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vielleicht gar auf diese Weise zwingen, das häßliche Mädchen zu seiner Braut zu machen?

Und Sie werden es nie thun? Sie werden sich nie mit Johanna verloben?" fragte die erregte Stimme Helenens neben ihm weiter.

Nein, niemals, denn ich liebe sie nicht," erwiderte Born- stetten kalt, dann fuhr er aber feurig fort:

»Ich o Helene" stürmisch erfaßte er ihre beiden Hände und bog sich tief herab zu ihr,ich liebe eine Andere, ich liebe Dich! Glaubst Du mir auch, mein holder Lieb­ling ?" schloß er dann mit einem so leidenschaftlichen Blick, als hinge seines Lebens Seligkeit von ihrer Antwort ab.

. , »Ja, ja, ich glaube Dir, Kurt!" rief das junge Mädchen lubelnd,denn die Liebe glaubt Alles!"

Wie erschreckt über dieses Geständniß, barg sie plötzlich das erglühende Gesichtchen an seiner Brust.

In der dicht bewachsenen Laube, an welcher Bornstetten und Helene jetzt standen, saß aber Johanna bleich und regunas» los, wie zu Stein erstarrt.

Sie hatte, als sie ziemlich abgespannt von der Probe iu- rüdgrfeljrt, den Garten aufgesucht, um sich dort in der Stille und Einsamkeit etwas auszuruhen, und war so zur Zeugin des Gesprächs zwischen Bornstetten und Helene geworden. . Nebe glaubt Alles!" chatte Helene jubelnd gerufen, bas Wort war wie bitterer Hohn an Johannas Ohr geklungen.

e geglaubt so fest, so unwandelbar, und wohin war sie nun mit diesem Glauben gelangt?

, .JJ das Ende allen Glücks, an die Pforten der Ver- Meiflung! Langsam thaten sich dieselben vor ihren verstörten Sinnen aus und dahinter winkte tiefe, stille Grabesruhe, c Sterben - das Wort dünkte ihr in diesen Augenblicken

6 eine Erlösung, und Johanna murmelte er leise, doch wie eine ernste Mahnung trat plötzlich das Bild des sterbenden Vaters vor ihre Seele. Sie glaubte, seine Stimme zu hören, wie er sie bat, für seinen Liebling, sein Sonnenkind zu sorgen, damit es glücklich werde!

»Ihr gehört alles, alles Glück!" flüsterte Johanna und schaute dem lungen Paare nach, wie es dahin ging, Arm in Arm, glücklich kosend und scherzend.Und mir? Mir blecht nur die Pflicht!" Dies schien eine harte, kalte Stimme

Northmann hatte sich inzwischen erhoben und das Antlitz des Fremden näher betrachtet. Eine eigenthümliche Un- ruhe bemächtigte sich ihrer und immer wieder mußte sie in das blaffe Gesicht blicken; es kam ihr so bekannt vor und das Ge­sicht des klemen, neben dem Lager stehenden Knaben, wie er­innerte es sie an vergangene Tage.

Erst das Kommen des Arztes störte sie aus ihrer tief« sinnigen Betrachtung empor, der nach einer kurzen Begrüßung nachdem rhm Julius Northmann das Geschehene mit- getheilt, die Untersuchung begann.

. "Der Mann ist vor Hunger umgefallen," erklärte der Arzt nach Beendigung seiner Untersuchung.Hier ist keine weitere Hilfe nöth'g, als daß wir demselben einige Löffel kräf- tigen Wein einflößen und nach diesem durch eine leichte, aber kräftige Speise, am besten Bouillon mit einem Ei, die Ursache der Ohnmacht heben."

Northmann war nach diesen Worten des Arztes selbst hmausgeeilt, um das Gewünschte herbeizuholen und in der Küche in aller Eile die nöthigsten Anweisungen zu geben. Als er jetzt zurückkehrte, flößte der Arzt dem Kranken ein paar Löffel Wein ein, gab dann noch einige Verhaltungsmaßregeln und versprach, trotzdem keine Gefahr für den Kranken vorhan­den, am nächsten Tage nach dem Befinden desselben sich er­kundigen zu wollen, dann verabschiedete er sich von Northmann und seiner Gattin.

Nun waren die beiden alten Leute wieder allein mit dem Fremden, welcher noch immer mit geschloffenen Augen und bleichen Wangen dalag, während an seiner Seite der kleine Knabe kniete, ängstlich die abgezehrte Hand des Vaters in der seinigen haltend und leise ihn rufend. In Frau Northmanns

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Entschlossen näherte sie sich der Thür. Da trat vlötzltck die Tante heraus mit hochrothem erregten Gesicht. 6 $ Ach, Johanna, da bist Du ja endlich," stotterte die oute STe« wAeSt mnVf\bof? Alles anders gekommen, wie uns gedacht, - sie haben sich heute Abend Beide ver­lobt. Bornstetten und Helene! Wir wurden förmlich über- "Uwpelt- Nun, Dir bleibt ja Deine Kunst, Johanna, in ihr wirst Du den besten Trost finden!" ' 9

~ TM" rrmrinelte Johanna, und ein bitteres Lächeln zuckte um ihre Lrppen-Geld werde ich verdienen "ist meiner Kunst, Tante, Geld für Helene, damit sie nie Sorgen und Kummer kennen lernt, ich versprach es ja dem Vater an seinem Sterbebette." 1

(Fortsetzung folgt.)

, D^ Sorgen und die Pflichten an diese harten, nüch­ternen Worte klammerte sich Johannas verzweifelte Seele wie an emen Rettungsanker, der allein sie vor dem Untergang be­wahren konnte. Nein, sie wollte keine einzige der Pflichten versäumen, die sie damaE dem sterbenden Vater gelobt. Kein Schatten sollte auf das Leben seines Sonnenkindes fallen, sie sollten glücklich werden, Beide: Bornstetten und Helene, so dachte Johannas große edle Seele.

fieJ° m traurige Gedanken versunken, ü^^u^ Bluthen, alles Sonnenlicht auf ihren Lebenswegen sah sie sich dunkle Schatten verbreiten, in welchen nur noch die eine Blume, die kalte, farblose der Pflicht gedeihen wollte.

Endlich erhob sich Johanna und schlich langsam durch den vom Mond beschienenen Garten, in welchem die Rosen so zauberisch dufteten, dem Hause zu. Oben aus dem Wohn» zunmer tönte ihr fröhliches Lachen und Gläserklingen entgegen. ... Halene und Bornstetten, die, als sie den Garten verlassen, noch manches süße Liebeswort ausgetauscht, hatten sich in seligem Liebesglück der Mutter und der Tante als Braut­paar vorgestellt.

afFm6ar a^ngs ziemlich verblüfft darüber gewesen, i P ihr schmeichelnd in die Arme

beÄt» ra & bcie Adligen Wangen geküßt, da hatte sie -Geschöpf nicht widerstehen können und hatte eigen- händig einige Flaschen Wein herbeigeholt, um das frohe Er- eigntß zu feiern.

klopfendem Herzen stand Johanna im Vor- mme. Sollte sie eintreten? Würde sie die Kraft haben, dem hetH geliebten Mann gelassen gegenüber zu stehen, ihn als Schwager zu begrüßen? Warum nicht? dachte Johanna dann Als dramatische Künstlerin mußte sie sich ja schließlich in jede

Am heiligen Aöend.

Weihnachts-Erzählung von Gustav Lange.

(Schluß.)

Die Umstehenden mochten wohl die Richtigkeit der Worte Northmanns begreifen, denn sie hoben den Bewußtlosen auf, an den sich der kleine Knabe fest anklammerte, und folgten mit der Last dem voranschreitenden Northmann, der selbst die Hausthur öffnete, und nachdem er schnell einige Dienstboten herbelgerufen, welche Licht anzünden mußten, trug man den Fremden in das Wohngemach und legte ihn auf ein Sopha n eder, dann bat Northmann die mit in das Haus eingetrete- nen Leute, sich nicht weiter um den Unglücklichen zu bemühen, da er nunmehr für denselben sorgen werde und sandte auch gleichzeitig nach einem Arzte.

Jetzt waren die beiden Ehegatten mit dem kleinen Knaben und dem fremden Manne, der noch immer regungslos auf dem Sopha lag, allein und ein Blick in das Antlitz seiner Gattin belehrte Northmann, daß sie seine Handlungsweise billigte.

Eine schöne Weihnachtsbescheerung," wagte er nur ein­zuwenden, gleichsam als wolle er dadurch seine Gattin zu einer Aeußerung bewegen.