UWGHMM
1893
•L ey^y-VluQ B?11 T¥T£^>^68"<?^S5y
MM
ULM«
Dienstag, den 22. August.
Das goldene Kalb
Novelle von Reinhold Ortmann.
der Ohnmacht wohl den größten Antheil gehabt, und sie wird voraussichtlich rasch vorübergehen."
„Es ist keine Gefahr?« fragte Neukamp. „So will ich versuchen, den Attentäter zu fassen, ehe der Schurke Zeit at. wjnnt, sich allzuwe t zu entfernen. Ich spreche nachher bei Ihnen vor, um mich nach Edithas Befinden zu erkundigen. Sie ist jtt, rote es scheint, jetzt in den besten Händen."
Eine kaum noch zu bändigende Wuth, die vielleicht nicht emmal m erster Linie dem Urheber des feigen Attentates galt, schien in ihm^zu gahren. Er lüftete seinen Hut und kehrte der Gesellschaft den Rücken, um schon nach wenig Schritten in der R'chtung nach dem Gärtnerhäuschen hin in der tiefen, nächtlichen Dunkelheit zu verschwinden.
VI.
. . Ebundener Stirn und ungewöhnlich bleichem Antlitz lag Editha von Haffelrode am nächsten Morgen aus dem Ruhe- bette in dem kleinen, traulichen Wohnzimmer, das di; beiden Schwestern miteinander theilten. Monika, die an ihrer Seite s^d und deren überwachtes Gestcht deutlich genug verrieth, mit welcher Aufopferung sie sich nach den Stürmen des gestrigen
noch der Pflege der kranken Schwester hingegeben hatte, las ihr mit ihrer weichen, selbst bei gleichgiltigen Aeuße- rungen seltsam zu Herzen dringenden Stimme aus den eben angekommenen Morgenzeitungen vor, und es schien eine Reit lang, als ob die Patientin wirklich dieser Seetüre ihre ganze Aufmerksamkeit zuwende. B j
Plötzlich aber legte sie ihre Hand auf den Arm der Schwester und sagte: „Wovon hat Doetor Asmus gestern Abend ans bem Heimwege mit Dir gesprochen? - Hat er sich über mich beklagt?
Monika sah fast erschrocken auf.
„Nein, Editha! — Wir haben überhaupt nicht von Dir gesprochen.
. „llud was hat er Dir als Erklärung dafür angegeben, daß er sich während der letzten Wochen in so auffälliger Weise von uns ferngehalten hat?"
Monikas Wangen hatten sich schon wieder mit jenem feinen Roth überzogen, das zu ihrem eigenen Verdruß so oft zum Verräther dessen wurde, was in ihrer Seele vorging, und ihre Augen blieben jetzt hartnäckig auf die Zeitung in ihrem Schoobe geheftet. p
„Der Doctor kam nicht dazu, mir auf meine dahingehende Frage zu antworten," sagte sie leise. „Ich weiß nicht, wie es Mgmg; aber das Gespräch lenkte sich gleich wieder auf andere Dinge und dann kam auch jener Steinwurf, über dem natür.
(Fortsetzung.)
Monika und der Oberst waren schon in der nächsten Secunde an der Seite der anscheinend ohnmächtigen Editha, IM h^°C r°^^uAenAünbete mit fast unbegreiflicher Schnells keit die kleine Taschenlaterne, welche er immer bei sich trug.
Der erste Anblick, der bei ihrem Schein den zum Tode Erschrockenen zu Theil wurde, war beängstigend genug; denn über Edithas marmorbleiches Antlitz rann aus einer klaffen, den Wunde an der rechten Schläfe in purpurnem Strome oas Soiut.
,,©ie haben mein Kind erfchlagen — mein aeliebfcs Kindl" rief der Oberst, all' feine<SeÄ^?rf4ung vergessend, m wildem Schmerz. „Und Sie mit Ihrer Hart. Herzigkeit und Ihrem verfluchten Starrsinn — Sie allein tragen die Schuld daran!"
Lugo Neukamp nahm die Unterlippe zwischen die Zähne. Ein nichts weniger als freundschaftlicher Blick hatte den Obersten getroffen; aber er erwiderte nichts, und als Doctor Asmus mit eigentümlich rauh klingender Stimme sagte-
''L^en Sie uns die Verletzte vorsichtig auf den Boden niederlegen! - da gehorchte er der Weisung seines ver. haßten Gegners, ohne zu widersprechen.
. Mit dem Taschentuch, das ihm Monika gereicht hatte, suchte der Arzt zunächst die ziemlich heftige Blutung zu hemmen.
„Ich glaube nicht, daß es sich um eine ernstliche Ver. ICSJa?flC h la8t- etÄn nö$ wenig Augenblicken. nNwahrA W etnen Steinwurf herbeigeführt worden, do „In demselben Moment,
Eine Braut aufschrie, fühlte ich einen Schlag gegen die
Der Stem — wenn es derselbe war, der sie ge. troffen - kann sie also nur gestreift haben. Da liegt er." mit dem Fuße gegen ein großes, scharfkantiges Quarzstuck, das allerdings schwer genug war, um, von kräf. t ger Faust geschleudert, einen Menschen zu tödten. Dann p«"?« p^iAen Ergebung folgend, hob er es auf und steckte es ttt ote wüsche.
„Es ist in der That nur eine Streifwunde," sagte der Doctor, der die Verletzung inzwischen untersucht hatte und man hörte es aus dem Ton seiner Worte, welche ErleiLteruna ihm selbst diese Gewißheit gewährte. „Der Schrecken hat an


