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abzuwarten.
Bernhard Rodewaldt fühlte sich durch diese neue In-
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Stunde später das gefüllte Glas entgegenhielt, um auf un-
„Ja, Elfriede, meine Lehrmeisterin sollen Sie werden, doch nicht in der Kunst des Tanzens allein, sondern noch viel mehr in der Kunst, glücklich zu sein - meine Lehrmeisterin und mein guter Kamerad, — die heißgeliebte Gefährtin meines ganzen künftigen Lebens!"
Noch ehe sie Beide so recht wußten, wie es geschehen war, hielt er die schlanke Gestalt in seinen Armen und fühlte den Schlag ihres stürmisch pochenden Herzens an seiner Brust. Ihre Lippen begegneten sich im ersten heißen Kuffe und für einen Moment hatten sie den Ort, an welchem sie sich befanden, ebenso vollständig vergeffen, als die ganze übrige Welt.
Da schreckte eine wohlbekannte Stimme, die unmittelbar neben ihnen laut wurde, sie aus ihrer seligen Selbstvergessenheit empor. Doctor Ernst Hallenstein war es, der den kleinen Erker betreten hatte und über die Bedeutung der Situation, in welcher er die Beiden gefunden, natürlich nicht lange hatte in Zweifel bleiben können.
Fräulein X wird mit der Zeit nervös, unterleibs- lerdend u. f. w. Ihre Gesichtsfarbe wird fahl, ihre Brust emgesunken; sie leidet an Kopfschmerzen, auch ihre Augen sind gar nicht so gesund, wie sie sein sollten. Dabei wird weiter gehakelt und weiter gestickt. Es wäre doch eine rechte Faulenzerei, die Hände einmal ruhen zu lassen und statt dessen die Fuße in Thätigkeit zu setzen, d. h. einen weiteren Spaziergang zu machen. Tüchtig in Haus oder Garten, auf Feld und Acker zu arbeiten, das schickt sich nun schon gar nicht: dazu ,st auch das Dienstmädchen da. O, dieses kerngesunde Dienst- Mädchen! Fräulein X beneidet es fast. Aber so kräftig und blühend könnte unsere fleißige Stickerin auch sein. Die Natur beabsichtigte nicht, aus ihr ein schwächliches, bleichsüchtiges, nervöses Geschöpf, sondern sie stark, blühend und regsam' zu machtti. Wann wird die Zeit kommen, wo man endlich ganz begriffen haben wird, daß das weibliche Geschlecht seine Körper- kräste ebenso systematisch ausbilden muß, wie das männliche?
Aber Kraft am weiblichen Geschlecht ist ja nicht schön, nicht anmuthig, nicht „ächt weiblich" I werden die Verehrer des Altgewohnten einwenden. O doch! Die Spartanerinnen, deren Körperkräfte man nicht, wie bei den modernen Frauen, verkommen ließ, waren die schönsten Frauen der Welt- Schön ist der Mensch, der alle seine Kräfte harmonisch entwickelt hat. Das Krankhafte kann nur einem verdorbenen Geschmack ge« fallen, und schwach und krank gehört ja eigentlich immer zusammen. Ich sah einmal ein Landmädchen Heu von einem Wagen laden. Sie stand oben drauf; kräftig stieß sie die Gabel in das Heu und in mächtigem Schwünge warf sie es hinab. Welch' prächtige Gestalt! Eine verschnürte Stadtdame neben sie gestellt, hätte sich gar kläglich ausgenommen!
Wenn man nur erst dahinter käme, wie viel Gesundheit
„Wahrhaftig, das nenne ich eine angenehme Neuigkeit!" rief er aus. „Viel tausend herzliche Glückwünsche, mein lieber Herr Schwager in spei Ich hoffe, wir werden von nun an erst recht die allerbesten Freunde werden!"
Es war wohl begreiflich, daß Bernhard Rodewaldt durch diese Art der Beglückwünschung mehr peinlich als angenehm berührt wurde; aber er fand sich in die Situation wie ein Mann von guter Erziehung, erwiderte den Händedruck des jungen Arztes und reichte dann Elfriede den Arm, um sie ihrem Vater zuzuführen.
Gewiß hätten die beiden Liebenden ihr beglückendes Ge- heimniß gern noch eine Weile für sich selbst behalten; nach der plumpen Einmischung des Doctors aber schien ein solcher Verschweigen nicht mehr möglich und der Staatsanwalt hielt es für seine Pflicht, noch in dieser Nacht bei dem Gymnasial- drrector um die Hand seiner Tochter anzuhalten. Der Professor schien wohl ein wenig überrascht, aber seine Ueberraschunq war von durchaus freudiger Art, und da er nicht nur den ehrenwerthen Character des jungen Mannes zur Genüge kannte, sondern auch hinreichend darüber unterrichtet war, daß seine Vermögensverhältniffe durchaus geordnete seien, hatte er keine Veranlassung, dem glücklichen jungen Paare seine Einwilligung vorzuenthalten. Noch hielt er die Hand Rodewaldts in der InSÄ fpM(äLin °twas bewegter Stimmung auf ihn ein, ®HmÄbeT nähere Freunde des Hauses sich der kleinen Gruppe näherten, um ihre wohlgemeinten Glückwünsche zu dem eben geschlossenen Herzensbündniß anzubringen. Es war also kem Zweifel, daß Ernst Hallenstein sich beeilt haben mußte, die Kunde davon unter der Hand in der Gesellschaft zu ver-
Etwas über die Seßhaftigkeit der weiblichen Jugend.
Schon seit ein paar Stunden sitzt Fräulein X. über einer fernen Handarbeit, den Kopf gesenkt, Brust sowohl wie Unterleib zusammengepreßt, die Augen angestrengt auf die Arbeit geheftet. Sie athmet kaum, denn was sollte sie zu einem tiefen Athemzuge veranlassen? Sind es ja doch nur ihre Finger und ihre Augen, die thätig, allerdings angestrengt thätig sind. Fraulein X. ist ein sehr fleißiges Mädchen. Alle ihre weiblichen Bekannten bewundern ihren Fleiß. -Sie hat bereits ganze Kasten voll der feinsten Stickereien und Häkeleien, die fte selbst angefertigt. Zwar weiß sie noch nicht, wann und wozu sie das Alles einmal gebrauchen wird, aber für „Dergleichen findet man ja immer Verwendung", auch sind so"viele Tanten und Cousinen zu Weihnachten und zu den Geburtstagen zu beschenken. Am Nachmittag geht Fräulein X in einen Damenkaffee. In jedem Damenkaffee werden Häkelspitzen bewundert und Häkelpröbchen ausgetauscht, und zum Ehrgeiz
MS | sÄ'aa'Äi L- s I traulich aus die Schulter.
„Ich suchte Sie überall, Herr Staatsanwalt,« sagte sie I breiten, ohne erst eine bestimmte Erklärung des Staatsanwalt« mit leisem Vorwurf. Warum sondern Sie sich so beharrlich oder eine Bekanntgabe des Verlöbniffes durch seftrenffe
aus der Gesellschaft ab? Wollen Sie denn gar nicht tanzen?" abzuwarten. ' n ^ater
. »Nein, Fräulein Elfriede," sagte er freimüthig, „ich muß Bernhard Rodewaldt fühlte sich durch diese neue ^n- mir dies Vergnügen leider versagen; denn ich habe in meiner biscretion auf das Tiefste verletzt und wenn überbauvt iraend Jugend niemals die Zeit gefunden das Tanzen zu erlernen etwas seine überschwänglicheGlücksstimmuna «bW-ZL Md tt« ich d»,u d-m doch wo6l Bereit« ,u alt." »erimcht hätte, fo märe e« diele jSfflSg
„Äc^, wie schade! erwiderte sie mit aufrichtigem Be- I künftigen Schwagers gewesen. Aber er mar hnrA
^ueJn; »®8r ist wirklich ein sehr hübsches Vergnügen und I nicht in der Stimmung, dem Doctor seine Ungeschicklichkeit es thut mir leid, daß es Ihnen so ganz entgehen soll. Was lange nachzutragen, und als der Bruder Elfriedens ihm eine h.>aWh»n ^tsr anbetrlfft, so überschätzen Sie die Würde Stunde später das gefüllte Glas entgegenhielt, um auf un- ha8 eto t?-eni8‘ ich Ihnen verbrüchliche Freundschaft, die auch die därteste Probe besteben
demnächst einmlA eine Lectton ertheile? Ich glaube, daß ich solle, mit ihm anzustoßen, da zögerte er nicht, ihm Bescheid ,u eme ganz gute Lehrmerstttin abgeben würde." thun und den Druck seiner Hand kräftig zu erwidern.
In der allerliebsten Schelmerei, die ihr hell aus den Augen sRortiekuna iolat 1
blitzte, sah sie so reizend aus, daß der Staatsanwalt, dessen ».Fortsetzung folgt.)
Gedanken sich während der letzten halben Stunde ja nur mit ____________
ihr allein beschäftigt hatten, der Versuchung, die ihn mächtig überkam, nicht länger zu widerstehen vermochte. Er erfaßte ihre beiden Hände und zog die kaum Widerstrebende näher zu sich heran.


