Samstags den 23. December.
1893.
Nntevhaltnngsblatt 311m Gi-tzenev Anzeigev (GsneNcel-Anzeigev)
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Der Weihnachtsbaum.
Der schönste Baum im Leben Ist wohl der Weihnachtsbaum, Weckt er doch, aus der Jugend Uns manchen schönen Traum I Von seinen Tannenzweigen Strahlt Helles Kerzenlicht, Als sei's ein Strahl des Himmels, Der durch die Wolken bricht! —
Wie schön die Glocken läuten, Ihr Klang sei froh begrüßt, Wo Herz an Herz in Liebe Und Freudigkeit sich schließt- - O, schöne, hetl'ge Feier Kehr' ein in jedes Haus, Und wisch' auf jeder Stirne Die düst'ren Schatten aus.
Denn Christus ward geboren Vor langer, grauer Zeit, Zum Wohle aller Menschen Für Zeit und Ewigkeit!
Sein Geist umkreist die Bahnen Der unermeß'nen Welt, Der heut' am Weihnachtsfeste So hoch die Herzen schwellt.
Und überall zieht Freude So mannigfaltig ein, Sie glänzt in Aller Augen So festlich, klar und rein. Und lauter Jubel schallet Aus froher Kinderbrust, Sie fühlen Himmelswonne Und tanzen voller Lust!
Sie schauen all' die Spiele, Von lieber Hand gebracht, Was ihre jungen Herzen So froh und glücklich macht- —
O, blieben doch die Freuden Der Jugend ewig neu, Blieb' doch die Morgenröthe Des Lebens uns getreu. —
Ja, schönster Baum im Leben, Wie strahlst du engelsüß In deinem Kerzenglanze, Der Kindheit Paradies.
Doch all' die frohen Tage, Der Unschuld Tändelei, Wie schnell sind sie entschwunden, Zieh'» wie ein Traum vorbei!---
D'rum der Erinn'rung Thräne Gar heiß im Auge brennt, Die nur die Mutterliebe In ihrem Schmerze kennt! Denn all' ihr Glück, — das Liebste Die kühle Erde deckt, Und alle Lust der Kleinen Ihr schweren Kummer weckt.
Doch heilt ja jede Wunde Das heil'ge Christenfest, — Das schönste Fest der Liebe Uns nicht im Schmerz verläßt. In trauervolle Herzen Gießt Frieden es und Ruh'; Deckt's doch mit seinem Schleier So manche Leiden zu.
Th. Loos.
Die beiden Schwestern.
Novelle von F. Sutau.
(Fortsetzung.)
Seinen ersten Besuch hatte der junge Offizier bei Johanna und der Tante Hopfen etwas beklommen angetreten, mußte er sich doch sagen, daß Johanna mit ihrem rechtschaffenen, ehrlichen Character für sein Benehmen am letzten Abend ihres Beisammenseins keine andere Erklärung finden würde, als daß darauf eine ehrbare Verlobung zwischen ihr und ihn: folgen müsse. Dagegen empörte sich aber Bornstettens ganzes Empfinden


