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zu werden, es half nichts, er mußte zu Bett und bis morgen warten.

Erich kam später nach Hause als gewöhnlich. Er war mit der Marie beim Vater gewesen und hatte seinen Segen zu ihrer Verbindung erbeten. Alle die bösen Reden, die in Bezug auf Malte den Ort während der letzten Tage durch- schwirrt hatten, waren auch zu dem alten Manne gedrungen. So hatte er sich seines eigenen Urtheils und der Vermittelung, die er den Anträgen eines solchen Menschen für seine Tochter geliehen hatte, herzlich zu schämen begonnen. Das hatte ihn um so bereitwilliger gemacht, jetzt Erichs Bitte zu willfahren, die von Maries Lippen und Augen kräftig unterstützt wurde. Das ist, wie's kommen soll," und:Es soll wohl so sein," war zwar seine ganze Antwort, aber der Händedruck, den er Erich zu Theil werden ließ, war herzlich genug und er küßte Marie in aufrichtiger Freude. Dann hatten sie einen glück­lichen Abend zusammen verlebt, die Drei miteinander, an dem von Vergangenheit und Gegenwart die Rede gewesen war, aber nicht von der Zukunft. Und doch lag sie in Erichs Gedanken, als er am Lager de« Alten saß, Hand in Hand mit Marie, und noch mehr, als er auf dem einsamen Heimweg war. Wie und auf welche Weise würden sich die Verhältnisse gestalten mit Grashagen und mit der Mutter, wie mit Ering? Ja, mit der Mutter! Erich hatte den Wunsch nicht vergessen, den der Pastor ihm an das Herz gelegt hatte, aber er wußte nicht, auf welche Welle er die Mauer der Zurückhaltung niederbrechen sollte, die sich zwischen ihnen erhob. Wie sollte er es machen, ihr die Versicherung zu geben, daß er längst keinen Groll mehr in seinem Herzen gegen sie hegte?

Als er sich seinem Häuschen näherte, sah er, daß noch Licht au« dem Fenster schimmerte. Sollte sie ihn erwartet haben? Er beschleunigte seinen Schritt und mit einem Gefühl der Beschämung trat er in das Zimmer. Sie saß am Tisch, ein offenes Schreiben in der Hand, welches sie bet seinem Ein­tritt niederlegte, während sie aufstand und sein Näherkommen erwartete.

Mutter," begann er sich entschuldigend,es thut mir sehr leid, daß ich Euch habe warten lassen. Ihr habt viel durch« gemacht in diesen Tagen und solltet nichts von Eurem Schlaf entbehren, aber, aber" Er kämpfte mit einer ihm deutlich anmerkbaren Verlegenheit,ich habe Euch etwas Besonderes zu sagen. Ich soll Euch einen Gruß bestellen und"

Sie schien seine Worte nicht zu beachten, sie deutete auf den Brief, welcher vor ihr lag und sagte mit seltsam dumpfer Stimme:Lies ihn, Eüch."

Er blickte sie einen Augenblick fragend an, dann beugte er den Kopf über das Schreiben:

Geehrte Frau!

Ihr Schwiegersohn, der Gutsverwalter Malte Hamann, war am 5. d. M. bei uns, um uns zu veranlassen, ihm statt der von Ihnen bei uns niedergelegten Werthpapiere einen Wechsel auf ein Bankhaus in Amerika zu übergeben. Da uns das Gebühren des Mannes auffallend erschien, er auch keine Ermächtigung von Ihrer Seite beibrachte, wei­gerten wir uns, seinem Begehren zu willfahren. Ec gerieth, nachdem er vergebens versucht hatte, uns seinen Wünschen geneigt zu machen, in eine heftige Aufregung und verließ unser Bureau. Heute erhalten wir den von uns Ihnen übergebenen Depositenschein zerrissen zurück mit der Auf« forderung, eine unferm Belieben anheimgestellte Summe für ihn nach Baltimore überweisen zu wollen, worauf wir selbst, verständlich nicht eingegangen sind. Wir machen Ihnen im Gegentheil davon Mittheilung, indem wir zugleich eine neue, ganz in denselben Worten ausgestellte Bescheinigung Ihres Guthabens bei uns übersenden, zugleich mit einer Berechnung der bis zum heutigen Tage fälligen und nicht abgehobenen Zinsen. Ergebenst

I. B. Berndt, Bankhaus."

Erich hatte den Brief gelesen, einmal, zweimal, dann wandte er seinen erstaunten Blick auf die Mutter, deren Ant­

litz von dunklem Roth übergossen, von der höchsten Erregung zeugte.Ich verstehe es nicht," sagte er,was bedeutet"

Sie unterbrach ihn.Sagt es Dir nicht das Datum des Ausstellungsscheines," rief sie klagend,muß ich es aus­sprechen und meine eigene Schmach über die Sippen bringen? Es ist Dein Geld, Erich, jeder Pfennig gehört Dir, es ist das Einzige, was ich Dir von Deinem Erbe zurückgeben kann. Es ist das, was ich" sie unterbrach sich, und die Hände vor das Gesicht schlagend, stöhnte sie im Tone bittersten Schmerze«: Ich kann die Worte nicht finden zu dem Bekenntniß meiner Sünde, o Gott, mein Gott, erbarme Dich."

Sie sank auf ihren Stuhl und dann fühlte sie, daß Erich den Arm um ihre Schulter legte und sich über sie neigte. Mutter, e« wird Euch leichter sein, wenn Ihr mir Alles ae- sagt habt."

Einen Augenblick schwieg sie, dann sah sie empor.Ich muß es," sagte sie in gebrochener Stimme,es tödtet mich, wenn ich noch länger schweige. Du bist mein Richter, Erich, und zu Deinen Füßen muß ich um Vergebung flehen."

Er schloß ihre Hand fest in die seine und blickte mit dem Ausdruck tiefer Theilnahme und Liebe in ihr bleiches Gesicht, während sie ihm die Schuld und das Elend ihres Lebens be- kannte. Sie fing von der Zeit an, wo sie in das Hau» seines Vaters gekommen war und sprach von den Tagen, wo sich zu- erst in ihrem Herzen der>e Wunsch geregt hatte, Hertha an seine Stelle zu setzen. Malte hatte dieses Verlangen in ihr erkannt und seine schlauen Worte hatten es genährt und be- festigt.Sein Einfluß war groß auf mich geworden, schon ehe Du in da« Vaterhaus zurückkehrtest und Dich meinen Wünschen so energisch widersetztest. Ich war erzürnt auf Dich, Erich, aber ich weiß ich weiß, ich hätte es nicht gethan, wäre nicht der Teufel gewesen, dem ich den Finger gegeben hatte und der die Hand ergriff. Er fand mich am Schreib- tisch des Vaters an dem Nachmittag, an dessen Morgen wir von Deiner Flucht gehört hatten, er sah, wie ich die Schuld­verschreibungen in der Hand hatte, auf denen der Vater be­merkt hatte, daß sie aus dem Besitz Deiner Mutter stammten, er war'«, Erich, der den gottlosen Plan ersann, und ich o Gott, warum streckte mich Deine Hand nicht nieder, ehe ich sie ihm übergab zusammen mit dem baaren Selbe, das in Gold und Silber vorhanden war."

Erich antwortete nicht, aber er beugte sich einen Augen­blick nieder, und seine Wange berührte ihre Stirn.

(Schluß folgt.)

Zur Eröffnung des Menen Weaters.

Eine CoupSbetrachtung.

In leichtem, luftigem Flattergewande soll die Muse des Neuen Theaters am Sonntag den 1. October ihren Einzug halten. E» wird, wie wir soeben aus demAnzeiger" er« sehen,Der Registrator auf Reisen" gegeben. Keine Jbsen'sche Pathologie, kein Wildenbrnch'sches Hohelied auf das schwarz-weiße Banner, kein moderner Eheconflictdas hat kein Schiller geschrieben, das hat fein Goethe gedicht' und ist doch halt so voller Poesie" so ähnlich sang einstens in Berlin der unvergeßliche Helmerding Adolf L'Arronge, der greife Dircctor des Deutschen Theater», der feine Bühne zu einem tonangebenden Musterinstitut für älteren und modernen Classicismu» erhoben, blinzelt in feinen eigenen Schöpfungen so gerne und verstohlen nach dem Volke. Der Vater von Mein Leopold" kann nicht vergessen und weiß ganz genau, wie harmlos, rührselig und treu unser deutsches Völkchen ist und bleibt trotz aller Schlagwörter, wie fin de siede und decadence. So schrieb er auch benRegistrator auf Reifen". Eine harmlofe Geschichte, gemüthliche Conflicte (wenn da« Wort hier überhaupt am Platze ist), mehr witzige al« geist­volle Wort- und Situationskomik und dabei da« Janze mit Jesang!