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„O nein; er schreibt, er könne den Anblick der Heimath nicht ertragen- Wenn er nun meinethalben zurückkehrte und es ein Unglück gäbe, könnte ich mir das nimmer vergeben. Geduld muß hier das Losungswort fein."
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Rathschläge für Heizung mit Steinkohle«. Im October 1891 hat die Stadtverwaltung von Chemnitz nach dem Hannov. Gewerbeblatt Vorschriften bezw. Rathschläge für die Feuerung von Zimmeröfen und Küchenherden erlassen, welche im Verein mit den für Kesselfeuerung erlassenen Vorschriften einen guten Erfolg erzielt haben. Dieselben lauten: 1- Vor der Etnsührung von Brennstoffen in den Feuerraum sind alle Rückwände zu entfernen. 2. Der Aschenraum muß rein fein und auch während des Feuers entleert werden, wenn er bis zur Hälfte geteert ist. 3. Die Kohlen sollen auf Hühnereigröße verkleinert und trocken in den Feuerraum eingebracht werden. 4. Beim Feueranmachen ist der hintere Theil des Rostes (etwa zu zwei Drittel) mit Brennstoffen zu bedecken. Das zur Entzündung bestimmte Holz und dergleichen ist vor die Kohlen zu legen, soll trocken und zerkleinert fein. Die Feuerthür ist nach dem Anzünden des Holzes rasch zu schließen. Auf die Entwickelung und Erhaltung einer stetigen, lebhaften Flammenbildung ist zu achten, da sonst die aus den Brennstoffen entwickelten Gase un» ausgenutzt entweichen und Rauch wie Ruß verursachen- 6. Sind die Kohlen in guten Brand gerathen, so sind dieselben gleichmäßig aus der Roste auszubreiten. Die zur Erhaltung des Feuers nöthige Luft ist vorwiegend von unten her in die Brennstoffe einzuleiten; die richtige Regelung des Luftzutritts ist das Wesentlichste zur Erzielung einer guten und sparsamsten Verbrennung. Zu viel Lust oder Luftzutritt von solcher Seite kühlt den Feuer raum ab, verhindert eine rauchlose Verbrennung und vertheuert die Feuerung.
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Wie muß ein Schuh beschaffen sein, damit man gut darin gehen kann? Mf diese Frage giebt der Hausdoctor, eine Wochenschrift für naturgemäße Lebens^ und Heilweise, folgende namentlich für unsere Schuhmacher beob- achtenswerthe Antwort:),,Er muß nach dem Fuße gearbeitet sein." Das geschieht aber unter Beobacht ung einer ganzen Reihe von Einzelpunkten, welche sind: 1) Die Brandsohle darf nicht schmäler sein als die Fußsohle, die man von dem auf ein Papier gestellten Fuß abgezeichnet hat- 2) Die äußere Sohle muß rechts und links noch etwa 1/2 Zentimeter breiter sein als die Brandsohle- 3) Der Schuh muß für jeden Erwachsenen 2 Zentimeter länger sein als die Fußabzeichnung. 4) Der Schuh darf an der Spitze nicht schmäler sein als der Fuß. Die Fußspitze darf kaum merklich schmäler sein als die Ballenstelle, damit die Zehen bequem Platz haben, wodurch dem Entstehen von Hühneraugen vorgebeugt wird. 5) Neber dem Ballen und den Zehen muß der Schuh ebenfalls genügend Raum bieten, damit sich Bänder und Gelenke bewegen können. 6) Am Rist („Reuen") und in der Ferse muß er gut anschließen, weil hier?.bie Bänder und Gelenke sich nicht dehnen. 7) Der Schuh darf nur einen niederen breiten Absatz haben. 8) Sein Oberleder muß ganz weich sein, das Innere des Schuhes vollständig glatt. 9) Der Fuß braucht einen rechten oder einen linken Schuh viel nöthiger als die Hand einen rechten oder linken Handschuh (damit ist das vielfach übliche „Umwechseln" der Kinderschuhe verworfen) und hat das tägliche Waschen so nothwendig als das Gesicht. 10) In einem Schuh oder Stiefel, welcher keinen Lustzugang zum Fuße gestattet, wird man sich niemals wohl befinden. Der tief ausgeschnittene Schuh ober ein Stiefel zum Schnüren ist deshalb allem Modeschuhwerk vorzuziehen. „Das sind die 10 Gebote gesunder Füße."
Gedünstetes Weinkraut. Man entfernt von mehreren schönen Weißkohlköpfen die äußeren harten Blätter, schneidet jeden Kopf in vier Th eile, löst die Strünke und starken Blattrippen aus und blanchirt nur den Kohl in Salzwafser 5 Minu. ten, um ihn darauf abtropfen zu taffen. In einem genügend großen Topf zerläßt man halb Butter und halb Gänsefett, fügt % Liter Weißwein, 3 Löffel Zucker, 1 Taffe kräftige Bouillon aus Liebigs Fleischextract, Salz, einige zerschnittene Aepfel und Weinbeeren und dünstet hierin, nachdem der Kohl nudelartig zerschnitten wurde, das Kraut langsam weich, wobei man, wem es nöthig scheint, hin und wieder etwas Wein nachgießt. Man kocht zuletzt eine rohgeriebene Kartoffel noch 10 Minuten mit dem Kraut und richtet es dann möglichst umgehend an. Tier Weinkraut ist von tMlichem Wohlgeschmack, ein vorzüglicher Ersatz für Sauerkraut, wenn dieses noch nicht genügend durchsäuert ist; auch kann es im Winter die Stelle von Sauerkraut vertreten, wenn empfindlichen Magen dieses nicht zuträglich ist.
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Kartoffelkuchen. Aus 1 Kilozr. geriebenen gekochten Kartoffeln, Vr Kilogr. Mehl, etwas Salz, 250 Gramm Butter, 125 Gramm Zucker, 4 Eiern, 50 Gramm Hefe und etwas guter Milch knete man einen festen Teig und taffe denselben an einem kühlen Orte einen Tag stehen. Nach dieser Zeit treibe man daraus drei dünne Kuchen auf, die man mit dem Kuchenrädchen in beliebig schräge Stückchen abtheilt, doch ja nicht zerschneidet. Hat man die Kuchen nun reichlich mit zerlassener Butter bestrichen, so werden sie, in der Röhre hochgestellt, 20-25 Minuten gebacken, dann mit Zucker und Zimmet bestreut und so am liebsten warm gegeffen.
Vermischtes.
Einen guten Fuhrmannswitz bringen die „Basl. Rachr." herbei. Fremder: „Was kostet die Fahrt nach Inter- laten?" - Kutscher: „Zwanzig FrankenI" - Fremder: „Aber Bädecker sagt doch zwölf Franken?" — Kutscher: „He nu, so lähnd Eu vom Bädeker fahre I"
Um jeden Preis. „Bauer, warum läufst denn barfuß im Schnee herum?" — „Ja, wissen’s, mei Alte gibt nur dann ’n Schnaps, wenn r’.Leibweh hab'I"
Scherzfragen. 1) Welche Aehnlichkeit haben Studenten und Krebse? Beide kneipen gern- - 2) Welche Aehnlichkeit hat die Schiefertafel mit der Ehe? Junge Mädchen rechnen darauf.
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Zu viel verlangt! Profeffor: „Wissen Sie nicht, daß Sie mich zu grüßen haben?!" - Schüler: „Verzeihen Sie, ich bin kurzsichtig!" — Profeffor: „Dann hätten Sie einfach näher lammen sollen!"
Wohlmeinend. Schriftsteller: „Was soll ich nun „mit meinem zurückgewiesenen fünfactigen Drama anfangen ?" — Kritiker: „Machen Sie einen „Gedankensplitter" daraus!"
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Aberglaube. „Unser Freund Oskar ist ein furchbar abergläubischer Mensch!" - „Wieso?" - „Na, gestern wollte er mir nicht 20 Mark borgen, weil Freitag war I"
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Nobel. Verkäufer: „ Sie wünschen eine Roßhaarmatratze?" — Kommerzienrath: „Ja, aber nur von Vollblut-Pferden, wenn ich bitten darf!"
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Hyperbel. Gast (der in einem Gasthof einen Knödel serviert erhält, aus welchem zu seinem Entsetzen ein kleines Härchen ragt): „Jean, lassen Sie doch den Knödel lieber noch mal rasieren!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


