Ausgabe 
23.2.1893
 
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Nnterchaltriirgsblatt 311m Gietzenev Anzeigen (Geneval-Anz-igep)

Nr. 23

1883.

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Donnerstag, den 23. Februar.

Dämon Gold.

Original-Roman von W. Höfs er.

(Fortsetzung).

Da ragten aus dem Dunkel die Thürme von Moldt hervor; wie drohend erhob sich der alte Bau. Durch die Seele des Barons ging ein geheimes Grauen. Das Erbe seiner Väter, ihre stolze Stammburg, weithin im Lande als der edelsten eine genannt wie lange noch und das Alles war dahin auf immer. Er hatte den Glanz von Generationen in den Staub gezogen, ihn vernichtet für alle Zukunft.

Die Fenster der Frontseite waren dunkel; Alles so still und verödet. Nur die Hunde bellten, als sich ihr Gebieter näherte.

Sonst hätte Ruth an der Treppe gestanden und ihn empfangen; Kerzenglanz erfüllte das Haus, es gab Musik und frohe Gäste, heute erinnerte nur Alles an den Sarg, der jüngst hinausgetragen worden war, an Tod und bitteres Leid.

Im Wohnzimmer saßen Tante Anna und Ruth am Kamin. Die sonst so fleißigen Hände des jungen Mädchens lagen müssig im Schooß! Ruth hatte geweint, ihr zartes, liebliches Gesicht erschien im Rahmen der schwarzen Trauerkleidung unsagbar blaß und kummervoll.

Hans Adam seufzte, es fror ihn. Gab es denn nirgends auf der Welt mehr einen Punkt, an dem er ausruhen und eine behaglichere Stimmung finden konnte?

War Niemand hier?" fragte er.

Keine Seele."

Und Fräulein Malten?"

Sie ist, dem Himmel sei Dank, abgereist."

Und zwar ohne Gruß oder Abschied?"

Wir wenigstens haben sie nicht wiedergesehen."

Der Baron athmete freier.Es ist gut so," dachte er, für das heißblütige Geschöpf war hier kein Raum-"

Aber er sprach es nicht aus. Sie hatten mit dem Thee auf ihn gewartet und nun zwang er sich zu trinken; alle seine Gedanken waren bei dem unglücklichen Willibald oder schweif­ten unbemerkt hinüber 'in Annas Zimmer- Zwischen ihm selbst und der schönen Frau war heute eine unübersteigliche Schranke aufgerichtet worden, ein Etwas, das sich niemals bannen ließ Anna liebte einen Anderen.

Und unglücklich wie er selbst, ganz hoffnungslos.

Tante Anna wollte auf's Neue seine Tasse füllen.Sieh' nicht so traurig aus, mein Junge," sagte sie, selbst mit her­

vorbrechenden Thränen kämpfend.Unsere arme Cilli ist von allem Leid erlöst; Gott richtet barmherzig, er--"

O Tante, Tante!"

Ruth schluchzte laut.Ich kann es nicht ausdenken, Tante, es ist zu schrecklich. Was haben wir verschuldet, daß uns solches Schicksal treffen mußte!"

Hans Adam blickte finster vor sich hin. Wie weit war seine Seele davon entfernt gewesen, an die Todte zu denken.

Ruth!" sagte er nach einer Pause,ich muß Dir noch eine Mittheilung machen."

Um Gott!" fuhr sie auf.

Er hob beschwichtigend die Hand.Es ist nicht», Kind. Nur daß Du es vorher weißt, um danach Deine Entschlüsse zu treffen. Liflauer kommt morgen hierher."

Ruth schauderte.Er will mich sprechen, Hans?"

So ist es."

Und Du hast ihm eine Unterredung zugesagt?"

Ich habe ihm den Besuch auf Moldt nicht verweigern können. Das Uebrige ist Deine Sache, Ruth."

Sie hielt die Hände gefaltet.Natürlich handelt es sich bei dieser Zusammenkunft um einen endgiltigen Bescheid," rang es sich mühsam von ihren bebenden Lippen.

Lissauer hofft es wenigstens."

Dann erhob sich der Baron; er schauderte.Wie der Sturm pfeift - hört Ihr es nicht? Gute Nacht! Gute Nacht! Ich möchte schlafen."

Hans!" rief ihm das junge Mädchen noch nach.Hans, bleibst Du zugegen, wenn Lissauer kommt?"

Sobald Du es wünschen solltest, gewiß."

Ach ja, ja, ich bitte Dich darum."

Du hast nur zu gebieten. Gute Nacht."

Schlafe wohl, Hans."

Er ging in sein Schlafzimmer und warf sich auf das Bett, aber ohne Ruhe zu finden. Wäre nur Willibald nicht gewesen I

All' das junge Herzensglück fiel in Trümmer, vielleicht auf Nimmerwiederkehr; das kleine Haus an der Berglehne sollte zur Stätte des entsetzlichsten Jammers werden. Willi­balds Amtsentlassung war ganz unvermeidlich, ebenso seine so­fortige Verhaftung. Und dann kam eine entehrende Strafe, der Name des betrogenen Mannes wurde in allen Zeitungen genannt, er war beschimpft für immer. Man empfand viel­leicht für ihn ein vorübergehendes Mitleid, aber kein bedeuten­deres, angesehenes Geschäft würde ihm je wieder eine Stellung gewähren; er war ruinirt auf immer.

Freilich, der letztere Gedanke brachte nicht gerade die stärksten Befürchtungen. Ruths coloffales Vermögen war ja