Ausgabe 
24.10.1893
 
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Bei den Völkern niederer Cultur, den sogenannten Natur­völkern, vollzieht sich die Verwendung von Insekten als Nah­rungsmittel mit weniger culinarischem Raffinement, erfreut sich aber einer um so größeren Verbreitung, denn wir begegnen ihr in Amerika und Australien ebenso wie in Afrika. Im Ganzen sind es nur wenig Insekten, die in ausgedehnterem Maß als Nahrung dienen und zwar vorzugsweise Larven­formen, speciell von großen Käfern, die schon äußerlich als feister Bissen erscheinen. Daß dieWilden" hierbei keinen schlechten Geschmack zeigen, dafür besitzen wir eine ganze Reihe Zeugenaussagen aus dem Munde europäischer Reisender und Forscher. Und in der Thal, wenn wir die stattlichen Larven eines großen Bockkäfers oder des Hirschkäfers oder Nashorn­käfers vorurthsilsfrei betrachten, so müflen wir gestehen, daß blos angeborene und nicht überwundene Scheu uns abhält, eine Probe auf deren Schmackhaftigkeit zu machen, zumal wenn wir uns erinnern, daß ihre Nahrung aus Holz, also einem keineswegs unappetitlichen Stoff besteht.

In den Tropen erreichen auch die Larven bestimmter Rüsselkäfer eine Größe, die sie als Nahrungsmittel verwendbar erscheinen läßt. So erzählt uns der um die zoologische Er­forschung Surinams hochverdiente Kappler, daß die Ein­geborenen die Larven des großen Palmrüflelkäfers (Ryncho- phorus palmarum) nicht nur sammeln, sondern zum Zweck des Essens sogar züchten; die daumenlangen, dicken Larven werdenvor der Zubereitung mit lauem Wasser abgewaschen, abgetrocknet und lebend in heißem Schmalz gebacken; sie schwellen auf wie kleine Würstchen und werden, wenn sie braun sind, aus der Pfanne genommen, mit Salz und Pfeffer be­streut und bilden so eine der Hauptdelicateffen des Landes." Auch Kappler würdigte dieseDelicatesse" in hohem Maße und mit besonderer Vorliebe verglich der liebenswürdige, an­regende, vielgereiste Mann die südamerikanischen in Schmalz gebackenen Käferlarven mit den berühmten Nürnberger Brat­würstchen, die bei ihrer constanten retrograden Größenentwick­lung auch in Beziehung auf Maximallänge den Vergleich mit ersteren nahelegten.

Einen Collegen in Würdigung gebackener Käferlarven hat Kappler neuerdings u. 3t. in Lumholtz gefunden. In seinem Buch:Unter Menschenfressern" erzählt dieser Reisende, daß das beste, von ihm mit wahrem Genuß verzehrte Gericht, das ihm die Wilden Australiens bieten konnten, die Larven eines Bockkäfers (Euranapa australis) gewesen seien, die einfach in glühende Asche geworfen wurden, in der sie gleichsteif und knusprig" wurden. Die Eingeborenen begnügen sich jedoch nicht, die Larven zu essen, sondern auch der Käfer fällt ihnen zum Opfer. Neben Käferlarven dienen in Australien unter den Insekten ferner als Nahrung die haarlosen Raupen bestimmter Schmetterlinge, so z. B. aus den Gattungen Zelotypia, Hepiolus, Pielus und Chorogion; die bedeutende Rolle, die ihnen zukommt, beweist eine Angabe Lendenfelds. Dieser Forscher fand nämlich bei seinen Reisen in den australischen Alpen in ungeheurer Menge die im Erdreich der Alpenmatten von Wurzeln lebende Larve eines von den Eingeborenen Bogong" genannten Nachtschmetterlings.Diese Raupen wer­den," schreibt v-Lendenfeld,ehe sie sich entpuppen, fehr groß und feist und dienen im Hochsommer durch zwei bis drei Monate den Eingeborenen zur ausschließlichen Nahrung. Die Leute wandern um diese Zeit in's Gebirge und bleiben so lange oben, als Raupen in genügender Menge zu finden sind; die Eingeborenen gedeihen hierbei sehr gut und kehren im Herbst wohlgenährt von ihrem Alpenaufenthalt in das Tiefland zurück." Also eine ebenso erfolgreiche wie unstreitig billige Sommer­frischei

Zahlreich sind die Angaben, welche vom Jnsektengenuß der Eingeborenen Afrikas berichten; fast in jedem der neueren Reisewerke, deren Zahl täglich wächst, finden sich Bemerkungen hierüber, leider durchweg ohne wissenfchastliche Präcistrung der in Frage kommenden Arten, dagegen des öfteren begleitet von Ausführungen des Abscheus von Seiten der Reisenden, die ein

Gericht gebackener Käferlarven schrecklich finden, denen aber eine Auster durchaus nicht unappetitlich erscheint. So schildert uns Herb. Ward in fast komischer Weife sein Entsetzen, als ihm in Lukungu im Bakongo-Land in feierlichstem Aufzug vom Häuptling als Zeichen der Freundschaft und Verehrung ein Gericht grüner und weißer Raupen angeboten wird, die in grünen schalenförmigen Blättern fein säuberlich auf dem Feuer geröstet worden waren. Auch Emin Pascha berichtet aus de« Westen des Bahr-el-Djebel von Raupen, dieim Feuer von den Haaren gereinigt und leicht angesengt, als vorzügliche Speise gelten". Die Mittheilung Baumanns dagegen, nach welchem manche Bakongo-Stämme mit Vorliebe dicke weiße Maden essen, welche in den faulenden Blätterdächern leben, bezieht sich wohl auf Käferlarven. Daß letztere auch sonst in Afrika nicht ver­schmäht werden, erfahren wir anderweitig; so theilt Queden- feldt mit, daß in Marokko die in der Zwergpalme lebende Larve eines Käfers (Cyrthognatus forficatus), nachdem Kopf und Darm ausgerissen, im eigenen Fett geröstet und genossen wird, und auf der westafrikanischen Insel St. Thorne gelten nach den Angaben von Gr eeff und Kar sch die Larven eines Bockkäfers (Macrotoma edulis Karsch) in Palmöl geschmort als besonderer Leckerbissen, der auch auf dem Markt der Cidado von St. Thoms feilgeboten wird.

Den Käferlarven und Schmetterlingsraupen reihen sich als afrikanische Delicatesse die Termiten oder weißen Ameisen würdig an. Auf weite Entfernungen erblickt der Reisende in den baumlosen Gegenden Afrikas ihre mehrere Meter hohen festen Erdbauten, und der Europäer befindet sich in einem stän­digen Kampf mit diesen kriegerifchen Jnsektenschaaren, vor deren kräftigen Freßzangen weder das Holzwerk seiner Wohnung, noch das Leder seiner Stiefel sicher ist; dem Eingeborenen aber liefern die volkreichen Termitenstaaten reiche Nahrung. C asati erzählt uns, daß bei den Stämmen der Mambettu und Sandeh die eingeborenen Gourmands unter den Termiten, deren Nester bekanntlich ähnlich wie bei den Bienen und Ameisen verschieden­artige Bewohner enthalten, je nach der Vorzüglichkeit der ein­zelnen Formen Unterschiede machen und ihnen eigene Namm beilegen. Ueberwiegend sind es die geschlechtlich entwickelten, geflügelten Termiten, die in verschiedener Weise durch Feuer gefangen, und um sie haltbar zu machen, leicht gedörrt werden, wobei die Flügel abfallen und beseitigt werden. An den dünnen Männchen ist wohl nicht viel dran, um so mehr an den be­fruchteten Weibchen, deren cylindrischer, bis 1J/2 Zentimeter langer, dicker Körper infolge der massenhaften Entwicklung der Eier in feinem Innern von Fett förmlich strotzt.

Der Afrikareisende Junker erhielt einmal von einem Negerfürsten 25 Lasten Termiten als Geschenk, die ihm für seine Leute sehr gute Dienste leisteten, denn gerieben und mit Wasser zu einer breiigen Sauce verkocht, bildeten die Termiten für Junkers Mannschaft eine beliebte Zukost zu ihrem Mais und Junker selbst fand Geschmack daran.Die zu Brei ge­kochten Termiten," erzählt der Reisende,sind einer Fleischfarce nicht unähnlich; wir genossen sie theils mit Kisra, theils mit Reis gemengt; ich habe sie auch statt Fleisch in Pasteten ein* gebacken oder mit geschlagenen Eiern als Termiten-Omelette auftragen lassen. Einige Tropfen englischer Sauce ober etwas Gewürz tragen zum Wohlgeschmack bei."

Ein Ueberblick über die wenigen angeführten Beispiele er­gibt, daß die Verwendung der Insekten als menschliche Nah­rung durchaus keine seltene ist und daß es der Delicateffen im Jnsektenreiche mannigfache gibt. Leicht wohl ließe sich aus dm zahlreichen Reisewerken die Zahl der Beispiele vermehren, allein wir wollen unsere Plauderet mit der Notiz schließen, daß selbst Jnsekteneier von Menschen gegessen werden, denn wie uns Karsch berichtet, dienen in Mexiko die sehr kleinen, bimförmi­gen, weißlichen Eier zweier Arten Wasserwanzen als Speise; sie werden von den Thieren an Reisig abgelegt, durch Ab­klopfen in's Wasser gewonnen und mit Mehl zu Kuchen ver­backen.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.

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