Ausgabe 
23.11.1893
 
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1893.

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Donnerstag, den 23. November.

Herzenskämpfe.

Roman von Theodor Schmidt. *

(Fortsetzung.)

Curt wußte nicht, was er von dem Allen halten sollte; die Augen, die sonst immer so hellauf Liebe und Wahrheit strahlten, hatten nicht ein einziges Mal zu ihm aufgeblickt.

Ich bin nicht eifersüchtig, Martha," hob er nach einer kleinen Weile wieder an;ich habe mich nie um Deine Cor- respondenz gekümmert, nie geforscht, an wen Du schreibst, von wem Du Briefe empfängst; ich habe Dir in allen Dingen stets vollstes Vertrauen geschenkt. Ich würde mich auch jetzt nicht einmischen, wenn mir nicht gesagt worden wäre, daß jene zwei Billete Dir aufgezwungen worden wären, daß Du sie nur widerwillig in Empfang genommen hättest. Aus diesem Grunde möchte ich wissen, was sie enthielten."

Da blickte sie zu ihm auf, und der tief unglückliche Aus­druck ihrer Augen erfüllte ihn mit tiefem Weh.

Curt, wie gern sagte ich es Dir, wenn ich könnte," ant­wortete sie,aber ich kann nicht!"

Weißt Du, Mrrtha," sprach er ernst,daß nichts Dich berechtigt, Geheimnisse vor mir zu haben? Ich meine, in der Ehe muß vollstes Vertrauen und Einigkeit herrschen, getheilte Interessen kann ich mir nicht denken."

Es entging ihm nicht, wie es tief schmerzlich über ihre sanften Züge glitt, aber ihr Mund blieb stumm-

Es ist wohl zwecklos, meine Bitte zu wiederholen," fügte er hinzu.Wenn Du es mir nicht vertrauen willst, kann ich Dich nicht dazu zwingen; ich muß mich mit dem Bewußtsein begnügen, daß es in dem Herzen meiner Gattin Tiefen gibt, die mir verborgen sind."

Ein Schauder durchzuckte Marthas Körper, als sie daran dachte, was sie ihm verheimlichte; diese Bewegung war Curt nicht entgangen.

Ich bin Dir ja nicht böse, Martha," sprach er,ich bin nur betrübt, bekümmert mehr als ich Dir sagen kann. Welches Geheimniß kann meine Frau vor mir haben?"

Diese machte eine kleine Bewegung, als dränge es sie, sich ihm zu Füßen zu werfen und ihm Alles zu sagen. Auf ihren Lippen zitterten die Worte:Ich bin Martha Horst. Ich habe kein Recht, hier zu sein! Schicke mich fort!"

Schon fing sie zu reden an, aber der Ton ihr eigenen Stimme erschreckte sie, und mit einem scheuen, wilden Blick schwieg sie wieder.

Stumm und tiefbekümmert sah der Graf auf die schöne,

zitternde Gestalt nieder. Bisher war sie ihm immer unschul­dig, rein und edel wie ein Kind erschienen; jetzt mit den Sorgenfalten auf der Stirn, mit dem abgewandten Blick und den stammelnden Worten erschien sie ihm wie eine Fremde und mit einem tiefen Seufzer über die unliebsame Aufgabe fing er von neuem zu fragen an-

Wir wollen dieses Thema fallen lassen, Martha das erste Geheimniß zwischen uns," sprach er.Jetzt erkläre mir das andere Geheimniß wie kam dieses Armband in den Weinlaubgang?"

Da war es mit der Ruhe der Armen aus, schmerzlich zuckte es über ihr Antlitz, ein Ausdruck der Verzweiflung trübte ihre blauen Augen und der Graf mußte seine Frage wieder­holen, ehe sie dieselbe zu verstehen schien.

Schone mich, Curt," bat sie dann mit flehend erhobenen Händen.

Dich schonen, Martha!" rief er.Was soll das heißen? Dich schonen? Was habe ich gethan, daß Du so zu mir reden kannst? Möchte ich Dir nicht, wo ich kann, jede Sorge ersparen? Ich will ja nichts, als jeden Kummer von Dir fern halten, Dich glücklich machen! Ich will nichts, als daß Du mich so liebst, wie ich Dich liebe! Inwiefern soll ich Dich schonen?"

Nicht mehr mit Fragen in mich dringen," entgegnete sie bitterlich weinend,ich kann sie nicht beantworten und sie thun mir so furchtbar weh!"

Glaubst Du, sie seien mir angenehm?" sagte Curt mit leisem Vorwurf.Martha, die Mutter war dabei, als ich das Armband fand; ich las einen Verdacht in ihren Augen, der mich innerlich empörte. Ich brachte sie mit hierher zu Dir, damit sie ihren Jrrthum einsehe, und bei der Frage, die jedes thörichte Mißtrauen von ihr verscheuchen sollte, wurdest Du vor Schreck ohnmächtig. So klärtest Du ihre Zweifel auf; kannst Du meine Liebe nicht besser befriedigen? Sprich, wie kam das Armband in den Park?"

Ich könnte Dir eine Unwahrheit sagen, könnte Dir eine erdichtete Geschichte erzählen, die Dich befriedigte aber das will ich nicht; mag es zum Schlimmsten kommen! Keine Lüge soll meine Lippen beflecken. Die Wahrheit kann ich Dir nicht sagen und jede Ausrede verschmähe ich."

Des Grafen Gesicht verfinsterte sich.

Immer mehr Geheimnisse!" sprach er bitter.So gibst Du also zu, daß Du mir eine Erklärung geben könntest, wenn Du wolltest Du willst nur nicht?"

Martha neigte stumm den Kopf und Curt wandte sich mit bleichem, verstörtem Gesicht von ihr ab.

Willst Du Jemand beschützen, der Dich bestohlen hat?"