Innern war längst eine leise Ahnung aufgetaucht, und je länger | sie den Daliegenden betrachtete, um so mehr wurde es ihr zur Gewißheit; aber es war eine Ahnung so voll Glück und l Wonne, daß sie dem Gedanken daran kaum Raum zu geben wagte, denn es schien ihr fast unmöglich und des Glückes zu viel, daß nach so langer Zeit ihr und ihrem Gatten an Beider Lebensabend noch ein freundliches Geschick lächeln sollte. — Da schlug der Fremde die Augen auf und sein Blick fiel auf die sein Lager umstehenden beiden Eheleute.
„Mutter! Vater!" ertönte es aus dem Munde des Kranken, er streckte die Hände aus und Vater und Mutter sanken am Lager des Sohnes nieder. Die Mutter hielt das Haupt des endlich wiedergefundenen Sohnes umschlungen und barg ihr Antlitz an feiner Brust, während auf der anderen Seite North- mann kniete, die Hand des schmerzlich Vermißten mit Thränen der Wehmuth und der Reue benetzend.
Mit einem freudigen, verklärten Lächeln richtete stch der Wiedergesundene von seinem Lager auf und ließ seinen Blick umherschweifen. Alle Schwäche, die ihn bisher umfangen und in einen todtähnlichen Zustand versetzte, war verschwunden.
„Ist es Wahrheit oder Traum?" flüsterten seine Lippen leise, indem er sich sanft aus der Umarmung seiner Eltern zu befreien fuchte. „Seid Ihr es wirklich, mein Vater und meine Mutter, oder ist es nur ein Trugbild, welches die erhitzte Phantasie mir vorspiegelt?"
Julius Rorthmann war es zuerst, der nach dieser so urplötzlich hereingebrochenen Scene des Wiedersehens Worte fand, um den Sohn von der Wahrheit deffen, was sich soeben zugetragen, zu überzeugen.
„Es ist kein Traum, mein Theophil," entgegnete er mit thränenerstickter Stimme. „Ich und Deine Mutter sind es wirklich, die schon seit Jahren auf Deine Heimkehr vergebens gehofft, und erst heute, am heiligen Abend, wo mancher sehnliche Wunsch Erfüllung findet, ist es uns vergönnt, noch einmal Dich an unser Herz schließen zu können, Dir die Versicherung zu geben, daß Alles vergeben und vergeffen, bevor wir unsere altersschwachen Augen zum ewigen Schlummer schließen."
Es war ein tiefergreifender Augenblick, der nun folgte und erst durch den Eintritt des Dienstmädchens, welches die für den Fremden bestimmten kräftigen Speisen auftrug, trat eine Unterbrechung der vielen Fragen ein, mit denen die beiden Gatten den so lange vermißten Sohn bestürmten, sodaß dieser gar nicht Worte genug fand, um diese alle beantworten zu können. Erst als er sich einigermaßen gestärkt, fühlte Theophil sich kräftig genug, um den Wunsch seiner Eltern erfüllen zu können und ihnen in kurzen Worten seine Leidensgeschichte seit seinem Fortgang aus dem Elternhause erzählen zu können.
Es war eine lange, traurige Geschichte, die Theophil vor den andächtig seinen Worten lauschenden beiden alten Leuten entrollte. Er war mit seiner Geliebten hinausgegangen in die Fremde, nach Amerika, dem Lande, das schon so mancher als armer Flüchtling betreten, um sein Glück zu versuchen, das ihm in der deutschen Heimath nicht hold gewesen, und aus dem er dann als reicher Mann zurückgekehrt. Gleich nach ihrer Ankunft in Amerika hatte sie des Priesters Segen für's Leben verbunden und nun begannen sie gemeinschaftlich den schweren Kampf um's Dasein. Aber wie es vielen von Denen ergeht, welche jenseits des Oceans auf eine beffere Zukunft hoffen, statt deffen aber arge Enttäuschungen erleben und nach mancherlei Entbehrungen und schweren Kämpfen viel trostloser in die deutsche Heimath zurückkehren, reicher an Erfahrungen, ärmer an irdischen Gütern und zu der Erkenntniß gelangt, daß die vielgerühmte Freiheit Amerikas in des Wortes wirklicher Bedeutung nicht existirt und mancher Einwanderer ein Sclaven- leben zu führen gezwungen ist, wie es daheim in Deutschland unter den aus's beste geordneten staatlichen und communalen Verhältniffen nicht der Fall, so war es auch ihm ergangen. Jahrelang hatte er aus's schwerste kämpfen müffen, um sich in Verhältniffe hineinzuleben, die ihm völlig fremd waren; dazu hatten Krankheit in der Familie, die sich nach und nach um
drei Kinder vermehrt, fast seine Widerstandskrast gebrochen, Die schwersten Arbeiten» die er sich wohl nie hätte träumen laffen, mußte er verrichten und immer, wenn er geglaubt, einen Schritt vorwärts gekommen zu sein, hatte durch irgend einen Umstand sein widriges Geschick ihn zurückgeworfen. Wohl hatte er oft seiner lieben Eltern gedacht und auch schon die Feder zu einem Briefe angesetzt, aber da bäumte sich stet« wieder sein Stolz dagegen auf und litt es nicht, daß er um Gnade betteln sollte. Um das Maß seiner Leiden voll zu machen, raffte eine tückische Krankheit sein geliebtes Weib, um deretwillen er all' dieses Ungemach ertragen, und seine beiden ältesten Söhne dahin. Dies hatte seinen Stolz gebrochen, ein unsagbares Heimweh erfaßte ihn, das fremde Land war ihm jetzt so öde und leer; zurück nach seiner Heimath, nach dem Vaterhaus zog es ihn und sollte es ihm nicht möglich sein, dort zu leben, so wollte er doch wenigstens dort sterben. So war er denn zurückgekehrt mit seinem einzigen Kinde, welches ihm geblieben, ärmer, als er die Heimath verlaffen; aber als er wieder vor dem wohlbekannten Hause stand, da hätte sich ihm vor Schmerz das Herz zusammengezogen — ein fremdes Schild, ein fremder Name leuchtete ihm hier entgegen. Der Besitzer konnte ihm keinen Aufschluß geben, da er das Geschäft von einem Anderen gekauft, und in der großen Stadt kümmert sich vielfach Eins um das Andere wenig. Er glaubte nicht anders, als daß er zu spät gekommen, daß seine Eltern bereits tobt seien, gestorben mit dem alten Groll im Herzen. Zwar konnte er es nicht fassen und er eilte deshalb zu einem alten Freunde seines Vaters. „Der ist längst gestorben!" hieß es da. Er wollte nun seine ehemaligen Freunde aufsuchen, aber da war der eine fortgezogen, der andere empfing heute Abend keinen Besuch mehr, überall war er abgewiesen worden. So war er denn trostlos durch die Straßen der Stadt geirrt mit seinem Knaben, blutenden Herzens überall sehend, wie Alles sich rüstete, das schönste Fest der Christenheit, das heilige Weihnachtsfest, zu begehen. Unfähig in seiner Verzweiflung, einen klaren Gedanken, einen festen Entschluß fassen zu können, war er endlich vor Erschöpfung zusammengesunken und nun hatte sich Alles noch so zum Guten gewendet.
„Und nun, ist denn Alles vergeben und vergessen?" schloß Theophil seine Erzählung.
„Ja, Alles sei vergeben und vergessen!" ertönte es wie aus einem Munde von Rorthmann und seiner Gattin. Und in stiller Umarmung hielten sich die so lange Getrennten und jetzt Wiedervereinten umfangen; verschwunden waren die Gegensätze, die sie einst getrennt, vergangen war das Leid und die Freude hatte zum ersten Male seit langen Jahren wieder ihren Einzug in die Northmann'sche Familie gehalten. Draußen aber erklangen die Glocken vom Thurm weit über Stadt und Land: „Frieden auf Erden!"
Gemeinnütziges.
Petroleumlampen und Kocher schnell und leicht zu reinigen. Als einfaches Mittel zur schnellen und gründlichen Reinigung der Lampen empfiehlt die „Jllustr. Ztg. f. Blechind." trockene Holzasche, mit welcher man Brenner und Glasbecken von innen und außen (ganz ohne Wasser) mit weichem Papier abreibt. Das Becken wird spiegelklar und darf nur noch mit einem trockenen Tuche nachgewischt werden. Besonders Küchenlampen und Petroleumkocher lassen sich auf diese Weise schnell vollständig säubern, da die Asche alles Petroleum aufzehrt. Zieht man zu der Arbeit ein Paar alte Handschuhe an, so bleiben die Hände ganz rein, weil das Putzen ohne Anwendung irgend einer Feuchtigkeit geschieht. Dieses Putzen mit Asche ist dem vielfach gebräuchlichen Auskochen mit Seife und Soda bei weitem vorzuziehen, da dieses Verfahren nicht nur viel umständlicher ist, sondern mit der Zeit auch die Trennung des Brenners vom Becken zur Folge hat. Die scharfe Natronlauge löst nämlich die Alaunverkittung, welche jene beiden Theile verbindet, auf.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


