Ausgabe 
25.7.1893
 
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und Lebensfrische die Sticknadel und der Häkelhaken, diese scheinbar so harmlosen Instrumente, bereits gemordet haben I Wir bedauern mit Recht die arme Näherin, die tagaus, tag» ein über ihre Arbeit sich bücken muß, finden es aber ganz in der Ordnung, daß auch die Frauen, die kein hartes Muß dazu treibt, dem Moloch Nähnadel ihre besten Kräfte opfern, indem sie Luxus-Arbeiten, die zum Mindesten entbehrlich sind, in endloser Reihe verfertigen. Von Generation zu Generation wird unsere besser situirte Frauenwelt schwächer; die Muskeln werden immer schlaffer, die Entbindungen immer gefährlicher. Die Kinder, welche solche Frauen zur Welt bringen, sindgar so sehr zart".Ein Hauch schon kann sie tödten," und ihr Leben lang lernen sie nicht kennen, was es heißt, gesund, wirklich ge­sund zu sein. Schon Jean Paul klagt darüber, daß die Mäd­chen so seßhaft sind.

Ja freilich, man zieht sie ja zur Seßhaftigkeit, zur Un­natur, d. h. also zum Kranksein. Ein Mädchen muß immer hübsch ruhig sein, heißt es, darf nicht laut rufen, laut singen oder lachen, darf auf der Straße nicht springen und laufen. Am paffendsten ist es für ein kleines Mädchen, wenn es mit seinem Strickzeuge recht still in der Stube sitzt, wobei es häufig die nicht immer menschenfreundlichen Gespräche der Alten be­lauscht selbst schon eine kleine alte Frau, ehe es noch Kind war. Wir sollen die Kinder wohl frühzeitig die Arbeit lehren, aber wir dürfen auch nicht vergessen, daß sie einen Körper haben und daß dieser Körper sich empört, wenn er vernach­lässigt wird. Auch die größten Geschicklichkeiten und die feinsten Manieren sind kein Ersatz für mangelnde Gesundheit.

Darum, Ihr Eltern, wenn Ihr dafür sorgt, daß Eure Söhne sich kräftig entwickeln, vergeßt auch nicht Euer kleines Mädchen. Glaubt mir, das liebe Kind verdient's, daß man ihm ganz dieselben Vortheile zuwendet, die seine Brüder ge­nießen- Turnen, Rudern, Schlittschuhlaufen, Wandern bringt frischen Lebensodem in die weibliche Brust so gut wie in die männliche. Macht es dem Kinde auch klar, daß nützliche körper­liche Arbeit sür Niemand eine Schande ist, sondern das Gegen« the.l. Das rührige Schaffen in Haus, Garten und Feld gibt rothe Backen, runde Arme und süßen Schlaf. Aus einem so erzogenen Mädchen wird nimmermehr ein Fräulein X., das gar nicht weiß, ob es Muskeln besitzt und das sich vor seinen Standesgenoffen schämt,Dienstmädchenarbeit" zu thun, d. h. zu tragen, zu heben, zu graben und zu Harken. Wir aber, die wir aus einer Zeit stammen, wo man es naiverweise für überflüssig hielt, den jugendlichen weiblichen Körper zu kräf­tigen, dürfen nicht denken, daß es nun schon zu spät ist, etwas in dem Sinne zu thun. Ich meine hier besonders Diejenigen, deren Beruf sie zwingt, eine sitzende Lebensweise zu führen, seien sie nun Künstlerinnen, Studirende oder Handarbeiterinnen- Etwas Gelegenheit zur Muskelarbeit findet vielleicht Jede, wenn nicht, so muß sie turnen, denn das Turnen beschäftigt mehr noch, als die ost einzelne Glieder einseitig anspannende Körper­arbeit jede Muskel, regelt den Blutumlauf, vertieft die Athem« züge, macht die Füße warm und den Kopf klar- Es ist er­staunlich, wie wenig bekannt und anerkannt der Nutzen des Turnens noch in Frauenkreisen ist. Wenn ich solchen, die an kalten Füßen, Frösteln und ähnlichen Plagen litten, gymnastische Hebungen anrieth, antworteten sie mir mit ungläubigem Lächeln: Was soll denn das nützen?" Und doch könnte sich Jede leicht selbst überzeugen.

Ich empfehle nun unseren Seßhaften, sich ein Büchlein über Zimmergymnastik anzuschaffen oder sich von einer kundigen Person eine Anzahl Hebungen zeigen zu lassen, eine für jedes Glied, also für Arme, Beine, Hände, Füße, Hals, Unterleib, Schultern. Ganz besonders mache ich auf das Stabturnen aufmerksam. Jeder Stab, welcher die gehörige Länge hat, im Nothfall auch ein Regenschirm, kann dazu dienen. Man macht die Hebungen im Freien oder am offenen Fenster und athmet nach jeder Hebung ein paar Mal lies und ruhig ein und aus. Selbstverständlich darf das Turnen nicht bis zur Ueberntübung betrieben werden; es würde sonst schaden, statt zu nützen-

I Er widert mir Eine:Zu Dergleichen habe ich keine Zeit,"

so antworte ich:Dazu muß sich Zeit finden; denn wer keine Zeit hat, gesund zu bleiben, muß später Zeit haben, krank zu , sein." Darum, Ihr Frauen: Frisch, fromm, fröhlich, frei! Und möchte es der Seßhaften in unserem Geschlecht immer weniger geben! (Nordd. A. Ztg.)

Gemeinnütziges«

Russisches Mittel gegen Motten im Pelzwerk.

In starken Spiritus wirft man eine Handvoll Kampfer und die zerkleinerte Schale von spanischem Pfeffer oder kleingestoßene Koloquinten, läßt das Ganze einige Tage in der Ofen- oder Sonnenwärme stehen, bis der Kampfer sich aufgelöst hat, wo­rauf die Flüssigkeit durchgeseiht wird. Man bespritzt mit der­selben das Pelzwerk recht regelmäßig, wickelt es fest zusammen und schlägt es darauf in neuen Shirting oder feste Leinwand ein- Auf diese Art kann man Pelzwerk Jahre lang auf­bewahren, ohne daß sich Motten darin einfinden. Dieses Mittel ist in Rußland allgemein unter dem Namendie chinesische Mottentinctur" in Anwendung und wird dort als Geheimniß der Pelzhändler betrachtet.

Ein Kitt, der im Wasser und Feuer aushält und deshalb für Metall, Porzellan und irdenes Geschirr an­wendbar ist, wird folgendermaßen bereitet: Man läßt 2 Pfund süße Milch durch Weinessig dünne gerinnen. Sobald die Milch abgekühlt ist, nimmt man die Molke davon und quirlt das Weiße von vier Eiern hinein; hierauf mischt man fein pul* verisirten ungelöschten Kalk hinzu und arbeitet die Mischung mit einem Spatel recht innig durch. Statt des Eiweißes kann auch frisches Rinderblut dienen. An der Luft und dann in starker Wärme getrocknet, hält dieser Kitt Feuer und Wasser aus.

Plüschteppiche reinigt man sehr leicht, wenn man dir- selben, nachdem man sie gut ausgeklopft, auf der Erde aus­breitet und mit einigen Händen voll gut ausgedrücktem frischen Sauerkraut abreibt. Es wird nicht nur der Staub hinweg­genommen, sondern sämmtliche Farben erhalten ein frisches Aussehen.

Vermischtes.

Hntrüglicher Beweis. Frau:Aber liebes Männ­chen, ich glaube gar, Du hast einen kleinen Schwipps! - Siehst Du denn rechts den Thurm noch?" Mann:Was Du denkst liebe Clara werde ich den Thurm nicht mehr sehen!? Ich sehe sogar zwei Thürme!"

*

Ein Danaergeschenk. Braut:Denke Dir, Papa will mir als Mitgift auch ein Clavier schenken!" Bräutigam (ärgerlich):Ich begreife gar nicht, was der Mann nun eigentlich immer gegen mich hat!" *

Abgeschreckt.Na, Du hast kein Verhältniß mehr mit der Kathi? Ich hab' gedacht, Du heirathest sie!" Nein! Die hab' ich einmal Teppiche ausklopfen seh'n da ist mir die Lust vergangen."

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Privatier Bäuchle:Ah! Das Essen schmeckt Einem halt doch ganz anders, wenn man weiß, daß man was Ordentliches geleistet hat!" Frau Bäuchle:Ja, was hast Du denn heut' so Außerordentliches gethan?" Herr Bäuchle:Ge­wählt hab' ich!"

Rsdaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen-