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Nntephaltringsblatt jum Giehenev Anzeiger» (Geneval-Anzeiger)

1893

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Nr. 126.

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Donnerstag, den 26. Oetoöer.

Eine verhängnißvolle Nordlandsfahrt.

Humoristische Novelle von Johannes Wilda.

(Fortsetzung.)

Wir saßen in drangvoller Enge. Der dicke, rothverbrannte Capitän präsidirte. Karl raspelte derartig Süßholz, daß mir beinahe der Appetit verging. Dabei hatte ich das Unglück, daß Fräulein Minnie sich für mein Gespräch mit dem Vater, welches doch lediglich ernste Männer-Themata betraf, zu inter- esstren schien. Ich will nicht sagen, daß es Unsinn war, was sie dazwischen warf. Aber Frauen «Geschwätz war mir nun einmal von jeher unverdaulich. Bei diesen störenden Einflüssen konnte ich natürlich nicht auf die Diner-Kosten, die 2J/2 Kronen betrugen, kommen.

Nach Tisch wurde der Kaffee auf dem Oberdeck ein­genommen.

Wir passirten. nahe an der Insel Langeland vorüber, deren schöne Buchenwälder und freundlichen Landsitze wir recht gut erkennen konnten.

Wie ich so betrachtend am Schiffsgeländer da stand, nahte sich mir Freund Asmus.

Famoses Mädel, he?" raunte er mir siegesfroh in's Ohr.Schon riesige Fortschritte gemacht! Der Alte, scheint noch ein bischen widerhaarig. Hamburger Apotheker, min­destens Millionär! zweifellos! - Ich habe gesagt, daß ich Besitzer der Mineralwasser-Fabrik in Tuttlingen sei. Bitte, störe , diese Illusion nicht, liebster Wuz. Ich will mir die Fabrik ja erst mit dem Geld meines Schwiegervaters in spe kaufen. Das braucht er halt nicht zu wissen, sonst könnte er kopfscheu werden. Wuz, Wuz, wenn ich erst osficieller Schwiegersohn bin, gebe ich Dir auch das feierliche Versprechen, daß Du bei unserem ersten Jungen Gevatter stehen sollst!"

Bescheiden erlaubte ich mir einige Bedenken zu murmeln, doch Karl flüsterte im Drange seiner Großmuth weiter:

Ach was, keine Widerrede! Gevatter stehst Du und da­mit Punktum! Und nun, mein Junge, mußt Du Dich opfern; es geht wahrhaftig nicht anders! Siehst Du, ich muß den Alten einmal apart vornehmen und ihn durch die Gluth meiner anerkannten Liebenswürdigkeit so lange erhitzen, bis sein mir vorenthaltenes Wohlwollen bis zum letzten Tropfen überdestillirt.

Thue mir den Gefallen und beschäftige Dich derweilen ein bischen in meinem Interesse mit der kleinen Minnie, der Du ja zu meiner Beruhigung ungefährlich bist.

Streiche mich kräftig bei ihr heraus, theuerster Wuz,

hörst Du! Dein Schaden soll's nicht sein. Parole dhonneur beim ersten Jungen"

Schon gut, schon gut, Asmus! Aufsuchen thue ich sie nicht, aber wenn Du sie zu mir bugsirst, will ich wenigstens nicht weglaufen, das verspreche ich Dir."

Abgemacht, Wuz. Verweile hier, ich werde sie Dir all­mählich in die treuen Freundesarme führen." Mit diesen Worten enteilte der glückliche Karl und ich sah, wie er sich am Kaffeetisch um Vater und Tochter bemühte.

Indem ich noch so der Ausführung meines idealen Auf­trages harrte, schlängelte plötzlich Jemand wie von ungefähr auf mich zu. Vorläufig war es nicht die Tochter, sondern der Vater.

Angeln wohl dahinten zum Pläsir - Vergnügen, Herr Doctor Döderlein?" In der That hatte ich eine Angelschnur ausgeworfen, bei der großen Fahrt des Dampfers ein etwas phantastisches Unterfangen, das von dem Hamburger be­lächelt wurde.

Es will nicht gelingen, Herr Sasse."

Schadet nicht. Angeln scheint nicht Ihre Sache Mädchen-Angelei auch nicht. Braver Charakter. Hm!" Herr Sasse räusperte sich und zog verlegen seinen Backenbart durch die Finger. Offenbar hatte er etwas auf dem Herzen. Nach einer Weile stieß er hervor:

Ihr Kollege wohl ein bischen Windhund, was?"

Armer Asmus! Jetzt sollte ich in Deinen heiligsten Interessen gegen Dich zeugen! Das brachte ich nicht über mein Freundesherz. Andererseits verrieth meine für Diplo­matie nicht veranlagte Miene wohl genug.

Dachte es mir schon. Im Vertrauen, ich bin ein guter Kerl und kränke andere Leute nicht gern. Ihr College hat um Reiseanschluß an uns in Schweden gebeten und da meine Tochter, unbefangen wie sie ist, sorglos einwilligte, mochte ich nicht Nein sagen. Auch Ihretwillen nicht, Herr Doctor, da ich mich freue, mit einem so verständigen Mann zusammen­getroffen zu sein."

Bitte, bitte, Herr Sasse." Ich machte eine geschmeichelte Verbeugung, obgleich die ganze Reisefreiheit nun zum Kuckuck war.

Aufrichtig, Herr Doctor, verständiger Mann!" ich wieder­hole es.Aber wissen Sie," hier stellte sich der kleine Herr auf die Zehen, indem er mir so zuthunlich in's Ohr flüsterte, daß der Schirm seiner carrirten Reisemütze sich fast an meinen Kopf legte,entre nous, ganz entre nous, helfen Sie mir die jungen Leutchen da ein bischen bewachen. Wollen Sie?"

Die Schirmmütze entfernte sich von meinem Haupt und erwartungsvoll blickte mich der vertrauende Vater über seine Brillengläser an.