nicht liebliche Stimme, die abstoßend wir«; im Uebngen stellt sich der edle Birkhahn in seinem eng anliegenden, glänzend schwarzen Federkletde, dem geteilten kühn leierförmig ge­schwungenen Stoß und den weißen Decksedern wie ein echter Kreier im Frack dar, und nur die rothen Hörnchen, welche wohl die Stelle des im Walde nicht gebräuchlichem Claque vertreten, bilden einen ominösen Hochzeitsschmuck. Jndeß spaßen läßt der gestrenge Herr mit sich nicht. Mit einem Male hält er in seinem Zischen inne, reckt den Kragen und scheint angestrengt einem fernen Laut zu lauschen, der wie ein dumpfer Trommelwirbel klingt- Doch noch einmal, das ist zu arg. Wüthend springt er mit fächerförmig ausge- breitstem Spiel meterhoch in die Luft, dreht sich, den Boden wieder berührend, wie toll im Kreise, schreitet dann mit Hangen­den Schwingen stolz im Haidekraute umher, springt abermals zischend empor, sträubt das Gefteder und psaucht dazu, so daß nur noch Funkenregen und Schwefelduft fehlen würde, um den Satan voll zu machen- Eine Birkhenne streicht inzwischen heran und läßt sich, natürlich ganz von ungefähr und sehr züchtig thuend, bei dem Tobenden nieder, und nun beginnt zwischen diesem und seinem am jenseitigen Ende des Haues balzenden Rivalen, beim ein solcher war es, der früher als Aufruf zum Kampfe den dumpfen Trommelwirbel schlug, ein förmlicher Sängerkrieg, der freilich gar bald durch andere Waffen als die des Liedes zum Abschluß kommt. Immer näher trippelt die Holde, als ob sie nach Aesung ober sonst etwas suchte, immer wilder, von dämonischer Leidenschaft er­faßt, umkreist sie der begehrliche Freier, da ändert sich die Situation mit einem Schlage. Der Rivale schwirrt heran, läßt sich zehn Schritte von seinem Gegner nieder und beginnt hier, angesichts ver sich scheu duckenden Schönen und ihres herrischen Buhlers, seinen Minnesang. Das ist zu viel. Rur einen Augenblick fixirt der Platzhahn den frechen Eindringling, wobei seine Hörnchen zu sörmlichen Hörnern anschwellen, dann springt er, wuthentbrannt pfauchend, mannshoch empor und wirft sich, wuchtige Schwingen- und Schnabelhiebe austheilend, auf ihn. Der bleibt die Antwort auf solch' rauhen Empfang nicht schuldig, denn er fühlt sich als der Stärkere, - vielleicht auch als Schirmer und Retter der bedrängten Unschuld. Hart ist der Straub, aber kurz; denn während hier die Federn fliegen, sprüht plötzlich eine Feuergarbe aus dem nahen Fichten» horst auf und ächzend sinkt der Rivale int Augenblicke, wo der Sieg ihm sicher schien, unter dem verhallendem Echo des Schufles zu Boden. Gespenstig schnell ist der zweite Hahn mit der Henne von der Wahlstatt verschwunden, und der Ster­bende liegt allein, verlaffeu im Brautbette von thaufrischer Haide. Warum er, der Sieger? Die Natur kennt noch kein anderes Recht, als das des Stärkern; warum holt sich der Schwächere nun den Lohn, dem jener sein Herzblut geopfert? Ein Mensch hat in den Kampf eingegriffen; er hat ja das Vorrecht, die Gesetze der Natur verachten zu dürfen, bei sich und Anderen.

Ganz anders, wenngleich nicht minder heftig, wirbt und singt der mächtige Auerhahn im Dämmerlicht des anbrechenden Morgens um die Minne; hoch aus dem Geäste der dicht be­mäntelten Fichte tönt sein eigenartiger Balzgesang, ein Liebes- unv ein Kampflied zu gleicher Zeit. Auch er muß sich die Gattenrechte erstreiten, und mehr als sein schmucker Vetter, der Birkhahn, vergißt er dabei die nöthige Vorsicht. Von jenem sagt eine alte Jägerregel nicht umsonst, daß er auf jeder Feder ein stets offenes Auge, auf jedem Kiel ein stets wachsames Ohr trage, er aber sieht und hört im Augenblicke des Balzens nichts und gilt daher trotz seiner imposanten Erscheinung für den echten Jäger als eine geringere, weil leichter zu erringende Trophäe. Darum heißt es int Hochland:

Vom Schildhoan b* krumb' Federln, Von mei* Dirndl an Schmatz I

Wenn die Sonne die Nebelschleier zerreist und mit siegen­der Gewalt ein Meer von Licht über Wald und Flur hin-

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krönten läßt, aus Baum und Strauch, von der Erde und hoch aus den Lüften mit nicht endenden Jubelliedern begrüßt, da bleibt keine Spur mehr von dem, was sich im Dunkel der Nacht, int Schimmer des Morgensterns vollzogen; der Kampf ruht, Licht und Frieden herrschen ringsum.

Der Wald ist ein aufgeschlagenes Buch, aus dem der eifrige Schüler Vieles für das ganze Leben zu lernen vermag. Vieles was ihm sonst das Schicksal in nicht immer ganz zarter und liebevoller Weise, sondern weit öfter mit recht ausgiebigen, derben Pfüffen beibringt; unter Anderem die in unserer Zeit wieder für immer weitere Kreise Gültigkeit gewinnende That- sache, daßkeine Liebe ohne Kampf" sei, wenngleich wir Menschen denselben nicht mit Schnabelhieben und Aehnlichen zu führen haben. Er lehrt ferner namentlich dem weiblichen Ge­schlecht, daß in erster Reihe nicht der des Preises werth sei, der seine Gefühle am schönsten durch Geberden und Lieder zum Ausdruck zu bringen weiß, sondern der, der sie nöthigen- falls mit Todesmuth gegen fremde Uebergriffe zu schirmen bereit ist und gerne sein Leben in die Wagschale wirft, wenn es gilt, sich der verheißenen Wonne würdig zu erweisen. Er lehrt endlich, - aber nein, diese Aufschlüffe möge sich, um mir eventuelle Jndiscretionen zu ersparen, mein geneigter Leser lieber selbst aus dem ehrwürdigen alten Buche holen, das, so oft man es durchblättert, in unerschöpflicher Fülle ewig neue, reiche Schätze bietet; Schätze, die Herz und Geist veredeln und in schweren Stunden manchen anderwärts umsonst gesuchten Trost spenden.

Du bist mir Lehrer, Tröster und Freund, Bist meine Heirnath, meine Kirche, Du brausender, flüsternder, tiefstiller WaldI"

Verinischtes.

Gemüthlich. Erster Gerichtsvollzieher:Du kommst wohl iöon den beiden Studenten? Was. hast Du denn aus- gerichtet?" Zweiter Gerichtsvollzieher:Fünf Mark fünfzig Pfennige hab' ich im Skaten sie ^verloren!"

Zweierlei. Dame (zum neuen Dienstmädchen) :J4 bitte Sie, mir nur immer die Wahrheit zu sagen!" Dienst­mädchen:Und ich, gnädige Frau, bitte, mir nur ja Niemals die Wahrheit zu sagen!" * ,

Uebertrumpft.So etwa» gibt's bei @1$ bod) nicht!" sagt ein Deutscher zu einem Amerikaner.Wir haben eine Kirche gebaut, bie so lang ist, baß man vorn Portal bis zur Kanzel eine halbe Stunde braucht!"Das ist noch gar nichts," entgegnete der Amerikaner,wir haben eine Kirche, da wird der Knabe durch das Ostportal zur Taufe getragen und beim Westportal kommt er als Minister mit feiner zweiten Frau heraus!" # #

Vorsichtig. Diener des jungen Arztes in die Kneipe eilend:Herr Doctor, kommen Sie schnell nach Haus' er ist ein Patient da!" (Leise):Ich habe das Wartezimmer ab- geschloffen, daß er nicht wieder 'raus kann!"

Kolossaler Fortschritt. Der Sohn der Wimmerl Bäuerin studirt schon fünf Jahre. Auf die Frage, wie es ihrem Sohn geht, sagt sie:Ja gut er ist schon so weit, daß er Augenglas'n tragen darf!", ,

Besser verwendet.Sakra," rüst der Michel, wie er einen Strafbefehl wegen groben Unfugs erhält,wegen dem Bißl Bier, dös i dem Hansl in's G'sicht g'fchütt't hob, soll i' iatzt sieben Mark dreiß'g Pfennig zahl'n! Wann dös » und da Hansl z'erst g'wußt hätt'n, hätt'n ma dös schöne Geld lieber mitananda versoff'n!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.