Ausgabe 
25.2.1893
 
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Samstag, den 25. Februar.

Nr. 24

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Dämon Gold.

Original - Roman von W. Höffer-

(Fortsetzung).

Der Diener war, als ihn sein Gebieter anredete, gerade im Begriff, die Treppe zu ersteigen; jetzt blieb er mit sonder­bar unruhigem Gesichtsausdruck stehen und dämpfte die Stimme zum Flüstern.

Gnädiger Herr ich glaube' es gibt ein Unglück heute."

Hans Adam sah ihn an.Ein Unglück?" wiederholte er ganz erstaunt.Sprechen Sie deutlich, Fischer."

Der Lakai deutete die Treppen hinab.Unten ist ein Polizist, gnädiger Herr. Er kam in einer Droschke."

Der Baron erschrak unwillkürlich.Wen will der Mann sprechen? Mich?"

Nein das gnädige Fräulein."

So führen Sie ihn nur zunächst in mein Arbeitszimmer."

Der Lakai verschwand und Hans Adam beeilte fich, die Bibliothek zu erreichen; sein Herz schlug voll Unruhe. Was mochte es denn wieder geben?

Einige Augenblicke später stand der Beamte vor ihm. Herr Baron, es thut mir sehr leid, eine böse Botschaft aus« richten zu müssen," sagte er im mitleidigen Tone.Fräulein Aßmann ist verhaftet."

Was? -"

Der Mann präsentirte einen schriftlichen Befehl.Vom Ersten Staatsanwalt," setzte er hinzu.

Hans Adam las, ohne glauben, ohne dem Zeugniß seiner Sinne vertrauen zu können.Verhaftet?" wiederholte er. Verhaftet? Aber die Sache war ja niedergeschlagen; es sollte keine Anklage stattfinden."

Der Polizist zuckte die Achseln.Das ist nicht meine Angelegenheit, Herr Baron. Ich muß den erhaltenen Auftrag ausführen, weiter nichts."

Aber ich darf jedenfalls meine Schwägerin begleiten?"

Auch das nicht, Herr Baron. Ich kann keinem Men« schen gestatten, sich zu der Dame in den Wagen zu setzen."

Das ist doch zum Verzweifeln!"

Hans Adam sah rathlos vor sich hin. Wie sollte er es anfangen, das unglückliche junge Mädchen auf diesen neuen schweren Schlag vorzubereiten?

Herr Baron," bat nach einer Pause der Beamte,meine Zeit ist gemessen. Würden Sie nicht Fräulein Aßmann be­nachrichtigen ?"

Ja gewiß ja."

Und von der Nothwendigkeit getrieben, begab sich Hans Adam wieder in das Wohnzimmer, wohin ihm der Beamte auf dem Fuße folgte.

Ich muß mich vorsehen, Herr Baron. Glauben Sie mir, der Auftrag, den ich hier ausführe, ist äußerst peinlich."

Hans Adam antwortete nicht. Seine und Ruths Blicke begegneten sich schon, als er noch den Thürgriff in der Hand hielt; Tante Anna schrie laut auf vor Schreck.

Gott im Himmel die Polizei!"

Was bedeutet das, Hans?" fragte Ruth.

Er zuckte die Achseln.Sicherlich ein nochmaliges Ver­hör ich wenigstens kann mir die Sache nicht anders er­klären. Du mußt diesen Mann leider jetzt begleiten, meine arme Ruth, es geht nicht anders."

Das junge Mädchen hatte sich erhoben und schloß ihre Schreibmappe.Aber die frühere Vorladung brachte doch ein Gerichtsdiener!" sagte sie, von einem der beiden Männer zum anderen blickend.Weshalb kommt heute ein Polizist?"

Eine Pause folgte diesen Worten. Haps Adam hatte nicht den Muth, die schreckliche Wahrheit offen zu gestehen; auch der Beamte schwieg tief erschüttert. Dies Mädchen mit dem Madonnenantlitz sollte eine Mörderin sein? Mochte Gott Denen vergeben, die es behauptet hatten.

Ruth preßte die Hand fest an das pochende Herz.Ich bin also verhaftet," sagte sie in unnatürlich ruhigem Tone. Ist es nicht so?"

Leider ja, gnädiges Fräulein. Bitte, folgen Sie mir."

Gott im Himmel," schluchzte Tante Anna,das über­lebe ich nicht- Meiner Schwester Kind im Gefängniß!"

Ruth," sagte im gedrückten Tone der Baron,Ruth, bleib' tapfer, mein armes Mädchen. Ich begebe mich natür­lich sogleich zum Staatsanwalt."

Kannst Du denn bei mir bleiben, Hans?"

Der Baron wandte sich zu dem Beamten.Sie hören!" sagte er mit einer Handbewegung gegen seine Schwägerin, Fräulein Aßmann möchte ihren natürlichen Beschützer neben sich haben."

Ein Kopsschütteln antwortete ihm.Ich darf es nicht gestatten, Herr Baron. Bitte, lassen Sie uns davon schweigen."

Ruth griff an ihre Stirn.Ja, ja," sagte sie,wir wollen es kurz machen, Herr Sergeant, können Sie mir für meinen Anzug zehn Minuten bewilligen?"

Der Mann sah von Einem zum Anderen.Wenn ich nur gewiß weiß, daß das gnädige Fräulein nicht unterdessen ich meine"

Ruth öffnete eine Thür und deutete auf den Gang hinaus.