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GsMsinniltzigss.

Gefrorenen Kartoffeln den süßlichen Ge­schmack zu benehmen. Das Süßw rden der Kartoffel hat nach den Untersuchungen von Dr. H. Müller nichts mit dem Erfrieren derselben gemein. Kartoffel erfrieren, wenn unter 3 Grad Kälte gelagert, ohne süß zu werden; bei ge­ringerer Kälte werden sie süß, ohne zu erfrieren und ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. Bei der Lagerung wird in jeder Temperatur die Stärke der Kartoffel allmälig in Zucker ver­wandelt; bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt wird der Zucker durch eine Art Athmungsproceß consumirt, während sich bei dem Kältegrad ein Zuckerüberschuß anhäust. Bringt man daher süße Kartoffel in höhere Temperaturen, bis 20 Grad etwa, in die Küche, so nimmt der Zuckergehalt derselben ab und sie werden schon nach sechs Tagen brauchbar.

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Bayerische Knödel. Acht altgebackene Milchwecken werden in sehr feine Scheiben geschnitten und mit einem hal­ben Liter siedender Milch übergossen. Sind sie durchweicht, so kommen vier Eier, drei Eßlöffel voll Weizen« und drei Eß­löffel voll Semmelmehl hinzu; etwas feingewiegte Zwiebel und Petersilie wird in Schmalz gedünstet und nebst Salz bei­gemengt. Nachdem Alles tüchtig untereinander gearbeitet wor­den, werden Klöße daraus geformt. Sind alle fertig, so taucht man die Hände in kaltes Waffer und balle sie noch einmal durch, sie werden so sehr glatt und schön. Die Klöße muffen eine halbe Stunde in siedendem Salzwasser kochen. Die fer­tigen werden zerschnitten und mit Semmelmehl, welches in Schmalz geröstet wurde, heiß aufgetragen.

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Einlage in Brühsuppen. Statt Gries oder Sago verwendet man häufig geriebene abgekochte Kartoffel als Suppen- Einlage. Man gießt die Suppe ab, nimmt Fleisch und Grün­zeug heraus, stellt sie nochmals aus's Feuer, reibt drei mittel­große Kartoffel (für etwa sechs bis acht Personen) hinein, läßt die Suppe damit nochmals aufwallen und richtet sie an.

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Dampfkochtöpfe bedürfen geringer Aufsicht und die Speisen werden darin schmackhafter und in der Hälfte der sonst nöthigen Zeit fertig. Für Haushaltungen, wo die Frau selbst Alles besorgt, sind dieselben unentbehrlich.

Veoinischtes.

Hebet die Toiletten bei der großen Hofeonr am Donnerstag Abend im Berliner Schlöffe theilt ein Bericht­erstatter Folgendes mit: Der Kaiser trug den rothen Gala­rock der Gardes du Corps mit allen preußischen Orden, voran das Orangeband des hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Die Kaiserin erschien in goldschillernder silbergestickter Schleppe mit Band und Stern des höchsten preußischen Ordens, mit den großen Kronbrillanten in Collier und Diadem und dem langen weißen Schleier. Von den Damen stand dem Thron zunächst die Prinzessin Heinrich von Preußen in weißer Toilette mit Schleppe aus Silberbrokat, Brillanten und Perlen im Collier und im Diadem aus dem schönen blonden Haar. Die Erb- Prinzessin von Meiningen strahlte in einer überaus kostbaren Toilette aus rosa Sammet mit entzückender Silberstickerei, als Schmuck ein wunderbares Brillantdiadem, ein großes Collier aus Perlen und Brillanten und Broschen aus denselben Edel­steinen. Die Schwester, Prinzessin Victoria zu Schaumburg- Lippe, war in eine Robe von Goldbrokat gehüllt; an der gold­gestickten Taille leuchtete ein frischer Rosenstrauß neben Perlen und Brillanten, die auch das Haar zierten. Die jüngste der Töchter der Kaiserin Friedrich, die selbst der Cour fern geblie­ben war, Prinzessin Margarethe, war ganz in Weiß gekleidet,

Nedaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der

eine Farbe, welche dem sympathischen, immer huldvollen Äus« druck ihrer Züge etwas Feierliches gab. Die Schleppe zeigte eine äußerst reiche und geschmackvolle Goldstickerei, welche auch die Taille und Aermel der Robe zierte. Eine Rivisre von Brillanten umschloß den Hals und ein Brillantendiadem erhob sich aus dem kurz fristrten Haar.

Hnverbesserlich. Bettlerin (diesoeben vierundzwan- zig Stunden Arrest als Strafe für Betteln erhalten):Euer Gnaden, kaiserlicher Rath, könnte der Arrest nit in a Geld- straf' geändert wer'n?" Richter:Woher wollen Sie denn in diesem Falle das Geld nehmen?" Bettlerin:No mein! Das thät t schon so nach und nach z'sammenbetteln, Herr Rath!" __________

Literarisches

Der Winter ist mit voller Macht in's Land gekommen: der Schnee knirscht unter den Füßen nnd draußen in Wald und Feld ist alles Leben verödet. Die munteren Säuger haben sich nach den schützen­den Häusern gezogen und machen sich unter lebhaftem Gezänk die Bro- samen streitig, welche ihnen von mitleidigen Seelen hingestreut werden. Von den Menschen aber sieht man nur wenige auf den Straßen; >ver es nicht uölhig hat, der bleibt eben lieber daheiiu beim warmen Ofen, anstatt sich der Gefahr ansznsetzen, draußen Nase und Ohren zu erfrieren. Jetzt ist ja recht die Zeit, wo das Familienleben seine schönsten Blütheu e treibt. Eltern und Kinder gruppiren sich in der behaglich durchwärm­ten Stube um beit ruuden Tisch, auf dem die Theernaschine ihre ein« töuige, aber anheimelnde Weise summt, und um die sriebliche Behaglich­keit zu einer vollkommenen zu machen, fehlt nur noch eine gute Lectüre. An solcher ist nun freilich in Deutschlaub kein Mangel, aber es ist nicht etwa nur bei' embarras de richesse, welcher dem Familienvater die Wahl schwer macht. Die Schwierigkeit liegt vor Allem darin, etwas zu finden, was allgemein anregt und jeden Leser znfriedeustellt. Zu solchem Zwecke dürfte Schorcrs Familienblatt in jeder Familie ein gern willkommener Gast sein. In einemSie" betitelten Roman von E. Sielt), mit dem der neue Jahrgang beginnt, entwirft die geistvolle Verfasserin in frischen kecken Zügen eine Anzahl Frauentypen ans den verschieden­sten Gesellschaftskreisen, denen das traurige Loos zugefallen ist, ihre Männer ernähren zu müssen. Der in den ersten Fortsetzungen vor­liegende Roman verspricht einen ungemein fesselnden, anziehenden Ver­laus zu nehmen. Auch sonst läßt sich bei dem feit einiger Zeit unter der Rebacüon von Emil Peschkan stehenden Familienblatt sowohl in literarischer wie in künstlerischer Beziehung unverkennbar ein sehr erfreu­licher Aufschwung constatiren.

Gedenket der hungernden Vögel!

Verschneit, verweht ist Wald und Feld, Wehklagend ist der Vögel Lied, Der Winter hat sich eingestellt, Ein kalter Wind das Land durchzieht.

Der Staar, die Ammer und der Fink, Die Meise, Amsel und die Lerchen: Das Köpfchen allen traurig hing, Und nirgends Schutz, wo sie sich bergen.

Sie flogen hin zu Dorf und Stadt, Die liebe, munt're Vogelschaar, Und bitten halb erfroren und matt Euch um das Futter immerdar.

O streut uns doch ein kleines Plätzchen Im Garten, Hof, vor'm Fensterbrett;

Wir bitten nicht um Zuckerplätzchen, Nur Körner, Brod und etwas Fett.

Wie wollen wir im Frühjahr schon, Wenn Alles keimt und lebet wieder, Euch doppelt gelten Euren Lohn Und singen Euch die schönsten Lieder!

Louis Rolofs.

rühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.