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V-vinischtes
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.
Ungesunde Zimmerwärrne. Wer die Zimmer« wärme über 15 Grad erhöht, wird bald bemerken, daß sein Wärmebedürsniß sich stets steigert und werden ihm bald 17, ja 20 Grad nicht mehr genügen. Der Grund ist folgender : Bei andauernd starkem Heizen trocknen die Wände, sowie bte im Zimmer befindlichen Gegenstände aus. Je mehr sie die Feuchtigkeit verlieren, um so mehr saugt die trockene Lust bte Feuchtigkeit ba auf, wo sie bieselbe fast nur noch allein findet, nämlich beim Menschen. Die unmetkliche Ausdünstung der Haut und der Lunge wird gesteigert. Da nun die Verdunstung von Feuchtigkeit uns viel Wärme entzieht, fo wird durch bte
steigert: bei Ofen erscheint uns bann als ber beste Freund, ist aber in Wirklichkeit unser ärgster Feinb, benn in ber er« höhten Zimmerwärme bunsten auch alle anberen Gegenstände mehr aus und bis Luft wirb verschlechtert. In ber warmen Luft athmen wir unser nothwenbigstes Lebensbebürfniß, ben Sauerstoff, weniger ein, ber Stoffwechsel wirb langsamer und geringer, ber Appetit minbert sich, es tritt mürrische Stimmung ein, ber Schlaf wirb kurz unb unruhig, alle Verrichtungen laffen zu wünschen übrig. Da haben wir ba» betrubenbe Bud ber meisten Menschen im Winter. Nur Diejenigen, bie threm Ofen niemals gestatten, bie Luft über 15 Grab zu erwärmen, stnb biesem Leiben nicht unterlegen.
Hafermehl als Nahrungsmittel. Weithin tst bte Ansicht verbreitet, Hafer ober vielmehr Hafermehl, wie e» auf dem Lande hergestellt wird, sei als Nahrungsmittel nur für die schwere Arbeit verrichtenden Klassen verwendbar. Dies trifft allerdings beim Haferbrei zu, da schon ein guter Appetit dazu gehört, um nicht nach ein paar Löffeln des dicken, schwarzen Breies ein Gefühl von Sattheit zu bekommen. Als Suppe zubereitet, gibt das Hafermehl nicht allein ein leicht verdauliches und sehr nahrhaftes, sondern auch äußerst wohlschmeckendes und feines Gericht- Eine Obertasse Hafermehl wird in einem Stückchen Butter gelb geröstet, mit dem nöthtgen Wasser, ungefähr zwei Liter, abgelöscht und aufgesW, eme Stunde tüchtig gekocht, gibt es eine Suppe für sechs Personen und ist besonders für Schwache, Magenkranke sehr zu empfehlen.
Seltsame Vermuthung. Sonntagsjäger: „Heut geh' ich aber nicht auf die Jagd; den ganzen Morgen habe ich schon Unglück gehabt!" - Frau: „Da wirst Du vielleicht grab' was treffen!"
Der wird gut. Onkel: „Nun, was hast Du mit dem Groschen gemacht, den ich Dir schenkte? Natürlich vernascht! — Der achtjährige Emil: „Bewahre, lieber Onkel, dafür habe
Präparat, da», in concentrirten Lösungen auf Schleimhäute gebracht, dieselben vollständig unempfindlich macht. Das Mittel fand besonders 'in der Augenheilkunde sowie bei Operationen in Nase und Kehlkopf ausgedehnte Anwendung. Es gestattet beifpielsweise, große Geschwülste au» dem Kehlkopfe ohne Belästigung des Patienten zu entfernen. Das Mittel wirkt durch Lähmung der Nervenendigungen in den damit bestri-benen Schleimhäuten, die durch ihre zarte Bedeckung Arzneistoffe leicht aufnehmen. Die unvergleichlich derbere Haut aber nimmt durch ihre dicke Horndecke kein Mittel auf, und so kam man auf den Gedanken, das Cocain unter die Haut zu spritzen.
Die Methode hatte aber zwei schwere Fehler- Erstens einmal war sie unzuverlässig: sie wirkte nicht immer gleich energisch und dann war bei Anwendung so starker Concentra- vull uvtlvyv.a — , ... . „
ttonen der Cocainlösung sehr schnell, schon mit einer kleinen gesteigerte Ofenwärme allmälig auch das Wärmebedürsniß ge Spritze (ein Cubikcentimeter), die Giftdosis des Cocains er« - - - • * r*
reicht, so daß man von vornherein auf die Anwendung der „localen Anästhesie" bei größeren Operationen verzichten mußte-
Beide geschilderten Fehler hat die Consequenz eines der jüngeren Berliner Chirurgen zu beseitigen gewußt und eine Methode der „localen Anästhesie" geschaffen, die thatsäch« lich berufen erscheint, in Zukunft die Anwendung des gefähr« lichen Chloroforms und anderer allgemein anästhesirender Stoffe auf ein Mindestmaß zu beschränken-
Ausgehend von der in neuester Zeit gemachten Erfahrung, daß es viele Stoffe gibt, welche die paradoxe Eigenschaft haben, unter die Haut gespritzt, zwar heftige Schmerzen zu er« | regen, aber gleichzeitig die betroffene Stelle unempfindlich zu machen, bie sogenannten „Anaesthetica dolorosa“ (schmerz« erregenbe Schmerzstiller), suchte vr. Karl Ludwig Sch l e i ch die Wirkungsweise de» Cocains, wenn es unter die Haut gespritzt wird (subcutan injicirt), zu erforschen und fand folgende bemerkenswerthe Thatsachen:
Die fchmerzhindernde Wirkung der bisher geübten Cocain« Einspritzungen unter die Haut beruht auf absolut anderen Ursachen al» diejenige auf Schleimhäute- Handelt es sich hier nur um chemische Emflüsse, indem das in den Stoffwechsel aufgenommene Cocain von der Blut- und Lymphbahn aus in die Nervenendigungen einbringt unb sie lähmt, so handelt es sich bei ber Einspritzung zum großen Theil um mechanische Einflüsse unb zwar um Einflüsse des Drucks unb der Temperatur. Jnbem die — kalte — Flüssigkeit unter dem sehr hohen Drucke bes Spritzenstempels in bie Gewebe gepreßt wirb,
weicht bas Blut unb bie Lymphe nach Orten geringeren Druckes aus: bas Gewebe wirb blutleer. Aber bie Gewebssäfte ernähren bie Nervenendigungen, deren Nahrungszufuhr hört auf, und fast momentan unterbricht sich auch ihre Function-
Daß es sich wirklich um rein mechanische, nicht um chemische, specifisch dem Cocain zukommende Wirkungen handelt, konnte Dr. Schleich damit beweisen, daß er dieselben Erscheinungen bei Einspritzung beliebiger anderer Flüssigkeiten nachwies. Thoin- und Coffein-, Zucker- unb Salzlösungen ber verschiebensten Concentration, ja selbst bas absolut reine, bestillirte Wasser erzeugten in ber Haut ganz gleichmäßig
vollkommene Unempfinblichkeit.
Hierin lag ohne Weiteres bie Möglichkeit, ben zweiten jener derben Fehler auszuschalten. Man konnte jetzt statt bes giftigen Cocain einen ungiftigen Stoff wählen ober ba» Cocain in einer Verbünmmg, bie es ungefährlich machte. Bei ber Durchp obung ber verschiedensten Substanzen hat sich denn schließlich doch aus Gründen, deren Aufzählung zu weit führen dürfte, bas Cocain als ba» zweckmäßigste Drittel erwiesen- Aber wenn es früher in einer Lösung von fünf bis zehn auf hunbert anqewenbet würbe, so erreicht man jetzt absolut sichere Wirkung schon mit einer Lösung von eins auf fünftaufenb bis zehntausenb, also mit einer 250 bis lOOOmal schwächeren Lösung
Auch bett anderen, obenerwähnten Uebelstanb wußte Dr. Schleich auszuschalten.
(Schluß folgt.)
Gsm Stt-nntzige».
ich mich rasiren lassen!"
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Vom Bücherleihen. „Ich verborge niemals meine Bücher!" - „Man gibt sie Ihnen wahrscheinlich nicht zurück?" — „Sehr richtig. Unb bas ist nicht schwer zu erklären. Denn es ist viel leichter, bie Bücher zu behalten, alt bas, was barin steht."
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Erfrischung. Mutter (zu ihrem aus betn Manöver heimkehrenben Sohn): „Nun, mein Junge, sollst Du für aue Strapazen entschädigt werden; was willst Du denn zunächst für eine Erfrischung haben?" — Sohn: „Ich bitte vor Allem um Jnsectenpulver I"


