Ausgabe 
24.1.1893
 
Einzelbild herunterladen

- 40

Gemeinnütziges.

Gegen die Plage der aufgesprungenen Hände, wo die Oberhaut durch Wechsel von Nässe und trockener Wärme, besonders Strahlwärme de» Ofens oder Feuerherdes, ruinirt wurde, bewährt sich nach vr. P. Niemeyer das Bestreichen mit ftisch ausgepreßtem Citronensaft. Die im ersten Augenblicke dadurch hervorgerufene Schmerzhaftigkeit möge man um so leichter mit in Kauf nehmen, al» die Säure diese Eigenschaft mit dem ebenfalls für solche Beschwerden empfohlenen, aber nicht so heilkräftigen und sauberen Glycerin theilt.

*

*

Frostschäden an Obstbäumen. Ein recht gutes Mittel, um die durch Frost entstandenen Riffe und Wunden der Bäume zu heilen, welches der Wärme und Kälte gleich gut widersteht, die Wunden dicht abschließt und dem gesunden Theile nichts schadet, ist dieses: Man nehme zwei Drittel Theer und ein Drittel Copallack, wie er zum Lackiren ver­wendet wird, koche beides kurze Zett miteinander und wende es kalt an; erkaltet wird die Schmiere so dick, daß man sie gerade noch mit dem Pinsel auftragen kann. Der Anstrich übertrifft an Haltbarkeit und Tüchtigkeit jeden anderen.

* * *

Springerle. V2 Kilogr. gestoßener Zucker wird mi1 56 Eiern eine Stunde lang nach einer Seite hin verrührt, worauf man eine Meflerspitze voll Pottasche nebst i/2 Kilogr- vom feinsten trockenen Mehl nach und nach hinzumischt, dann ^beliebige Stückchen von dem Teig auf das Kuchenbrett nimmt und/2 Centim dick aufrollt. Nun bindet man etwas Mehl in ein Muffelinläppchen, siebt die kleinen Springerleformen damit aus, drückt die Teigstückchen hinein, schneidet sie rings um die Form sauber ab, legt die Springerle auf ein mit Wachs bestrichenes, mit gestoßenem Anis und gehackter Citronen- fchale bestreutes Blech, läßt sie zwölf Stunden am warmen Ofen trocknen und bäckt sie bei gelinder Hitze, damit sie ganz hell bleiben.

»

*

Carrdirte Bretzeln. Man nimmt 14 hartgekochte Eidotter, 375 Gramm Butter, zu Sahne gerührt, 375 Gramm Zucker, Vs Kilo Mehl und rührt dann von vier ungekochten Eiern noch die Dotter hinzu. Hiervon werden kleine Bretzeln geformt, die mit Eiweiß oder einem Guß von Zucker und Ei­weiß bestrichen werden. Diese Bretzeln sind vorzüglich.

Eier-Marzipan. Ein* Pfund Zucker wird mit fünf Eier schaumig gerührt, 10 Gramm Ammonium, P/s Pfund Mehl daran gegeben und wie mit dem Waffer-Marzipan ver­fahren.

» *

Schweizer Wecken. V2 Pfund gestoßener Zucker wird mit vier Eiern gut gerührt, Vs Pfund Mandeln geschält und länglich geschnitten, Vs Pfund Weinbeeren, die Schale einer Citrone, sowie fast Vs Pfund Mehl hineingemengt. Eine Form wird gut mit Butter ausgestrichen, mit Bröseln bestreut, die Mafle hineingefüllt und bei mäßiger Hitze im Rohre ge­backen.

*

*

Cacao-Creme. Eine halbe Stange in kleine Stückchen geschnittene Vanille kocht man mit 1 Liter süßem Ruhm lang­sam aus. Zu 125 Gramm bitterem Cacaopulver mischt man 250 Gramm Puderzucker und zwei Eßlöffel voll Mehl; den Rahm seiht man durch, bringt ihn wieder zum Kochen, rührt das Gemische hinein, bringt es unter beständigem Rühren zum Kochen, rührt die Creme mit 8 Eidottern ab, zieht den steifen Schnee der 8 Eiweiße hindurch und füllt die Masse in Krystall- schalen, welche man vor dem Serviren mit Baiser und Confect hübsch verziert. Emfacher ist es, wenn man die Vanille mit dem Zucker fein stößt und so unter Cacao und Mehl mischt.

Vermischtes.

Poesie und Prosa. Dame:Schon der Name Früh­ling erfüllt einen mit Entzücken, da denkt man gleich an Nachtigallen, Rosen, Wiese, Sonnenschein" Alter Herr: ,Ja, die Hauptsache bleiben aber immer warme Unterkleider!"

In einer Sackgasse. Herr:Ja, was wollen Sir denn von mir, daß Sie so zudringlich sind?" Strolch: Nur um eine kleine Gefälligkeit wollte ich Sie gebeten haben". Herr:Und die wäre?" Strolch:Morgen werde ich heirathen und da wollte ich Sie nur gebeten haben, mir für diesen Tag Ihren Eherings» leihen".

Auch einStück". Dame:Draußen am Fenster steht:Stück 50 Pf." und jetzt verlangen Sie für die Wasch­schüssel 1 Mark und es ist sogar noch ein Sprung drin". Kaufmann:Nun, dann stimmt's doch, jedes Stück 50 Pf., macht 1 Mark".

* *

Ein ästhetischer Spitzbub. Gauner (der im Zucht­haus photographirt werden soll):Bitte, kann ich nicht ein Album oder sonst etwas in die Hand bekommen, damit es ein hübscheres Bild giebt?!" » *

Prognosticon. Erste Kinderfrau:Gieb Acht, unsere Irmgard wird einmal eine ganze Gnädige!" Zweite Kinderfrau:Warum?" Erste Kinderfrau:Nun, einmal lacht sie, einmal weint flennte aber weiß sie warum!"

Vor Gericht. Richter:Der Angeklagte hat Sie also zu überreden gesucht, daß Sie schweigen. Mit was wollte er Ihnen denn den Mund stopfen?" Zeuge:Mit zwei Paar , alten Hosen und drei zerrissenen Hemden".

Deutlich. Maler (zum Besteller, dessen Portrait er eben vollendete):Nun, wie gefällt Ihnen Ihr Bild?" Besteller (nachdem er es einige Zeit betrachtet):Wissen Sie was? Machen Sie mir aus dem Portrait lieber eine Land­schaft!"

Eingegangen. Frau*(am Mittagstisch):Schade, Onkel, daß Du Dich heute mit Rindfleisch begnügen mußt! Wärst Du morgen zu uns in die Stadt gekommen" Gatte:Hätten wir Dir einen Hasen oder Rehrücken vor­gesetzt!" Onkel:Na, wißt Ihr was? Da bleib ich ein­fach bis übermorgen da". *

Eine Ausrede. Arzt * seinen Clienten auf der Straße treffend):Ich habe Sie von dem schweren Magenkatarrh be­freit, Sie sind wieder gesund, heiter, haben guten Appetit und doch wollen Sie mich nicht bezahlen." Client:Aber Doc- tor, Sie haben mich so hergestellt, daß ich mein ganzes Geld verfreffen hab'."

*

Kein Wunder. A-: ,*Wer ist denn nur der kleine schäbige Herr dort?" B.:Ein früherer Geflügelhändler; vor einigen Jahren konnte er seiner Tochter noch zehntausend Gulden Mitgift geben, jetzt ist er gänzlich verarmt-" A-: Nun, das ist kein Wunder, wenn Jemand an einer einzigen Gans so viel zusetzen muß!"

* *

Widerspruch.Kennen Sie den Herrn da?" Ja, das ist der Börsianer Mandel, ein herabgekommener Emporkömmling."

Der poetische Einbrecher.Nichts Herrlicherer gibt es, als in einer Sommermondnacht durch's Gartenfenster einzubrechen!"

Rcdactton: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.