Ausgabe 
27.4.1893
 
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aegensehen, sei angesichts der für künstlich ernährte Kinder so außerordentlich gefahrvollen heißen Jahreszeit die dringende Mahnung gerichtet, alles aufzubieten, ihren Mutterpflichten in vollem Umfang zu genügen d. h. ihre,, Kinder selbst zu nähren.

Den Vätern aber rathen wir ebenso dringend, als wir herzlich bitten, die alte Sorglosigkeit beiseite zu werfen und sich etwas mehr um die Kleinen zu bekümmern. Und wollen die guten Ehefrauen vernünftigen Vorstellungen kein Gehör schenken, nun so wird wohl jeder echte Mann Mittel und Wege' zu finden wisien, seinen Anordnungen den nöthigen Nachdruck zu verschaffen. Weiblichem Unverstand und weiblicher Eitelkeit Verzeihung', liebe Frauen! muß ganz energisch entgegen« getreten werden. Egon W.

Gemeinnütziges.

Behandlung der Besen. In vielen Haushaltungen wird den Besen nicht die richtige Behandlung zu Theil und nur allzu vorzeitig werden sie dadurch unbrauchbar. Vor Allem dürfen die Besen nie in der Nähe des Herdes oder der Oefen hängen, da durch die Hitze das Pech, womit die Borstenbündel in das Holz eingesetzt sind, schmilzt und die Borstenbündel da­durch herausfallen. Ebenso verursacht die Hitze das Springen und Reißen der Hölzer. Beim Besen mit langem Stiel ist darauf zu achten, daß der Besen nicht auf den Borsten steht, sondern entweder auf dem Stiele ruht oder, was das Beste ist, aufgehängt wird. So behandelte Besen bleiben viele Jahre lang in gutem Zustand. *

Täschchen für das Frühstück. Solch ein Täschchen hat den Vorzug, die sauberste und praktischste Umhüllung für das Frühstück zu sein. Wenn auch unsere Kleinen mit Blech­büchsen zum Frühstück für die Schule versorgt sind, so kennt man doch das eilige Suchen der Erwachsenen nach weißem Papier zum Einwickeln des Frühstücks, wenn sie ihr Beruf in der Morgenstunde hinwegführt - Dem ist nun leicht abzuhelfen mit wenig Mühe und geringem Material: grau Leinen, schwarzes Wachstuch, Stickgarn und Einfaßband. Man schneidet eine« Theil aus grauem Leinen von 15 Centim. Höhe und 20 Ctm. Länge, der die obere Taschenhälfte bildet, hierauf einen zweiten von 20 Centim. Höhe und 18 Centim- Breite, dessen Ecken an der einen Seite zu Klappen abgerundet werden, dieses Stück blldet zugleich Rückenwand und Klappe der Tasche, ein schmaler Streifen, 3 Centim. breit und 40 Centim. lang, bildet die Seitenwände. Die gleichen Stücke schneidet man nochmals als Futter in schwarzem Wachstuch. Aus die Klappe stickt man ein Monogramm oder die Aufschrift:Guten Appetit." Dann werden die Theile zusammengelegt, ringsum mit schmaler Borde eingefaßt, mit Oese und Knöpfchen versehen. Ein Stück Per­gamentpapier verhindert das Fettigwerden des Stoffes.

Zwiebelsuppe nach flämischer Methode. Einen Stich Butter läßt man in der Kafferole sich bräunen, schmort in derselben in Scheiben geschnittene Zwiebeln, gießt Fleisch­brühe oder Auflösung von Liebigs Fleischextract hinzu, fügt ein Stück Weißbrod, sowie einige Kartoffeln bei, läßt Alles weich kochen und treibt es durch ein Sieb. Dann bringt man die Suppe wieder auf's Feuer, gibt Pfeffer und Salz bei, läßt sie dreiviertel Stunden kochen, gießt sie über in Butter geröstete Brodschnitten und servirt zugleich mit ihr auf einem Teller geriebenen Schweizer- und Parmesankäse.

Plüschteppiche reinigt man sehr leicht, wenn man die­selben, nachdem man sie gut ausgeklopst, auf der Erde aur- breitet und mit einigen Händen voll gut ausgedrücktem frischem Sauerkraut abreibt. Es wird nicht nur der Staub hinweg­genommen, sondern sämmtliche Farben erhalten ein frisches Aussehen.

Deutschlands Wälder. Mehr als ein Viertel des deutschen Bodens ist auch heute noch bewaldet. Von den rund 54 Millionen Hectaren Land, welche das Deutsche Reich um­faßt, sind 14 Millionen Hectar Waldboden, davon 32,7 pCt. Staatsforste, 15,2 pCt. Gemeindeforste, 1,3 pCt. Stiftungs­forste, 2,5 pCt. Genoffenschaftsforste, 48,3 pCt. Privatforste. Die waldreichsten deutschen Länder sind Schwarzburg-Rudolstadt, in welchem der Wald 44 pCt- des Bodens bedeckt, und Sachsen- Meiningen. Am wenigsten Wald hat Oldenburg, nämlich nur 9,2 pCt-; Preußen bleibt mit 23,4 pCt- etwas unter dem Durchschnitt.

Gefeit. Zimmervermietherin:Es freut mich, daß Ihnen das Zimmer gefällt; ich muß Ihnen aber gleich sagen, daß darin Mäuse jinb." Student:Das schad't nichts; ich hab' ja immer einen Kater!"

Guter Bescheid. Professor:Herr Candidat, wie be­rechnen Sie einen Kegel?" Candidat (zerstreut):Das kommt ganz auf die Länge der Kegelbahn an!"

Ein Spaßverderber.Was ist denn da los? Kin­der, Ihr macht ja einen fürchterlichen Lärm!"Ja, Mama, wir spielen Ostafrika-Reisender und da will sich der Walter nun nicht freffen kaffen!" * *

Zuviel verlangt. Ladenbesitzer:Die wenigen Leute abzufertigen, haben Sie eine volle Stunde gebraucht?" Commis:Was kann ich dafür, wenn die Kunden selber nicht wissen, was sie wollen!" Ladenbesitzer:Aber Sie müffen es wissen, wenn Sie ein gewandter Verkäufer sein wollen!

An die Zukünftige.

Herz, du darfst Piano spielen, Daß die Fensterscheiben klingen, Darfst in Harfensaiten wühlen, Daß sie laut gen Himmel klingen, Darfst in Verse all' dein Fühlen Selbst in's Wirthschaftsbüchlein bringen, Darfst bemalen selbst die Dielen Mit Jasmin und mit Syringen, Darfst den Teig nach allen Stilen Modellirt zum Bäcker bringen, Darfst zum Ton der Kaffeemühlen Meinetwegen Arien singen, Kurz, darfst deinen Kunstdurst stillen Ganz nach Lust dir und nach Sinn Aber nur um Gotteswillen, Wenn ich nicht zu Haufe bin!

Literarisches

Jugend-Gartenlaube. (Verlag der Kinder-Gartenlaube in Nürnberg. Vierteljährlich 1 Mark.) Heft 8 von 1893 bringt das reizende GedichtEine heilige Zahl" von Köte Dorn, welches die sechs kaiserlichen Prinzen feiert; ferner die anziehende ErzählungNadine" von Fr. Holle; das MärchenTante Schlehendorn". InFeuer und Licht" gießt der bekannte Dr. F. Dornblüth interessante Aufschlüsse. Dann folgt das GedichtDer Wettstreit".Am Strande der Ostsee" von F. v. Minra ist eine hübsche Erzählung, die uns nach Swinemünde versetzt. Wir finden ferner ein GedichtVom Lernen" von M. Kal­beck; eine prächtige ScizzeVom Laubfrosch, dem nichts recht war"; endlich allerlei Mittheilungen, Scherz, Räthsel, Aufgaben, Briefkasten. Vier vortreffliche farbige Illustrationen schmücken das Heft. Die Jugend-Gartenlaube kann wirklich nicht genug gelobt werden.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.