Anteichattungsblatt jum Giehensv Anzergev (Gene^al-Anzergev)

Donnerstag, den 25. Mai.

Nr. 60

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Das große Loos.

Original-Novelle von Leo Werner.

(Fortsetzung).

Großer Gott, dann ist das Bergwerk dennoch so gut wie verloren," jammerte der alte Herr,denn ich war bei dem Be­triebe der Grube auf die billige Wasserkraft angewiesen. Was kann es da nutzen, die Schachte vom Wasser zu befreien und kostspielige Reparaturbauten im Bergwerke vorzunehmen, wenn oben die Wasserkraft fehlt. Da müßte man ja zwei kostspielige Dampfmaschinen anschaffen, wodurch die Rentabilität des Berg­werkes sehr in Frage gestellt wird. Außerdem muß ich Ihnen gestehen, lieber Malten, daß die Unkosten der Rettungsarbeiten und Reparaturbauten wohl meine Mittel schon übersteigen werden, daß ich also für die Anlagen der Dampfmaschinen keine Summen übrig habe."

Wir dürfen deshalb aber noch nicht verzagen, Herr Hülse­mann," gab Ludwig so ruhig als möglich zurück,denn es läßt sich vielleicht doch ein Ausweg aus den Calamitäten finden."

Ich halte es für unbedingt nothwendig, daß ich Ihnen die volle Wahrheit sage, Ludwig," erklärte der alte Herr seuf­zend.Ohne Hilfe treuer Freunde wird das Bergwerk nicht zu retten sein, denn die Katastrophe der letzten Nacht hat meine ganzen Vermögensverhältnisse auf den Kopf gestellt. Gestern noch besaß mein Bergwerk einen Werth von mindestens 800,000 Mark, nachweisbar aus den Geschäftsbüchern. Belastet ist die Felix-Grube nur mit einer einzigen Hypothek von 120,000 Mark, welche mir bei der Gründung des Bergwerkes das Bankhaus Erler und Compagnie zu fünfeinhalb Procent Zinsen geliehen hat. Im Hinblick auf das dauernde Risiko bet meinem Bergwerke darf der Zinsfuß als nicht zu hoch bezeich­net werden, zumal mir die Gründung des Bergwerkes mit die­sem Darlehn erst ermöglicht wurde. Denn mein ursprüngliches Vermögen belief sich kaum auf 100,000 Mark. Mit Erler und Compagnie bin ich in laufender Geschäftsverbindung ge­blieben. Die Werthpapiere, welche das Bankhaus von mir in Depot hat, belaufen sich auf circa 40,000 Mark, meine Conto- correntfchuld an Erler und Compagnie beträgt zur Zeit wegen der ungünstigen Geschäftslage des verflossenen Jahres aber crrca 70,000 Mark, also haben Erler und Compagnie eine Gesammtforderung von circa 150,000 Mark an mich. Es fragt sich nun, ob das Bankhaus unter den jetzigen Umständen mir noch weiteren Credit gewähren will oder nicht. Kündigt es mir den Credit und die Hypothek, so ist die Subhastation des Bergwerks unvermeidlich, denn infolge des Schachtsturzes

und der jetzigen Entwerthung der Felix-Grube wird sich so leicht Niemand finden, der 150,000 Mark auf das Bergwerk borgt, zumal die 150,000 Mark auch nur reichen würden, um meine Verpflichtungen gegenüber Erler und Compagnie zu decken, und für die Herstellungsarbeiten, Maschinen u. s. w. weitere Summen nöthig wären. Sie sehen also, lieber Malten, daß die rasche Hilfe eines kapitalkräftigen, einflußreichen Freundes zur Rettung der Felix-Grube unbedingt nothwendig ist."

Ich kann nur betonen, daß das, was ich thun kann, geschehen wird, um das Bergwerk zu retten, und ich sehe die Lage noch nicht so verzweifelt an."

Glauben Sie, daß Ihr Herr Vater mir helfen wird, Ludwig?" frug jetzt Hülsemann und richtete einen besorgten Blick auf den jungen Mann.

Er hat es leider abgelehnt!" erwiderte Ludwig gepreßt und man merkte an dem Tone der Antwort, wie demüthigend ihm dieses Geständniß war.Mein Vater ist der Ansicht, daß an dem Bergwerke nichts zu retten ist, daß es schließlich mehr Herstellungskosten verschlingen wird, als es einbringt. Außer­dem hat mein Vater infolge größerer neuer Unternehmungen und wegen einiger vorjähriger empfindlicher Verluste jetzt nicht so viel verfügbares Kapital, um Ihnen die genügende Summe vorschießen zu können."

Nun, dann muß ich mich in das Unvermeidliche fügen, dann bin ich ruinirt," stöhnte der alte Herr und sank wie ohn­mächtig in seinen Lehnstuhl zurück.

Muth, Muth, Herr Hülsemann!" rief da Ludwig und ergriff die Hand des unglücklichen Mannes.Wir wollen noch nicht verzagen, ich habe noch einige Hoffnung und ich will thun, was in meinen Kräften steht. Bringe dem Vater ein Glas Wein, Käthchen," sagte er dann zu der Geliebten ge­wandt, die mit Thränen in den Augen hinter dem Stuhle des Vaters gestanden hatte.Eine Stärkung ist ihm dringend nöthig, auch muß ich noch einige sehr wichtige Angelegenheiten mit ihm besprechen."

Käthe brachte alsbald zwei Gläser Wein, eins für den von Sorgen und Aufregungen erschöpften Vater, und eins für den Geliebten, der lange Stunden in dem Bergwerke gearbeitet hatte und sicherlich auch einer Erfrischung bedurfte.

Die beiden Männer tranken schweigend und Herr Hülse­mann begann dann:Reden Sie, lieber Ludwig! Sie besitzen einen starken, klaren Geist, das weiß ich schon lange, vielleicht entdecken Sie einen Ausweg, den ich in meiner Aufregung nicht mehr finden kann."

Sie waren so offenherzig und vertrauten mir so Vieles an, Herr Hülsemann," erwiderte Ludwig,ich muß mir daher erlauben, noch einige weitere Fragen an Sie zu richten, um