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Fräulein
schwarzen
Material
Ein „Beruhigungs-Thee". Der Thee übt be- anntlich eine aufregende Wirkung auf die Nerven aus, wes- salb es für Personen von reizbarem Temperament räthlich ist, ich des Theegenusses lieber gänzlich zu enthalten. Außerdem geschieht es nicht selten, daß der gewöhnliche Thee bei unacht- amer Bereitung einen rauhen und widrigen Geschmack erhält. Dem soll nunmehr ein von H. A. Snelling erfundener „Be- ruhigungsthee" abhelfen, welcher aus einer Mischung von gewöhnlichem Thee mit eigens präparirtem Hopfen besteht. Durch ;en Zusatz des letzteren zu dem Thee erfährt der Geschmack >es Thees, wie die „Oesterr. Chem.- und Techn.-Ztg." ver- ichert, eine wesentliche Verbesserung, außerdem erhält der Thee ein malziges Aroma. Außerdem wirke eine derartige Mischung, wie bas genannte Fachblatt weiter versichert, beruhigend auf die Nerven ein und durchkreuze also den schädlichen Einfluß
ein hastiger Blick die Enttäuschung. Wolfram? Wie kam er hierher? Was konnte er beabsichtigen? „Sagen Sie dem Herrn, daß ich Niemand empfange." Der Kellner verließ das Zimmer, um seine Botschaft aus- zurichten. Erich war auf ein kühles Nein aber fo vollständig vorberettet gewesen, daß er sich nicht in die Flucht schlagen ließ. „Machen Sie der Dame meine Empfehlung und bitten Sie nochmals um em kurzes Gehör für mich. Die Sache sei unaufschiebbar."
r. Dann ging er dem Burschen auf dem Fuße nach und stand, als Adele heftig aufbrausend ein abermaliges Nein hervor-' sprudelte, unmittelbar hinter ihm im Thürrahmen.
„Verzeihen Sie den Ueberfall, Fräulein Malten! Ich muß Ihnen gerade hier und gerade jetzt einige kurze Worte sagen vUl । vH*
„Das ist unerhört!" rief die Gesellschafterin.
„Es scheint nur so, mein Fräulein, aber selbst wenn ich mich in diesem Augenblicke einer Tactlosigkeit schuldig machen sollte, so ist doch meine Handlungsweise durch die Umstände geboten."
Adele lächelte. „Darf ich fragen, inwiefern das Alles mich angeht, Herr Wolfram? — Sie sprechen, als sei ich bei der Sache betheiligt."
„Das sind Sie im höchsten Maße, mein Fräulein!" „3ch?
„Sie. Ich habe die Reise von Dornau hierher nur gemacht, um Ihnen eine einzige Frage vorzulegen."
Adele neigte spöttisch den Kopf. „Dann bitte ich um Beschleunigung des Verfahrens, Herr Wolfram. Wirklich — Sie stellen durch Ihrs Gegenwart meine Geduld auf eine sehr harte Probe." (Fortsetzung folgt)
Gemeinnütziger
sieht, zu dem aber durch die Gesetze der Natur dem Menschen der Weg versperrt ist.
Erich begriff nicht, weshalb Adele eine Nacht und einen Tag in dem unbedeutenden Oertchen an der Bahn verbrach hatte. Sie mußte dort Freunde besitzen oder sie suchte eine neue Stellung. Gottlob, daß sie sich vollständig sicher hielt und an keine Verfolgung dachte.
Ach, Gottlob!
m _ Es war noch tiefe Nacht, als der Zug in die erleuchtete Bahnhofshalle einfuhr. Ein eisiger Nordost trieb ganze Wolken von Schnee vor sich her, die Laternen knarrten und die Unterbeamten liefen im Trab, um je eher desto lieber nach Haufe eilen zu können. Alles schob und drängte auf dem Perron durcheinander.
Der Schaffner öffnete die Thüren. „Alle aussteigen!"
Erich blieb, einem Winke gehorchend, bis zuletzt sitzen; er sah, wie Adele einem Kofferträger ihren Gepäckschein übergab und wie sie dann dem Ausgangsthore zuschritt. Erst als sie im Gebäude verschwunden war, wechselte er mit dem Schaff- ner einen schnellen Gruß und eilte ihr nach, um sie nicht wieder aus den Augen zu verlieren. Jetzt oder nie, das wußte er.
Adele stand neben einer Droschke und bezahlte den Koffer- träger, der ihr Gepäck herbeibrachte. „Zum Unionhotel," befahl sie.
Dann half ihr der Mann in den Wagen und schloß den Schlag. Die Räder setzten sich in Bewegung.
Die nächstfolgende Droschke rückte auf den Platz der ersten; Erich trat hart an den Kutscher heran.
„Unionhotel, mein guter Mann. Sie bekommen ein an- smndiges Trinkgeld, wenn Sie sich immer dicht hinter jenem Wagen halten."
Der Kutscher pfiff leise vor sich hin. „Werde ich wohl!" schmunzelte er.
Erich überließ es ihm, zu glauben, was er wolle. Die Droschke flog über den gefrorenen Boden, bis sie ihre Vor- gängerin eingeholt hatte, dann verfiel der Gaul in Schritt und fein Führer zog den Schafpelz fester um die Schultern. Es war unangenehm kalt in dieser Novembernacht.
Erich's Herz schlug wie ein Hammer. Wenn es gelang, hinter der Gesellschafterin unbemerkt das Hotel zu erreichen, dann war viel gewonnen.
Durch mehrere Straßen fuhren die Wagen, dann hielt der erste und ein Kellner eilte dienstbeflissen herbei, um den Schlag zu öffnen. Adele ging in das Haus, während Erich seinen Kutscher abfertigte.
„Genügt das, mein guter Mann?"
«Ich danke. Wenn der Herr mal wieder was zu besorgen hat —"
Erich ging zur Portierloge, fest entschlossen, den Kampf bis aus s Messer jetzt gleich zum Austrage zu bringen. Die Ungeduld verzehrte ihn fast.
„Welche Nummer hat die Dame im schwarzen Kleide erhalten?"
„Einundfünfzig, Ihnen zu dienen. Es war leider das letzte noch vorhandene Zimmer im dritten Stock."
„Es ist gut, ich danke Ihnen."
Erich eilte die Treppen hinauf und gab dem Zimmerkellner feine Karte. „Melden Sie mich der Dame in Nummer emundfünfzig."
Dann blieb er ganz in der Nähe der Thür stehen und wartete.
„ .Der Kellner klopfte. Als ihm ein „Herein" entgegenklang, stand Adele vor dem Spiegel und glättete ihr Haar. Sie hatte kaum Zeit gehabt, Hut und Mantel abzulegen; jetzt sah sie über die Schulter hinweg zur Thür. „Nun?"
„Ein Herr wünscht das gnädige Fräulein zu sprechen."' . Wie ein elektrischer Schlag ging es durch den Körper des rungen Mädchens; Adele wurde zuerst blaß, dann glühend roth.
„Ein Herr?" — Sollte es möglicherweise der Baron — Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. „Geben Sie her die Kartei"
Ein Blitz des Triumphes sprühte aus den Augen. Verhaftet! Ihre Feindin war verhaftet!
„Mir liegt es also ob," fuhr Erich fort, „das für die Entkräftigung dieser aberwitzigen Anklage möglichst schnell herbeizuschaffen. Ich bin der Vormund der jungen Dame und muß für sie handeln."
Er gab dem Kellner einen Wink, das Zimmer zu ver« lassen und schloß hinter ihm die Thür. „Ich komme selbst, verständlich nicht in eigener Angelegenheit, mein Fräulein, sondern in derjenigen meiner Mündel."
Adele sah ihm spöttisch lächelnd in's Gesicht. „Das wäre also nicht Ihr eigenes Interesse, Herr Wolfram? Ich hätte es fast geglaubt, obgleich freilich auch die zartesten Regungen — so oft gänzlich verschwendet werden."
Es durchzuckte ihn schmerzhaft, aber er blieb äußerlich gelassen. „Sprechen wir nicht von mir, sondern von Fräulein Aßmann, sagte er im bestimmten Tone. „Es ist neuerdings das, was Sie wissen, auf Ihre Denunciationen hin überhaupt begonnene Verfahren wieder ausgenommen worden.
Aßmann ist verhaftet."
„Ah!


