1893.

UntsvhaLtungsblatL znnr Gietzenev Anzsigev (Gsneval-Anzerg-p)

Dienstag, den 24. October.

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Eine verhängnißvolle Nordlandsfahrt.

Humoristische Novelle von Johannes Wilda.

(Nachdruck verboten.)

So waren wir, mein Freund Schratt und ich, denn glück­lich in Kiel angekommen.

Zweifellos hatte uns Berlin, unser eigentliches Reiseziel, impontrt gehabt, indessen, Gott verzeih' uns, wir sind nun einmal eingesottene Süddeutsche und hatten bald heraus ge­funden, daß nicht Jedes Gold fei, was uns an der Spree entgegen glänzte.

Alles in Allem: Wir waren mit dem unprogrammmäßigen Abstecher nach dem Reichs-Kriegshafen, der doch uns Schwaben auch ein wenig mit gehört, zufrieden; um so mehr, da die niederziehende Kälte der vorhergehenden Woche durch einen fröhlich stimmenden Sonnenschein abgelöst war.

Du, Wuz," sagte mein Freund Schratt, indem er seinem weißen Reise-Filzhut, von dem er behauptete, daß er ihm feudal" stände, einen Klapps gab, welcher eine ungemein ver­wogene Wirkung hervorbrachte,Du, Wuz, es fällt uns gar nicht ein, nach Berlin zurückzufahren, wir bleiben Pfingsten einfach hier!"

Hier muß ich einschalten, daß Karl Schratt, Doetor der Chemie, wie in allen, so auch in Finanz-Angelegenheiten eine sehr unmotivirte Muthigkeit besitzt; ferner sehe ich mich ver­anlaßt, den NamenWuz" richtig zu stellen. Wuz ist mein Jean Paul'scher Pennal- und Kneip-Name, während ich im bürgerlichen Leben Dr. Ingo Döderlin heiße und meines Zeichens Philologe bin, der zur Zeit vor definitiver Anstellung an der Tuttlinger Latein-Schule stch die norddeutschen Reichs­brüder auch einmal daheim anschauen wollte.

Nachdem also Freund Schratt in Uebereinstimmung mit seinem verwogenen Hute Solches geäußert hatte, schaute ich ihn groß an und rief:Mensch, hast Du denn noch so viel Mammon, daß Du dar Retourbillet einfach in den Rauch hängen kannst? Asmus, Asmus! (so genannt, weil er einst in Tübingen einzog wie der selige Wandsbecker Bote, seine gesammte Habe in einer Hutschachtel mit sich führend: Asmus omnia sua secum portans!) Asmus, in welchem Zustand werden wir wieder zu unseren Penaten zurückkehren?"

Asmus klopfte auf seine Tasche, indem er aussah wie Herr v. Rothschild.Machen wir Alles!" erklärte er großartig.

Es waren hauptsächlich seine Schlüffel, die klirrten. Je­doch ich schwieg, da meine Brieftasche noch ein paar kleine Papierchen barg, die nöthigenfalls für den leichtsinnigen Freund mit ausreichten.

Nachdem der folgenschwere Entschluß gefaßt war, schritten wir in gehobener Stimmung zum Hafen, um persönlich zu eon- statiren, ob unsere Panzerschiffe wirklich schon so veraltet seien, wie von den Sachverständigen des Stammtisches imrothen Löwen" zu Tuttlingen behauptet worden war. Da verfiel Schratt plötzlich auf die unselige Idee, sich rastren lassen zu wollen.

Aber Asmus, Du bist wirklich noch hochfein!"

Ein so plebejisches Stoppelfeld wie Du trage ich aller­dings nicht."

Ich hege auch nicht die Nebenabsicht, womöglich im Sturm die reizende Tochter eines reichen Düsternbrooker Billen- besitzers zu erobern."

Schratt schmunzelte. Er machte gar kein Hehl daraus, daß ihm bei seiner steten Bereitschaft, auf Freiersfüßen zu wandeln, dieser schöne Gedanke bereits ein sehr naheliegender geworden war.

Das wäre auch das Letzte gewesen, was ich Dir zu­getraut hätte, alter Weiberfeind!" brummte er.Bei Dir ist es mir gar nicht zweifelhaft, daß Du Deine Cölibats-Schwär- ntetei erfolgreich durchführen wirst."

Gott sei Dank!" rief ich aufrichtig, denn die holde Weib­lichkeit hatte in meinen Lebensverwickelungen wirklich eine sehr geringe Rolle gespielt. Ich kannte nichts Ungemüthlicheres, als Damengesellschaft. Süßholz raspeln, ästhetisch schwärmen pfui Teufel! Eine solide Freundschaft, ernstes Männer­gespräch, meinetwegen auch später einmal eine freundliche, kleine Onkelstellung, das entsprach meinem Geschmack. Alles Andere war nur eine vergiftete Pastete, die thörichten Näschern lebenslänglich Magenschmerzen bereitet.

Nun, wir beehrten also einen Barbier in der Hafenstraße. Um die Aussichten meines Karls durch meine minder vornehme Erscheinung eventuell nicht zu beeinträchtigen, laffe ich mich, großmüthig wie ich bin, ebenfalls von dem Verschönerungsrath behandeln. Natürlich kommt der Mann nicht über meine schwäbischen Stoppeln hinweg und schwabb sitzt mir das Messer einige Millimeter im Kinn.

Das gab nun mit Alaunstift und Feuerschwamm eine langwierige Arbeit; das feindliche Messer schien gedacht zu haben: wenn schon, denn schon!

Währenddessen nimmt mein lieber Asmus zur Zerstreuung ein Zeitungsblatt in die Hand, um zu sehen, wann die Dampfer nach Laboe abgehen, wie er sagt.

Ja Kuchen, Laboe! Mit einem Mal ruft er so freudig überraschtDonnerwetter!", daß ich vom Spiegel, vor dem ich mit einem Handtuch an mir herumtrockne, während der Herr Barbier mit seitwärts gelegtem Haupt wie ein weh-