den Zucker darin zergehen. Sobald dies geschehen, gibt man 40 Gramm in Wasser aufgelöste feinste Gelatine dazu; 1 Liter dicken süßen Rahm schlägt man mit etwas Puderzucker zu festem Schaum, gießt dann unter fortdauerndem Schlagen ganz langsam (wie ein Faden so dünn) den Kaffee dazu, füllt die Masse in eine mit Mandelöl ausgestcichene Form und gräbt diese in Eis. Gestürzt wird die Creme mit Confect garnirt.

Vermischtes.

Auch ein Urtheil.Müller, Ihre Arbeit beweist, daß Sie mehr Vorbildung zu einem Schuster als zum Schriftsteller haben. Was für einen Stiefel Sie schreiben, das ist groß­artig und alle Augenblicke machen.Sie einen Absatz."

Vorschlag zur Güte.* Köchin beim Stabsarzt (der ein zu Tisch geladener Hauptmann ein Trinkgeld geben will): Nein, nein, Herr Hauptmann, von Ihnen nehme ich nichts, aber net wahr, Sie sind so freundlich und behanbeln den Gefreiten Müller von Ihrer Compagnie immer recht gutl" *

Vor Gericht. Richter:*Aber ich bitt' Euch, wie habt Ihr ihn nur mit der Faust todtschlagen können?" Ange­klagter:Bitt' gehorsamst soll ich's Ihnen vielleicht vor- machen?"

Eingesandt.

Wir Pfarrer werden nicht selten wegen Büchern, die zu Con« firmalionsgeschenken geeignet sind, um Rath gefragt. Da nun die Konfirmation in der Matth äusgemeinde nahe bevorsteht, erlaube ich mir, den Eltern und Anverwandten, die beabsichtigen, ihren Consir- manden ein solches Geschenk zu machen, einige gute Bücher zu nennen.

Ich kann dabei selbstverständlich auf keine Vollständigkeit Anspruch er­heben. Es ist aber mein dringender Wunsch, dazu Anregung zu geben, daß überhaupt mehr Bücher geschenkt werden statt Schmucksachen und anderer Dinge, die keinen Werth für die Förderung des inneren Lebens der Kinder haben, und daß man doch recht sorgfältig bei der Auswahl verfahre. Es wird gar oft verkannt, wie wichtig und einfluß­reich die Lektüre unserer Kinder ist. Eltern, die ihre Kinder sorgfältig vor schlechter Gesellschaft hüten, gestatten ihnen doch manchmal in der Wahl ihrer Lektüre eine Freiheit, die ihnen zum Schaden gereicht. Es kommt dabei nicht blos darauf an, daß man gradezu schlechte Schriften fernhält, sondern daß den jungen Menschen die rechte geistige Speise zur rechten Zeit dargereicht werde.

Ein besonders schönes Geschenk für Confirmanden ist ja immer die Heilige Schrift. Da möchte ich besonders auf die neue revidirte Ausgabe (Halle, Kanstein'scher Verlag, Mk. 5) aufmerksam machen, ferner auf die schöne illustrirte Sternbibel (Leipzig, Hinrich's Verlag, Mk. 16), ferner auf die ganz treffliche Ueber- setzung des Neuen Testaments von Weizsäcker (Frei­burg, Mohr, Mk. 4.)

Treffliche Hilfsmittel zum Verständniß der heil. Schrift sind: Behrmann: Einleitung in die Heil. Schrift.

Schneller: Kennst du das Land? Bilder aus dem gelobten Land (Leipzig, Wallmann, Mk. 6).

Ninck: Auf biblischen Pfaden, (Hamburg, Mk. 6).

Aus der religiösen Erbauungsliteratur nenne ich:

Kolde: Gebetswerk mit Gotteswort auf alle Tage des Jahres, jungen Christen dargeboten, (Hamburg, Rauhes Haus, Mk. 1,20, in Gold­schnitt Mk. 2,20).

W. Baur: Beicht- und Communionbuch, Mk. 3. Delitzsch: Beicht» und Communionbuch, Mk. 4. Wiese: Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Berlin, Wiegand und Grieben, Mk. 2,75.

Weitb recht: Heilig ist die Jugendzeit, Mk. 5.

Gerok-. Palmblätter, Stuttgart, Greiner und Pfeiffer, Mk. 318.

Blumen und Sterne, Mk. 5,50.

Spitta: Psalter und Harfe, Bremen, Heinsius, Mk. 1,3015. Rogge: Allzeit int Herrn, Leipzig, Hirt und Sohn, Mk. 12,50. Julius Sturm: Palme und Krone, Bremen, Heinsius, Mk. 6. Hammer: Leben und Heimath in Gott, Leipzig, Amelang, Mk. 6. Lud. Richter: Christenfreude in Lied und Bild, Leipzig, Dürr, Mk. 4,50. Paul Gerhardt: Geistliche Lieder (in verschiedenen Ausgaben,).

ZurFörderungderKenntnißund Erkenntniß des Christ en- thums dienen z. B.:

Uhlhorn: Kampf des Christenthums mit dem tzeidenthum, Stuttgart, Gundert. Mk. 4.

Baum: Kirchengeschichte für das evangelische Haus, München, Beck, prachtvoll illustrirt, Mk. 14.

Sell: Aus Religions- und Kirchengeschichte Mk. 4.

Kirchengeschichte in Vorträgen Mk. 4.

Rade: Luther's Leben, Thaten und Meinungen, 3 Bände, Neusalz, Oeser, Mk. 18.

Blaikie: Leben Livingstones.

Bornemann: Unterricht im Christenihum.

Für Mädchen fei noch ganz besonders empfohlen: Amalie Sieveking: An meine jungen Freundinnen, Mk. 1,50.

Für gereistere auch:

Wiese: Euphrosyne, Mancherlei Frucht zur Geistesnahrung weiblicher Jugend, Berlin, Wiegand und Grieben, Mk. 4.

Aus weiterem Kreise wären zu nennen:

Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit, Leipzig, Hirzel, Mk. 34,25, auch in einzelnen Bänden.

Gedichte von Uhland, Geibel, (für Knaben, bes.Juniuslieder" undHeroldsrufe") und der trefflicheChristoforus" vom Rocholl.

Für musikalisch Gebildete eignet sich unser neues Choral­buch, auch die schöne SammlungGeistliche Lieder", Herausgegeben von Dr. Kretzschmar, Leipzig, Grünow, Mk. 7 und 12.

Zugleich möchte ich hier auf die schöne Ausgabe des Gesang­buchs mit Noten Hinweisen und seine Anschaffung recht empfehlen.

Ein besonders schönes Geschenk sind immer Bildwerke. Das Beste vom Besten bleiben immer die köstlichen Werke von Ludwig Richter, seinVaterunser"Sonntag",Unser täglich Brot",Die vier Jahreszeiten",Neuer Strauß für's Haus" re. (Mk. 412). Sinnigeres, gemüthvolleres und zugleich reizvolleres hat unsere deutsche Kunst kaum her­vorgebracht. Leider sind sie in ihrem bescheidenen Holzschnittgewand durch die ausdringlichen modernen Prachtwerke zu sehr in den Hintergrund geschoben worden. Aber während man dieser bunten Eintagsfliegen bald überdrüssig wird, kehrt man immer wieder von Neuem zu Richter zurück, und entdeckt darin immer neue Tiefen. Neben-ihm seien noch die beiden Werke von Hofmann:.Gedenke mein" undKommt zu mir" (Bres­lau, Wiskott, je 25 Mk.) genannt, die zwar etwas weich, aber von weihevoller Schönheit sind.

Möchten auch die Herren Buchhändler vorstehenden Empfehlungen freundliche Beachtung schenken und dadurch dazu beitragen, daß mehr und mehr gute Bücher zur Mitgabe für unsere Confirmanden gewählt werden.

Gießen, den 23. Februar 1893.

Gg. Schlosser, Pfarrer.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.