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Aeccpt gegen Aeifröcke.

In unheimlicher Stille bereitet sich ein Gespenst, das wir für immer abgethan wähnten, vor, auf's Neue in das Reich der Lebens zurückzukehren und die Menschen mit seiner scheuß­lichen Erscheinung zu quälen. Dieser Revenant ist man sollte es in unserer Zeit kaum für möglich halten die Krinoline, der Reifrock. In der That haben wir mit unseren eigenen Augen bereits die Vorboten der Krankheit in einer Modenzeitung gesehen, wo einige sogenannte Glockenröcke ab­gebildet waren. Der Anblick war zum Rasendwerden: die reinen. Figurinnen für einen Ball im Jrrenhause. Und das soll nun Mode werden, soll wohl gar übergehen in den eigent­lichen Reifrock/ in dem die Frauen einherwackeln wie wandelnde Hühnersteigen? Da soll doch ein unheiliches Donnerwetter . .

Nein, nicht gleich fluchen, versuchen wir es vorerst mit dem liebreichen, vernünftigen Zuspruch.

Wenn ihr die Geschichten der Trachten verfolgt, schöne Frauen und liebreizende Mädchen, so werdet ihr finden, daß nur in den finsteren Zeiten der Fleischabtödtung ein Werth darauf gelegt wurde, das Ebenmaß des weiblichen Körpers durch allerlei geschmacklose Künsteleien in der Kleidung zu ver­unzieren. Das Gewand sollte das Weib darunter zu einem unergründlichen Räthsel machen, wie denn auch wirklich Jahr­hunderte lang die Frauen Costüme trugen, die alle die herr­lichen Linien ihres Körpers durchschnitten und verzerrten, bis eine unförmliche Puppe daraus wurde. Wir wissen, daß Zucht und Sitte durch diese Verunstaltung wenig gefördert wurden, weil sich die Menschen nun einmal nicht nehmen lasien, für einander in Liebe zu entbrennen. Das römisch-griechische Zeit­alter hingegen gab den Frauen die edelste Bekleidung; die­jenige, welche der Schamhaftigkeit genügt und doch der Schön­heit keinen Abbruch thut. Und in der Gegenwart, da man sich über den Eiser der Zeloten lächelnd hinwegsetzt, war man wieder nahe daran, eine Frauentracht zu haben, die alle Vor­züge des Wuchses, der Haltung und de« Ganges bei dem Weibe zur vollen Geltung kommen ließ, ohne durch Jndecenz das Auge zu verletzen. Der gefältelt fallende Rock, der anliegende Leib: sie ersetzen in unserem rauheren Klima glücklich das herab­fließende Gewand der Griechin, ließen ahnen, wie hübsch die Frauen gewachsen seien und verriethen doch wieder nicht mehr, als ihre Trägerin selbst verrathen haben wollte; sie waren bequem und aller erdenklichen Variationen fähig, so daß die Modisten, diese Leute-Auszieher und -Anzieher, ohnedies alle Hände voll zu arbeiten Hatten-

Aber nein, das genügte ihnen nicht. Sie kamen darauf, daß zu wenig Stoff verbraucht werde bei den modernen Frauen­kleidern. Folglich schickten sie die Schleppe in die Welt und erlitten dabei eine empfindliche Schlappe, denn sie griff nicht durch, obgleich aus ästhetischen Rücksichten nicht so viel gegen sie einzuwenden wäre, als aus praktischen und gesundheitlichen Bedenken. Mit der Schleppe im Ballsaale kann man sich so­gar befreunden; sie hat etwas Feierliches, Majestätisches, das am rechten Platze schon seinen Eindruck macht. Aber der Straßenschleppe war der Garaus bald gemacht. Als die Damen merkten, welchen Schmutz sie bet trockenem Wetter auf- wirbelten und welche Blößen sie sich bei Regen gaben, wenn sie die Schleppe hochnehmen mußten, da verschwana dieses An­hängsel überraschend schnell und die enttäuschten Modisten sannen auf ein neues ruchloses Mittel, ihrer Hypertrophie an Stoffen ledig zu werden. Da verfielen sie denn auf den Reifrock, die Schlaumeier, und um die Frauenwelt zu ködern, flöten sie ihr zugleich vor, daß anstatt der niederen englischen Schuhkleidung die Hakenschuhe wieder eingeführt werden sollen-

Reifrock und Hakenschuhe warum nicht auch die weiße Perrücke und die Schönpflästerchen und der Teig aus Esels­milch und Mehl, den man als Maske über Nacht auf dem Gesichte trägt? Das möchte sich ja über die Maßen ergötzlich machen, wenn unsere Frauen in altmodischen Reifröcken sich

in dem modernen Dramwaywagen zusammendrängten und beim ersten Oeffnen der Thüre durch die Federkraft der Krinolinen ein paar zarte Wesen herausflögen wie aus dem Rohr ge­schossen! Da« wäre ja prächtig, wenn das Frauengymnasium von lauter Krinolinen besucht würde und die Telephonistinnen im Reifrock ihren Dienst versähen. Halten wir uns im Ernste bei diesen grotesken Vorstellungen nicht weiter auf es ist ja nicht denkbar.

Die Frauen werden den gallischen Gänsen, die Krinolinen anziehen, diese eklige Mode nicht nachmachen. Davor wird sie ihr guter Geschmack bewahren, der ja stets an der französischen wie an der englischen Mode so lange herumcorrigirt, bis die Sache ein Gott und den Menschen wohlgefälliges Aussehen gewinnt. Sollte es aber wieder Erwarten thörichte Jung­frauen und Weiber geben, die sich beim helllichten Tage mit einer Krinoline sehen lassen, so haben wir Männer auch noch ein Eisen im Feuer, um solchem gröblichen Unfug ein Brand­mal aufzudrücken. Es ist dies der Boycott des Reifrockes. Unverzüglich wird dann ein Aufruf an die Männer ergehen, der Jeden beschwört, keiner Frau, die einen Reifrock trägt, und sei sie durch die heiligsten Bande: als Mutter, Schwester, Braut, Gattin, mit ihm verknüpft, öffentlich seine Begleitung angedeihen zu lassen. Mag sie allein gehen, wenn ihr der Reifrock lieber ist. Ein verständiger Mann darf eine solche Narrheit mit seiner Person nicht decken; selbst in einem Gigerl müßte sich das Gewissen regen- Wenn die Männer festhalten an dem Boycott und das werden sie in diesem Falle, dann sind sie stärker als die Krinoline. Die Modisten mögen dann von ihrem überschüssigen Stoff Luftballons steigen lassen, da» ist ein unschuldiges Vergnügen; uns aber werden sie damit nicht mehr steigen lassen!

(Neues Wien. Tagebl.) Ed. Pötzl.

Vermischtes.

Aus der Schule. Lehrer:Was Ihr also zu sagen habt, wenn Ihr Euch als artige Kinder für ein Geschenk dank­bar erweisen wollt, habe ich Euch jetzt erklärt. Was würdest Du also sagen, wenn Dir Dein Onkel eine Tasche voll Aepfel schenkt, Fritz?" - Fritz: , Onkel, gib mir die andere Tasche auch noch voll."

Literarisches

Das schönste Geschenk zur Konfirmation ist unstreitig die im Verlage von I. C. Hinrichs in Leipzig erschieneneStern­bibel". Der stattliche Band läßt keinen Zmeisel darüber, daß diese Ausgabe des Gotteswortes mehr als alle anderen höchste Gediegenheit mit edler Schönheit verbindet und dies in einem Formate, welches die tägliche Benutzung recht wohl noch gestattet. Der geschmackvolle Einband in dauerhaftestem Safsianleder ist ganz vorzüglich und macht schon äußer­lich dieSternbibel" zu einem wirklichen Prachtstück. DieSternbibel" enthält Altes und Neues Testament nebst Apokryphen. DerRevidierte Text" ist noch immer unsere alte Lutherbibel, nur konnten manche Stellen besonders im Alten Testament auf Grund der vielen Fortschritte der Sprachwissenschaft genauer übersetzt werden, als es Luther und seinen Zeitgenossen möglich war. Geschmückt ist die Sternbibel mit 15 treff­lichen Lichtdrucken: zum Alten Testament, deren 30 nach berühmten Meistern, zum Neuen Testament 14 der jedes deutsche Gemüth so un­gemein ansprechenden Bilder von Professor Heinrich Hofmann in Dresden, denen sich als 15. das Titelbild (Christus segnend) anschließt. Dieses ist wohl das schönste Bild, das je einer deutschen Bibel voran­gestellt worden ist und die UnterschriftKommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid" ist ein sehr sinniges Motto für eine Bibck, die in allen schweren Tagen, welche das Haus treffen, den sichersten Trost gewähren kann. Die der letzten Lieferung beigesügte Familien­chronik ist eine würdige, freudig zu begrüßende Beigabe. Für alle die, denen die Ausgabe von 40 Mark für ein gebundenes Exemplar auf einmal zu hoch ist, führt die Verlagshandlung nach wie vor die Aus­gabe in 30 Lieferungen zu I Mark. Diese können in beliebigen Zwischen­räumen bezogen werden, so daß Jedermann sich mit Leichtigteit in den Besitz der herrlichen Bibel setzen kann. Schli-ßlich sei noch besonders auf die Einzelausgabe des Neuen Testamentes hingewiesen, die also ausschließlich Hosmann'sche Bilder enthält. Für 15 Mark dürfte es kein schöneres und passenderes Confirmationsge- schenk geben!

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.