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Stadt.
vorhergehenden gekommen war.
Malten und der Bankier Buchhold, welche sich bisher auch zu
Gründen.
Obwohl die Gläubiger meistens gebildete Leute waren,
warten."
Ludwig wollte abwehren und erklärte, daß er sich gar nicht sonderlich erschöpft fühle, aber den vereinten Bitten Hülsemanns und Käthens gab er nach, speiste in der Villa kurz zu Abend und fuhr in Hülsemanns Wagen dann eilig nach der
Der Schachteinsturz in der Felix-Grube hatte sich fast so schnell wie ein Lauffeuer unter den Gläubigern und Geschäftsfreunden Hülsemanns verbreitet. Die meisten derselben waren auch bereits an dem Tage, welcher der Unglücksnacht folgte, nach dem Bergwerke geeilt, um sich nach der Größe der Katastrophe zu erkundigen und um Herrn Hülsemann zu sprechen. Da sie aber erfahren hatten, daß Herr Hülsemann vor Schreck erkrankt sei und schon in früher Morgenstunde in seine Wohnung zurückgebracht worden war, so genirten sie sich, den geschlagenen Mann noch am Unglückstage selbst mit Auskunfts- ertheilung und ungestümen Forderungen zu quälen. Aber heute, einen Tag später, sah man schon Vormittags neun Uhr die Gläubiger Hülsemanns zu Wagen und zu Fuß sich nach der Felix-Grube begeben und es konnte nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß für das ganze Unternehmen Hülsemanns und seine geschäftliche Existenz ein neuer folgenschwerer Tag zu dem
Auf diese Ansprache des Herrn Künnemann beruhigten sich die Gläubiger ein wenig, und einer von ihnen, den der
Es waren allerdings nicht nur Gläubiger Hülsemanns, welche nach der Felix-Grube gingen, sondern es befanden sich
ein förmlicher Tumult. Es war nämlich Niemand zu finden, welcher den Gläubigern irgend welche Auskunft ertheilen konnte. Der Obersteiger Krützner und der Grubenverwalter waren unabkömmlich in dem Bergwerke bei den Rettungsarbeiten be- fchäftigt und die übrigen Beamten waren von der Nachtarbeit heute Morgen sieben Uhr erst abgelöst worden und befanden sich schlafend in ihren Wohnungen. Der erkrankte Herr Hülsemann war natürlich auch nicht im Grubengebäude und Ludwig Malten war noch nicht eingetroffen. Nur hin und wieder wurde ein Bergmann oder ein Unterbeamter sichtbar, der dann von den Gläubigern mit Fragen bestürmt wurde, auf welche er keine Auskunft geben konnte, und dadurch wurde natürlich der Aerger und die Aufregung unter den Gläubigern allgemein.
„Wir werden uns nach der Wohnung des Herrn Hülsemann begeben müssen," rief ein spindeldünner Mensch, der ganz besonders erpicht darauf schien, seine Geldforderung von Matthias Hülsemann sofort persönlich zurückzuverlangen.
„Das meine ich auch, das denke ich auchl" erscholl es aus dem Kreise der Gläubiger als Antwort.
„Aber meine Herren, überstürzen Sie sich doch nicht," bat da der Kaufmann Künneman. „Der Stand des Bergwerkes kann noch am besten nur hier geprüft werden, und ob es eine Stunde früher oder später geschieht, das bringt Niemanden Schaden. Außerdem habe ich vor einer Viertelstunde bereits einen Bergmann nach der Wohnung des Herrn Hülfe- ! mann geschickt und schriftlich um sein Erscheinen oder das Em- I treffen eines bevollmächtigten Vertreters gebeten. Ich schlage daher vor, daß die Herren geduldig noch eine halbe Stunde
Erfrischung zu sich."
„Aber nach der Stadt laufen dürfen Sie nicht, Ludwig, das dulde ich nicht," bemerkte Hülsemann. „Sie waren mehrere Stunden in dem Bergwerke beschäftigt und haben sich körperlich und geistig sicherlich heute schon sehr angestrengt. Friedrich mag einen Wagen anspannen und Sie nach der Stadt fahren. Und in der Zwischenzeit nehmen Sie erst noch eine
einen vollständigen Ueberblick über die Vermögenslage zu bekommen. Wie steht es denn mit den übrigen Forderungen und Außenständen, die so jedes Geschäft hat?"
„Diese dürften sich in der Hauptfache balanciren," erklärte Herr Hülsemann, „das heißt, ich setze dabei voraus, daß meine Schuldner alle ihren Verpflichtungen nachkommen und daß das Kohlenlager an der Felix-Grube durch die Katastrophe nicht mehr geschädigt ist, als es heute Morgen schien. Diese Kohlen- vorräthe sind meistens aus spätere Lieferung schon verkauft."
„Schaden hat das Kohlenlager allerdings gelitten," bemerkte Ludwig und sein Antlitz wurde blaß, „aber ich hoffe, daß derselbe nicht so groß sein wird. Es gilt nun offenbar als die wichtigste Aufgabe, morgen den Gläubigern in der richtigen Weise entgegenzutreten, denn morgen werden sie Alle kommen und Auskunft und Sicherstellung verlangen. Da Sie krank und leidend sind, Herr Hülsemann, so denke ich, daß es am besten ist, daß Sie mir die Ordnung der ganzen Angelegenheit übertragen und mir eine entsprechende Vollmacht geben."
„Ja, ja, das ist schon das Beste und ich danke verbind« lichst sür Ihre Aufopferung, lieber Ludwig," entgegnete der Greis und reichte gerührt dem wackeren jungen Manne die Hand. „Aber verzeihen Sie eine Frage, Ludwig, was wollen Sie eigentlich in dieser schwierigen, ja verzweifelten Sache thun, wenn Ihr Herr Vater nicht helfen will. Haben Sie Hoffnung, den Herrn Commerzienrath noch umzustimmen?"
„Ganz gebe ich diese Hoffnung allerdings noch nicht auf," meinte Ludwig, „aber an den Beistand meines Vaters für die morgen mit den Gläubigern stattzufindenden Verhandlungen glaube ich noch nicht. Wir müssen uns da allein zu helfen suchen. Ich besitze zur freien Verwendung 60,000 Mark, die ich von meiner seligen Mutter erbte. Diese Summe stelle ich Ihnen zur Versügung oder ich selbst werde vielmehr mit derselben nach bestem Ermessen handeln. Dann besitzen Sie doch , —--- ------. « - . . . .■ -
auch diese prächtige kleine Villa, Herr Hülsemann. Ist die- unter den ersteren auch zwei Freunde Hulsemanns, der Bankier selbe mit einer Hypothek belastet oder kann sie als freies Leixner und der Kaufmann Künnemann. Der Commerzienrath Pfandobject den Gläubigern gegenüber dienen?" Malten und der Bankier Buchhold, welche sich bisher auch zu
„Die Villa ist mit keiner Hypothek belastet," antwortete Hülsemanns Freunden gezahlt hatten, fehlten aus begreiflichen der alte Herr, „aber sie liegt weit von der Stadt entfernt und Gründen.
hat daher keinen großen Kaufwerth. Ich habe die Villa seiner Obwohl die Gläubiger meistens gebildete Leute waren, Zeit eben nur für meine Zwecke erbaut, um nicht allzuweit so entstand doch bald nach ihrer Ankunft in der Fmx-Grube von dem Bergwerke zu wohnen." -----------.......sn$™h
„Immerhin ist die Villa aber ein solides Werthobject und ich denke, wir bieten dieselbe, wenn es nöthig ist, den Gläubi- j gern noch als Pfandobject an," meinte Ludwig. „In solchen kritischen Lagen darf man nicht zaudern und muß alle Mittel ! in Bewegung setzen, um die Gläubiger zur Bewilligung eines Moratoriums zu nöthigen."
„Ich billige Ihre Maßregeln vollständig, Herr Malten," erklärte Hülsemann, „und bin auch damit einverstanden, daß Sie die Villa als Pfand meinen Gläubigern morgen anbieten."
„lieber diesen Punkt sind wir also auch einig und nun möchte ich noch bitten, daß Sie mir eine notariell beglaubigte Vollmacht ertheilen, Herr Hülsemann, denn sonst bin ich gar nicht im Stande, als Ihr Bevollmächtigter Ihre Geschäfte zu leiten. Die Vollmachtsertheilung hat auch große Eile, denn morgen Vormittag muß ich mit der Vollmacht in den Händen den Gläubigern gegenüber treten können. Ich werde daher noch heute Abend einen Notar aufsuchen und denselben veranlassen, sich mit mir morgen früh acht Uhr hierher zu begeben, wo dann die Vollmacht angefertigt werden kann."
Der alte Herr nickte beifällig und sagte: „Sie denken an Alles, Herr Malten. Die Ausfertigung der Vollmacht hat allerdings die größte Eile, sonst können Sie gar nichts als mein Stellvertreter thun. Ich erwarte den Notar und Sie morgen früh acht Uhr. Meinen unauslöschlichen Dank für die großen Opfer, die Sie mir bringen, und mag Gott geben, daß Sie nicht vergeblich alle Kräfte anstrengen, um die Felix-Grube zu retten und mich vor dem Bankerotte zu bewahren."
„Ich hoffe noch das Beste, Herr Hülsemann," gab Ludwig ergriffen zurück, „denn in größter Noth bietet sich oft unerwartete Hilfe. Jetzt muß ich aber nach der Stadt eilen, um einen Notar aufzusuchen, ehe es zu spät wird."


