Ausgabe 
22.7.1893
 
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Geinernnütziges.

Das Einmachen. Ueber das Einmachen schreibt Frau Helene Dorn in derStütze der Hausfrau" Folgendes: Hauptregeln beim Einmachen sämmtlicher Früchte und Gemüse. 1. Man befleißige sich der peinlichsten Rein­lichkeit und Sauberkeit. 2. Man halte sich Gesäße verschie­dener Größe, die nur zum Einmachen bestimmt sind. Gut ver­zinnte Kupfer- und Messingkeffel verdienen allgemein den Vor­zug. Nebenbei müssen aber noch Töpfe und Schüsseln von Steingut und Porzellan immer zu diesem Zwecke vorhanden sein. 3. Man lasse die Früchte niemals in den Einmachekesseln erkalten und längere Zeit darin stehen, um jede Grünspan­bildung zu verhüten. 4. Man koche sämmtliche Einmachegläser, Töpfe, Steinkruken und Büchsen, wenn sie leer geworden sind, bald aus, und nochmals vor dem Gebrauch, und lasse sie ge­stülpt, womöglich am warmem Ofen oder in der Sonne aus­trocknen. Stellt man leere Gläser auf den Herd, so versäume man nicht, ein Papier darunter zu legen. 5. Man nehme nur fleckenlose, vollkommene Früchte und reifes Gemüse mög­lichst frisch zum Conserviren und ernte sie nicht bei Thau und Regenwetter oder in der Mittagshitze, die leicht Gährung her­vorruft. Die Früchte sollen wohl aromatisch, aber nicht ganz reif sein. In letzterem Zustande tragen sie bereits einen Zer­störungskeim in sich. 6. Alle Ingredienzien, welche man noch zum Einmachen braucht: Zucker, Essig, Salz, Gewürz rc., müssen vom besten Fabrikat sein. 7. Man sei besonders vor­sichtig bei der Gewürznelke, das Köpfchen derselben gibt Hellen Früchten schwarze Flecken. Entweder muß es herausgebrochen werden oder man kocht das Gewürz nur im Saft mit durch. 8. Man koche bei Früchten und Gemüsen, die grün bleiben sollen, wie Reineclauden und Bohnen, und bei Nüssen, wenn die Frucht nicht candiren soll, ein Stückchen Alaun im Wasser oder Zucker mit. 9. Man halte darauf, daß sämmtliche Gon» serven genügend Flüssigkeit überstehen haben; die Früchte werden der Zerstörung viel eher preisgegeben, sobald ste nicht damit bedeckt find. 10. Man verschließe alle Conserven so luftdicht wie möglich und lege ein mit Arac oder Oel getränktes Papier auf den Inhalt. 11. Man versehe jedes Gefäß mit einer Etikette, worauf Inhalt und Jahreszahl verzeichnet sind. 12. Man verwahre sämmtliche Conserven, getrocknet, gesäuert oder gezuckert, in einem nicht zu Hellen, ziemlich kühlen, aber trockenen und gleichmäßig temperirten Raum, nicht über 12 Grad Reaum., und nehme zum Theil nur Portionsgläser, damit die Conserve hintereinander verzehrt werde. 13. Man zerschlage beim Einkochen des Steinobstes eine Anzahl Kern­häuser, schäle die Kerne ab und gebe sie mit in die Einmache­gläser, sie erhöhen das Aroma. 14. Man sei beim Oeffnen der Gläser recht vorsichtig, nehme die Früchte nur mit einem silbernen Löffel heraus, streiche die Fläche wieder glatt, lege das Papier sorgfältig darauf oder erneuere es mitunter und binde wieder fest zu. Reste dürfen nie in die Gläser zurück­gegeben werden. 15. Man unterziehe die Conserven öfterer Prüfung, um sie rechtzeitig vor dem Verderben zu schützen. Sobald sich Störenfriede zeigen, muß der Inhalt entweder bald verbraucht oder aufgekocht werden, um dadurch die Zerstörung»» keime zu tödten. 16. Früchte, die wiederholt umschlagen, rühre man zu Marmelade, um sie noch gebrauchen zu können.

Vermischtes.

Pech. Zechpreller:Ja, sehen Sie, wenn der Mensch Pech hatl Nun habe ich mich in der Unfallversicherung ver­sichert und nirgends werde ich mehr hinausgeworfen I"

* *

Im Ballsaal fragt ein Herr seine Tänzerin:Um wie viele Jahre ist Ihre Schwester älter als Sie?" Die

junge Dame antwortet:Das weiß ich wirklich nicht, denn fo oft ich um ein Jahr älter werde, wird sie um eines jünger und es steht zu erwarten, daß wir sehr, bald Zwillinge werden."

Entsetzliche Perspective. Uhrmacher:Ich würde Ihnen zu einer von den Stutzuhren rathen, die braucht nur alle sechs Wochen aufgezogen zu werden." Rentiersfrau: Um des Himmels willen, dann hätte mein Mann ja gar nichts mehr zu thun!"

Junger Mann (schwärmerisch):Für Sie, mein Fräu­lein, würde ich mit Freuden mein Leben opfern!"So, dann heirathen Sie mich doch!"

Von der unter dem Titel »Hausschatz des Wissens* im Verlage von W. Paulis Nachf. (H. Jerosch) in Berlin erscheinenden Bibliothek gemeinverständlicher, reich illustrirter Werke, die in 17 Bänden die wichtigsten Zweige des allgemeinen Wissens umfaßt und durch einen den Abonnenten gratis verabfolgten Generalregisterband den Besitz eines Conversationslexicons entbehrlich macht, liegen uns die Hefte 15 bis 30 vor. Die Ausstattung derselben ist die gleiche wie die der vorhergegan­genen Hefte, solid und gediegen, und angesichts des außerordentlich billigen Preises des ganzen Werkes (Mk. 7,50 für den elegant in Lein­wand gebundenen, 50 Bogen Text und ca. 500 Illustrationen, Farben­tafeln u. s. w. enthaltenden Band, 30 Pfg. pro Lieferung) geradezu als unübertroffen zu bezeichnen. Von den uns vorliegenden Heften enthalten die Nummern 15, 23, 25 und 27 die Fortsetzung der mit getreuen Nachbildungen der seltensten Originale reich ausgestattetenG esch ichte der Weltliteratur" von Julius Hart und behandeln die altpersische, hebräische, ägyptische und griechische Literatur, letztere bis zur Blüthe- zeit des griechischen Dramas durchgeführt; eine vortrefflich ausgeführte Farbendrucktafel zeigt uns eine Seite aus dem berühmtesten der ägyp­tischen Todtenbücher, dem Ani-Papyrus des Britischen Museums. Die Hefte 16, 18, 20, 22, 24, 26, 28 und 30 enthalten die Bogen 10 bis 28 der (bereits vollständig in einer besonderen Ausgabe erschienenen) Weltgeschichte" von M. Reymond, welche die Geschichte der Hebräer, Phöniker, Chinesen, Inder, Jranier und Hellenen, sowie den Anfang der Geschichte der Römer behandeln, und hinsichtlich des illustra­tiven Theiles namentlich interessante Abbildungen indischer Götterbilder und Baudenkmäler bringen. Eine sehr klar und übersichtlich gehaltene Farbendruckkarte derMorgenländischen Reiche" begleitet Heft 24. Die Entwickelungsgeschichte der Natur" von Wilhelm Völsche ist in den Heften 17 und 19 bereits bis zum Abschluß des ersten Buches gediehen, das als Entwickelungsgeschichte der Wissenschaft gewissermaßen die Einleitung des ganzen Werkes bildet und uns in seinem diesmal vorliegenden Theile mit den Nachfolgern des Kopernikus bis auf New­ton bekannt macht und in seinem letzten Abschnitte die Erweiterung des Weltbildes zu einer Entwickelungsgeschichte des Kosmos behandelt und die Genesis der Entwickelungslehre von den Anfängen einer wissenschaft­lichen Geologie bis auf Darwin vorführt. Eine reichhaltige Porträt- gallerie der hervorragendsten Denker und Forscher, welche an dieser Ent­wickelungsgeschichte der irdischen und kosmischen Naturerkenntniß mit­wirkend betheiligt waren, bildet den interessanten Hauptinhalt des illustrativen Theiles dieses Abschnittes. VomThierreich", an dessen Bearbeitung der Director des Berliner zoologischen Gartens, Dr. Heck, und andere namhafte Fachmänner betheiligt sind, liegen die Hefte 5 und 6 (21 und 29 desHausschatzes") vor. Die Arbeit von Dr. Lud­wig Staby, welche die ersten vier Stämme des Thierreiches umfaßt, gelangt in denselben zum Abschluß und Bruno Dürigen macht uns mit den Krebsthieren der ersten Klasse des fünften Stammes (der Gliederfüßer) bekannt, deren mannigfaltige Formen und interessante Lebensverhültnisse uns in Wort und'Bild vorgeführt werden.

Jugend-Gartenlaube. (Verlag der Kinder-Gartenlaube in Nürnberg. Vierteljährlich 1 Mark.) Band IV Heft 1 (1893). Das vorliegende Heft ist geradezu klassisch zu nennen. Es überrascht uns der äußerst mannigfaltige Inhalt, dann aber auch die Vortrefflich­keit desselben. Nehmen wir die Gedichte, so zieht unsDas Vogelnest' an. Von den Erzählungen ist eine jede vorzüglich.Trotzköpschens Großthaten" von C. Zastrow ist lebhaft, bewegt: es schildert die Er­lebnisse eines Knaben im Kriege 1870/71.Juli" von S. v. Adelung versetzt uns in die Alpen und erzählt von der edlen, tapferen, rettenden That eines gemüthvollen Knaben. Eine Perle scheint uns aberFuß­tapfen" von H. Rodatz zu feilt. Die kleine Erzählung greift ja bis in das Innerste der Seele hinein, erweckt die edelsten Regungen, ist vor­trefflich in allen Einzelheiten. Wir glauben, daß die Lectüre, wie sie neuerdings die Jugend-Gartenlaube bietet, in jeder Familie gelesen werden muß. Der Preis ist vierteljährlich nur 1 Mark.

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.