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Ludwigs zu Hülsemänns Tochter! War diese aufzuheben gewesen, so wäre ich nicht der unglückliche, verlaffene Vater. — O, Ludwig, Ludwig, das konntest Du mir um eines Mädchens willen anthun, wie Du sie jedenfalls ebenso gut in anderen Familien gefunden haben würdest!"
Vor seinen letzten, laut gesprochenen Worten erschrak der gequälte Mann förmlich. War es denn wirklich nur eine blinde Leidenschaft, die Ludwig an Hülsemanns Seite getrieben hatte? Hielt es Ludwig nicht vielmehr mit seinem Ehr- und Pflichtgefühl ganz unvereinbar, die geliebte Braut nur deshalb schnöde zu verlaffen, weil ihr Vater durch unverschuldetes Unglück in eine schlechte Vermögenslage gekommen war? — Ja, ja, Ludwig dachte und handelte ganz anders, wie die meisten anderen jungen Männer in solchen Fällen.
Diese Wahrheit predigte dem Commerzienrath die Stimme des Gewissens so deutlich und nachdrücklich, daß eine eigenartige geläuterte Stimmung sich allmälig seiner Seele bemächtigte und er wieder mehr, als er es in den Jahren des Glückes und Glanzes gewohnt gewesen war, einsehen lernte, daß es doch noch viel edlere Güter und mächtigere Kräfte in der Welt gab, als Gold und Eitelkeit.
Diese wachsende Erkenntniß stärkte auch die geistigen und moralischen Kräfte des Commerzienrathes im Hinblick auf die üble Auseinandersetzung, welche er jeden Tag mit Buchhold haben konnte, denn daß dieser sich nicht ruhig verhalten würde, wenn er erst sicher erfahren hatte, daß Ludwig Malten das Vaterhaus verlassen und treulich auf Hülsemanns Seite getreten war, also von einer Verlobung Ludwigs mit Buchholds Tochter im Ernste keine Rede sein konnte, das war klar.
Der Commerzienrath Malten wunderte sich überhaupt, daß Buchhold noch nicht dagewesen war, um ihm die Hölle heiß zu machen, denn der überall seine geschäftlichen Beziehungen unterhaltende Bankier mußte doch schon längst über den Ausgang der Gläubigerversammlung in der Angelegenheit des von dem Schachtsturze schwer betroffenen Hülsemann'schen Bergwerkes unterrichtet sein.
Warum kam nur Buchhold nicht? Wollte er erst noch feurige Kohlen auf des Commerzienraths Haupt sammeln oder wollte er eine ganz neue Jntrigue in Scene setzen?
Diese Gedanken quälten jetzt den alten Malten wieder und er lief unruhig in dem Garten hin und her.
Da hörte er plötzlich seinen Rainen rufen, und erschrocken sich umdrehend, sah er den Bankier Buchhold vor sich, wie er von dem Diener begleitet näher trat.
„Guten Tag, Herr Commerzienrath," sagte Buchhold sehr erregt und reichte Malten flüchtig die Hand.
Dieser erwiderte den Gruß nur kühl und lud Buchhold ein, in's Haus zu treten.
„Bleiben wir lieber hier im Garten," entgegnete aber der Bankier, „ich glaube, wir können uns da ungestörter aussprechen."
„Wie Sie wünschen," antwortete Malten und geleitete Buchhold nach einer kleinen Laube, die halb verborgen zwischen den Obstbäumen des Gartens stand-
„Ich habe recht nette Geschichten über ihren Herrn Sohn gehört," begann der Bankier lebhaft gestikulirend, „daraus scheint mir sehr deutlich hervorzugehen, daß Sie einen ungehorsamen Sohn haben, der sich gar nicht nach den guten Absichten des Vaters richtet."
. muß ich Ihnen Recht geben," bemerkte Malten
ziemlich kleinlaut, „Ludwig handelt in der Angelegenheit nur nach fernem Kopfe und hat meinen sehr ernsten Vorstellungen kein Gehör geschenkt."
„Aber wie stehen Sie jetzt mit Ihrem Sohne? Haben Sre seme Handlungsweise schließlich doch gebilligt? Unterstützen Sre seine Bemühungen, das Hülsemann'sche Bergwerk zu
„Nein, nein, es ist vielmehr zwischen mir und Ludwig wegen seines Ungehorsams und seiner Hartnäckigkeit zum Bruche unteHiitze ihn nicht und ich werde es auch
Lun, denn es würde gegen meine Grundsätze als Vater und Geschäftsmann sein- Ueberdies wissen Sie auch sehr gut,
daß ich gegenwärtig gar nicht in der Lage bin, große Kapitalien zu verleihen."
., ,®o!&n ^t als Bevollmächtigter Hülsemanns aber
sehr geschickt ein Moratorium mit dessen Gläubigern ab. geschlossen. Da Hülsemann ohne nennenswerthe Baarmittel ist und außerdem noch bedeutende Summen in das Bergwerk ge» baut werden sollen, so ist ohne größere Geldmittel das Auf- tteten Ihres Sohnes als Retter Hülsemanns nicht zu erklären. Woher mag er das Geld erhalten haben?"
„Da fragen Sie mich zu viel, Herr Buchhold," erklärte der Commerzienrath, „denn seit seiner Einmischung in die Hülsemann schen Angelegenheiten habe ich keinen Verkehr mehr mit meinem Sohne. Erwähnen will ich nur, daß er ein eigenes verfügbares Vermögen von 60,000 Mark besitzt, welches er von seiner Mutter geerbt hat. Aber dieses Kapital reicht ja nicht entfernt dazu aus, um die Hülsemann'schen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen."
„Haben Sie Ihrem Sohne vor seinem verhängnißvollen Entschlüsse einigen Aufschluß über Ihre Geschäfts- und Vermögenslage gegeben," frug Buchhold jetzt, den Commerzienrath scharf beobachtend.
„Das habe ich unumwunden gethan," erwiderte Malten mit einem tiefen Seufzer.
„Und Ihr Sohn hat dennoch den Vater verlaffen?"
„Sie sehen, daß er es gethan hat!"
„Was halten Sie von Ihrem Sohne und seinem Be- gmnen?"
„Obwohl ich ihm zürne, so muß ich doch sagen, daß er ein edler, hochherziger Mensch ist, mit dessen Ehrgefühl es ganz unvereinbar ist, die Braut zu verlassen, weil deren Vater in schlechte Vermögensverhältniffe gekommen ist. Mein Sohn thut seine Pflicht, wie Herz und Gemüth sie ihm vorschreiben."
„Und wenn bei dieser thörichten Pflichterfüllung der eigene Vater bankerott wird?" frug Buchhold mit funkelnden Augen. „Was sagt zu dieser Möglichkeit Ihr Herr Sohn?"
Der Commerzienrath hatte in den letzten Tagen zu viele Seelenkämpfe überwunden, um über diese bedrohliche Frage noch in Erregung zu gerathen, und ruhig, mit seltsamem Lächeln sagte er: „Wenn das Schlimmste über meine Unternehmungen hereinbrechen sollte, Herr Buchhold, so werde ich alter Mann bei meinem Sohne ein Asyl finden."
„Und wenn Ihr Sohn sein kleines Vermögen in den unglückseligen Hülsemann'schen Bergwerksunternehmungen verlieren sollte, wo wollen Sie dann Ihr Asyl aufschlagen?" frug Buch- hold höhnrsch.
„Mein Sohn ist ein tüchtiger Ingenieur und wird eine Stellung finden, die ihn und mich ernährt, wenn sein Plan scheitern sollte," bemerkte Malten ruhig.
(Schluß folgt.)
Keiße Speisen «nd KetränKe.
Es ist zwölf Uhr. Der Herr kommt heim, die Kinder sind erwartungsvoll im Eßzimmer versammelt, die Hausfrau legt noch die letzte ordnende Hand an den bereits gedeckten Tisch und nun geht's los; die siedendheißen, dampfenden Gerichte werden hastig und schnell verschlungen; es folgt zur besseren Verdauung noch ein Schälchen recht heißen Kaffees; und da fragt man noch, wo die vielen Magenkrankheiten Herkommen, warum die Kinder über Brechreiz und Uebelkeit klagen? Richt nur in Arbeiterkreisen, wo die Frau so überangestrengt ist, daß sie unmöglich viel Zeit und Sorgfalt auf das Kochen und Essen verwenden kann, wo die Kinder gierig und hungrig über die Speisen herfallen oder wo der Mann nur zehn Minuten Zeit zum Mittagessen hat, damit er den oft weiten Weg zur Fabrik wieder antreten kann, nein, in den reichsten Familien, wo der Toilette Stunden geopfert werden,


