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r - Ä^D 1893.

Nr. 61

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Samstag, den 27. Mai.

Das große Loos.

Original-Novelle von Leo Werner.

(Fortsetzung).

Wo ist aber Herr Malten?" riefen einige der Ungedul­digsten.

Hier bin ich schon I" erklang eine sonore Stimme von Weitem und Ludwig Malten schritt eilig herbei, ein Schrift­stück in der Hand haltend.

Guten Morgen, meine Herren!" sagte er höflich und lüftete den Hut.Herr Hülsemann ist durch Krankheit ver­hindert, vor Ihnen zu erscheinen, das große Unglück hat seine Gesundheit erschüttert und er hrt mich infolge besten bevoll­mächtigt, ihn in allen seinen Angelegenheiten zu vertreten. Hier ist die Generalvollmacht, falls einer der Herren sich davon durch die notarielle Urkunde überzeugen will."

Schon gut, schon gut," meinten die Gläubiger im Chor, aber welche Eröffnungen haben Sie uns zu machen, Herr Malten?"

Meine Herren! Ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß Herr Hülsemann nicht durch eigene Schuld, sondern durch ein großes Unglück in eine schlimme Vermögenslage gekommen ist und wir haben es auch nicht nöthig, uns lange darüber zu unterhalten, weshalb Sie hier sind. Sie wollen sich über die Lage des Bergwerks unterrichten und Sie möchten Alle sobald als möglich Ihre Forderungen bezahlt oder garantirt haben."

Jawohl! Natürlich!" erscholl es aus dem Kreise der Gläubiger.

Nun, so will ich Sie erst in das Bergwerk und an das Kohlenlager führen, damit Sie sehen, welch' ein Unglück hier gewüthet hat und damit Sie mit den Verhältnissen zu rechnen lernen," erklärte Ludwig Malten ruhig.

O, diese Belehrung ist nicht nöthig!" riefen einige der schlimmsten Dränger.Wir sahen und hörten davon schon genug und wollen jetzt unser Geld oder entsprechende Sicher­stellung."

Dies geht nicht so schnell, wie Sie wünschen," bemerkte Ludwig mit einem bitteren Lächeln,denn wenn der Blitz über Nacht in Ihren Geldschrank schlägt und die Banknoten ver- mchtet und dar Gold beschädigt, so können Sie auch am anderen Morgen nicht zahlen. In einer solchen Lage befindet « i. t A^inann. Also darf ich wohl erwarten, daß Sie Geduld haben und um Ihnen zu beweisen, daß Sie Geduld haben müssen, will ich Ihnen die Zerstörung in dem Bergwerke und das verschüttete Kohlenlager zeigen."

Ludwig rief den Obersteiger Krützner, sowie zwei Berg­leute herbei, und lud die Gläubiger, sowie die Herren Künne« mann und Leixner zur Einfahrt in die Grube ein.

Nur zögernd und zaghaft schloffen sich die meisten der Gläubiger der Fahrt in das dunkle Bergwerk an und Ludwig sowie der Obersteiger Krützner mußten sie unten in den Schach­ten förmlich vorwärts drängen. Nach einer halben Stunde standen sie vor den in grausiger Tiefe tosenden Waffermaffen und vor den riesigen Trümmern des Schachtsturzes. Wieder­holte Ausrufe des Staunens und des Schrecken» ertönten bei diesem entsetzlichen Anblicke aus dem Munde der Männer und ganz niedergeschlagen waren sie bei der Rückkehr aus dem Bergwerke.

Als sie wieder vor dem Grubenhause versammelt waren, sagte Ludwig Malten:Nun muß ich Ihnen noch die ver­schütteten Kohlenlager zeigen, meine Herren, damit Sie die wahre Größe des Unheiles, welches über das Bergwerk herein­gebrochen ist, ermessen können."

Das ist nicht nöthig, wir haben das Kohlenlager schon gesehen," erklärten mehrere der Herren.

Nun gut, dann lade ich Sie ein, in das Haus einzu­treten, damit ich Ihnen meine Vorschläge unterbreiten kann."

Wenige Minuten später saßen dicht zusammengedrängt die Gläubiger im größten Zimmer des Grubenhauses, während Ludwig Malten in einem Nebenzimmer mit den beiden einzigen treu gebliebenen Freunden Hülsemanns, mit den Herren Künne- mann und Leixner eine vertrauliche Unterredung hatte.

Bald darauf traten die drei Herren unter die harrenden Gläubiger und nahmen an einem an der Seite des Zimmers stehenden Tische Platz.

Meine Herren!" begann der Bankier Leixner.Ich ge­höre nicht zu den Gläubigern des Herrn Hülsemann, sondern ich bin nur gekommen, um gleich^Herrn Künnemann einen güt­lichen Ausgleich in der schwierigen Angelegenheit, die uns Alle interessirt, herbeisühren zu helfen. Herr Ludwig Malten als Bevollmächtigter des Herrn Hülsemann wird Ihnen hierüber einige Eröffnungen und Vorschläge machen, welche ich sowie Herr Künnemann befürworten und für welche wir bis zu einem gewiffen Grade einstehen wollen."

Meine Herren!" sagte gleich darauf Ludwig Malten. Ich glaube, daß Sie sich Alle davon überzeugt haben, daß wir uns hier in einer schwierigen Lage befinden. Würde das Bergwerk, wie es jetzt ruinirt ist, in Subhastation gebracht, so käme schwerlich für die Gläubiger dabei ein Vortheil heraus, denn wer wird das Bergwerk in diesem Zustande kaufen wollen? Gedeckt würde durch einen gerichtlichen Verkauf wahr­scheinlich nur die Forderung der ersten Hypothek. Die übrigen