unserem Städtchen/
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früherer Zeit kam doch noch gewissermaßen allein durch einen solchen Mikro-Organismus zu Stande, und ebenso verdanken wir einem andern den Wein, den Sorgenbrecher der Menschheit. Die verschiedenen Umwandlungsprozesse, welche die Milch durchmacht, um unserm Gaumen mundgerecht zu werden, sind durch einen Bacillus bewirkt, Sauerkraut, das Nationalgericht des Deutschen, und saure Gurken, jenes ebenso übel beleumdetes wie gern genossenes Compot, verdanken wir einem ferneren Kleinwesen. Unter den jetzt so vielgeschmähten Organismen, welche so entscheidend auf das Dafein des Menschen einwirken, finden sich also auch genug, welche sich als sehr nützlich bewährt haben; wie jene insgeheim die unerbittlichen Feinde — so verdienen diese mit ebenso entschiedenem Recht die Freunde des Menschen genannt zu werden.
berüchtigte Komma-Bacillus - eben jener, der augenblicklich I die entsetzliche Seuche, die menschenmordende Cholera über die deutschen Lande gebracht hat. Auch ihn kennen wir, ohne ihm beikommen zu können, und die Franzosen haben so Unrecht nicht, wenn sie in einer Anhauchung von Chauvinismus den Vers ersonnen:
„Professeur contre Professeur, Koch contre Pasteur.
Chaque Docteur dit le contraire, Un autre remede ä chaque heure! . . . C’est pourquoi il ne faut pas avoir peur, Je n’arrive plus rien que qu’on — meurt.“
Gewiß ist es, daß man jedoch auch diesen unsichtbaren Fein- den des Menschen anderseits eine zu große Bedeutung beilegt. Die Gefahr, welche von ihnen ausgeht, soll keineswegs unterschätzt werden; allein sie droht nicht mit solcher Gewalt, wie furchtsame Gemüther so gern annehmen. Wenn die schädlichen Mikro-Organismen nicht gerade einen zu günstigen Herd für ihr Treiben besitzen oder ihnen gegenüber eine gewisie Zeit zu sorglos verfahren wird, konnte ihre verheerende Thätigkeit bisher immer ifolirt und selbst aus der Welt geschafft werden. Dabei herrscht bei der großen Menge eine ebenso große Furcht vor diesen Kleinwesen wie bei manchem Gelehrten die Sucht, immer neue zu entdecken. Das All ist nachgerade von ihnen bevölkert; wir können nicht mehr effen und trinken, ohne diese unsichtbaren Feinde in unser Inneres gelangen zu lassen; jeder Athem- zug, welchen wir thun, führt eine Zahl derselben in unsere edelsten Organe. Das Geld, welches wir berühren, ist mit Bacterien überwuchert; sie Hausen in dem Mauerwerk, welches unsere Wohnräume umgiebt, in dem Holzgefüge, welches den Schmuck derselben bildet. „Bacterien überall" — so klingt die Losung, welche augenblicklich von der Wiffenschast ausgeht. Daran reihen sich dann allerhand Berechnungen und Schlüsse, die ost die merkwürdigsten Ergebniffe an den Tag bringen.
Ein junger Forscher in Leipzig hat sich jüngst mit dem | Material beschäftigt, welches die Hohlräume zwischen den verschiedenen Stockwerken der modernen Bauten auszusÄen pflegt. Mit starker Lupe bewaffnet, stieß er natürlich auf die unvermeidlichen Bacterien, die in.einem Unrath aus Lumpen, Stroh, Holz, Papier, Kartoffelschalen, Gemüseresten, Haaren Knochen, Asche und Koth, alles gehörig unter einander gemengt und mehr oder minder bereits in Fäulniß übergegangen, ihr schmarotzendes Dasein führen. Allein die Schlüffe, zu welchen der jugendliche Forscher gelangte, waren noch schärfer als das Sehinstrument, dessen er sich zu seinen Untersuchungen bediente. Er fand nämlich heraus, daß der Stickstoffgehalt dieser vorgefundenen organischen Substanzen ebenso groß sei, als wenn dreitausend menschliche Leichname, die in Verwesung übergegangen, unmittelbar unter dem Fußboden, über welchem wir unser Dasein führen, begraben wären. Man denke, was dies sagen will. Danach lebten wir also gewiffermaßen in einem Blockhause, welches hygienisch etwa dem Aufenthalte in einer Todtengruft ähnlich ist. Und die Mikro-Organismen, welche an diesen Substanzen haften und in denselben die Bedingungen für ihr Dasein finden, sind diesen natürlich angemessen — überaus gefährliche, von Verheerungssucht erfüllte Individuen, die im Geheimen einen ewigen Kampf wider den Menschen führen, bis sie ihm den Garaus gemacht haben . .
Nun, dem Himmel sei Dank, so schlimm sieht es denn doch nicht aus! Die Zahlen stehen auf dem Papier, das bekanntlich geduldig ist. Die Schlüsse mögen in der Theorie wichtig fein, aber die Wirklichkeit weiß nichts von ihnen. Jede übertriebene Furcht vor den Bacterien ist einfach lächerlich, und die große Menge verlernt dabei vor Allem, daß es auch deren giebt, welche dem Menschen geradezu nützlich sind. Wir erinnern nur an den Hefepilz, dem wir fo viel verdanken — nicht allein das edle Bräu, welches in den Stunden der Muße die Sorgen von unserm Gemüth verscheucht, sondern selbst das schmackhafte Gebäck, welches eine so wichtige Rolle bei der Ernährung des Menschen spielt. Die gute solide Essigfabrikation
G e m ü t h l i ch. Herr (zu einem Andern, welcher ihm von hinten auf die Fersen getreten hat): „Es ist schon recht, wenn Sie in meine Fußstapfen treten wollen, aber warten Sie mindestens, bis ich hinaus bin."
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Bescheiden. Alter Trinker: „Herr Doctor, ich fühle mich bedeutend besser, nun bitt' ich Sie um Alles in der Welt, erlauben Sie mir endlich eine Flasche Wein." — „Nein, nein, das geht auf keinen Fall!" — „Ach, dann zeigen Sie mir wenigstens mal 'n Pfropfenzieher!"
Herausgeholfen. Herr: „FräuleinClara, es scheint mir das höchste Glück, an Ihrer Seite zu weilen." — Fräu- lein: „Sie könnten dieses Glück ja auf ewig festhalten, wenn Sie ..." — Herr (unterbrechend): „Fräulein Clara, ich sagte zuweilen."
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Uebertrumpft. Städter: „Auf meinem Gute sind die Getreide-Aehren so hoch und voll, daß der Getreidepreis an der Börse plötzlich gesunken ist." — Bauer: „Dös iS was rechtes! Ba mi san die Aehre so lang gewachse, dös mo de Brode net kloaner wie sechs Fueß lang backe kinne."
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Entgegenkommend. Weinreisender: „Aber so kaufen Sie mir doch endlich mal etwas ab, Herr Möller; ich lasse Ihnen, nur um Sie als Kunden zu bekommen, unsere Weine thatsächlich zu — Fabrikpreisen." *
Bauernhumor. Barthel undFlori lassen sich in der Stadt rasiren. Wie der eine von ihnen fertig ist, nimmt ihm der Friseur die Serviette ab und spricht: „Ich danke, mein Herr!" — „Du," sagt der Barthel zum Flori, „wofür hat sich denn der bedankt?" — „Dummer Kerl, für war soll er sich denn bedankt haben? Für die* Borsten!"
Vorsichtig. Hausherr: „Sie da, was befühlen Sie das Treppengeländer so vorsichtig?" — Fremder: „Wollte nur sehen, ob's genügend fest ist, habe den Herrn Studiosus, i der da oben wohnt, nämlich eben in meine Lebensversicherung ausgenommen!"
Vermischtes.
C om m is w itz. Dienstmädchen: „Eine Mausefalle möchte ich haben." — Commis: „Sehr wohl, mein Fräulein- Haben Sie vielleicht das Maß von der Maus bei sich?" — Dienstmädchen : „Herrje, nein!"
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Seltsame Bezeichnung. Fremder: „Sagen Sie mal, Herr Wirth, die beiden Herren dort an dem Tisch sind doch gewiß nicht aus dieser kleinen Stadt.". — Wirth: „Doch, doch, mein Herr! Das sind die beiden oberen Zehntausend in
Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


