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GenreinnÄtziges
Vevinischtes
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.
Zum Einkochen de- Obstes verwendet man am , besten emaillirte Blech- oder irdene Töpfe. Zur Herstellung der Obstmarmeladen und Fruchtsäfte eignen sich sehr gut Kupfer- oder Messingkessel. Man hüte sich aber, die letzteren zum Einkochen saurer Esstgfrüchte zu verwenden, da sich infolge der Säure nur zu leicht Grünspan entwickelt.
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Obstgelee. Aepfel sowohl wie Birnen werden, nach- dem sie gereinigt, Stiel und Kelch entfernt sind, in vier Theile geschnitten und in wenig Wasser gekocht. Birnen erfordern mehr Wasser als Aepfel, dagegen können Pflaumen, welche zuvor entsteint werden müssen, fast ohne Wasser gekocht werden. Der Saft wird nicht ausgepreßt, sondern in der Weise gewonnen, daß man die Masse in einen Gazebeutel gießt und nur durchlaufen läßt. Nach Erkalten wirb der Saft gewogen, auf 3 Kilogramm 2 Kilogramm Zucker hinzugefügt und so lange gekocht, bis der Saft mit dem Erkalten dick wird, was man zunächst mit einigen Tropfen probiren kann. Der Geschmack wird durch Hinzusügen von sein geschnittener Citronen- schale wesentlich verbessert. Auch Himbeer- und Heidelbeersaft geben angenehmen Geschmack und schöne Färbung, und es genügt ein geringes Quantum, um den Zweck zu erreichen. Birnen und Pflaumen geben von selbst ein dunkles Gelee.
Mn treffliches Apfelmus, welches sich sünf Jahre hält und in gesegneten Obstjahren bereitet werden kann, wird folgendermaßen zubereitet: Man nimmt ein weites Gefäß und macht es nicht ganz voll mit Wasser; man schneidet die Aepfel, ohne sie zu schälen, in Viertel; man nehme die Kernhäuser heraus, sammle aber die Kerne, zerquetsche sie und gebe sie mit den Aepfeln in das Gefäß; man binde letzteres mit Papier zu und stelle es in einen mäßig heißen Ofen; wenn die Aepfel ganz weich und kalt sind, streiche man das Fleisch derselben mit einem hölzernen Löffel durch ein Sieb. Auf jedes Pfund Obst nehme man nach dem Zerquetschen 3/4 Pfund gestoßenen Zucker, koche gelinde, bis sich Gallerte bildet. Man gibt die Masse in Gefäße und verschließt dieselbe mit thierischer Blase, i Soll sich das Mus nur eine kurze Zeit halten, so braucht man weniger Zucker anzuwenden.
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Gedörrte sütze Aepfelfchnitze. Die ungeschälten Aepselschnitze werden mehrfach in Wasser rein gewaschen, dann briche man sie mit kochendem Wasser an und lasse sie über Nacht stehen. Zum Kochen lasse man frische Butter zergehen, lege die aus dem Wasser gezogenen Schnitze hinein, dämpfe sie unter öfterem Schütteln eine Viertelstunde, gieße das Wasser, in welchem sie eingeweicht wurden, daran und füge etwas Weißwein zu nebst einem Stückchen geräucherten Schweinefleisch. Letzteres wird, wenn es weich geworden, herausgenommen; die Schnitze brauchen drei bis vier Stunden Kochzeit. Das Fleisch wird vor dem Anrichten nochmals in den Schnitzen erwärmt und dann in schönen Schnittchen auf die angerichteten Schnitze gelegt. Sollte die Brühe eingekocht sein, so gieße man etwas Wasser zu; es muß beim Anrichten ein dickflüssiger Syrup sich daran befinden. * ,
Zwetschenkuchen. Die Zwetschen werden abgerieben und ausgesteint; dann wird eine Platte mit einem Butterteig belegt, derselbe mit reichlich Zwieback bestreut, die Zwetschen offen dicht darauf gelegt und mit Zucker und Zimmet bestreut. Nach dem Backen streut man noch einmal Zucker darauf.
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Obst und Eier lassen stch am besten in Holzwolle verpacken und aufbewahren. Die bei trockenem Wetter abgepflückten Aepfel werden nach einigen Tagen zunächst in Papier und dann in Holzwolle gewickelt und so in Kisten oder Tonnen ge
legt. Die in Holzwolle verpackten Eier bleiben von dem unangenehmen Geruch befreit, den sie in der Strohhülle annehmen.
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Houiglimonade. In der jetzigen heißen Jahreszeit ist Honiglimonade ein wahres Labsal. Man erhitzt 10 Liter Wasser mit Vr bis 1 Kilogramm Honig, bringt das Honig- wasser in ein offenes Gefäß, setzt etwas Oberhefe hinzu und füllt es am zweiten Tage nach eingetretener Gährung auf starke Flaschen, die gut gekorkt und zugebunden werden müssen. Vor dem Ausfüllen kann man der Masse etwas Citronenfaft oder Citronengeist zumifchen oder irgend ein anderes Bouquet. Nach acht Tagen ist die Limonade trinkbar.
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Motteumittel. Als bestes Mottenmittel wird neuer- dings das Benzin, welches vermittelst eines Zerstäubers zur Anwendung gebracht, empfohlen; nicht nur die Motten selbst, sondern auch die Eier derselben werden vernichtet. Doch ist wegen der leichten Entzündlichkeit des Benzins große Vorsicht geboten. Die sonst gebräuchlichen Mittel: Kampher, Tabak, Naphtalin rc. vertreiben nur die Motten, ohne den Eiern zu schaden. _____________
Zu viel verlangt. Gastwirth (zum Schildmaler): „Können Sie mir nicht noch ein Paar weiche Eier irgendwo auf das Schild hinmalen ?"
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Furchtbare Drohung. Hausherr (zu einem Bettler): „Machen Sie, daß Sie weiter kommen, sonst ..." — Bett- ler: „Nu, sonst?" — Hausherr: „Sonst kriegen Sie einen Braten, den meine Frau selbst zubereitet hat!"
Der Weiberfeind. A.: „Was, Du hast jetzt gehe/- rathet _ Du warst doch früher ein solcher Weiberfeind!" - B.: „Bitte sehr, jetzt bin ich's erst recht!"
Immer derselbe. „Wie geht es Ihnen, Herr Lehrer, hoffentlich recht gut?" — .„Na, danke — so zwei zu drei!"
Der kleine Verräther. Lehrer: „Was ist denn am Messer die Hauptsache, Hans? Warum hat denn Dein Vater ein Messer?" — Hans: „Wegen des Korkziehers!"
Aus der Jnstructionsstunde. Unteroffizier: „Was thut der Posten, Huber, wenn er sieht, daß die Ablösung kommt?" — Huber: „Er freut sich!" ♦ ♦
Schmeichelhaft. Sie* „Wie könntest Du ohne mich leben?!" — Er: „Billiger!"
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In der Sommerfrische- Wirth (Abends): „Nun, wie hat's Ihnen denn in unserer Gegend gefallen?" — Fremder: „Es ist wirklich großartig, herrlich hier!" — Der Nachbar (leise): „Nicht so enthusiastisch; das wird hier Alles angerechnet I"
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Unvorsichtig ausgedrückt. Vater: „Sei recht fleißig, mein Sohn, daß Du dies Jahr nicht sitzen bleibst! Die Quarta ist eine gefährliche Klasse, das kenne ich aus langjähriger Erfahrung!"
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Ein Gerücht. Handelsmann: „So bezahlen Sie mir doch die Kleinigkeit, sehr geehrter Herr! Sie wissen ja doch, wer bezahlt seine Schulden, thut verbessern seine Güter!" — Student: „Glauben Sie doch den Schwindel nicht, das ist nur I so'n Gerücht, das die Gläubiger ausgesprengt haben."


