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Heute in acht Tagen! Ich hatte die Absicht, ihn durch irgend einen Strohmann dem Alten vorlegen zu lassen."

Thun Sie das nicht, denn Sie würden auf diese Weise Gefahr laufen, Ihr Geld zu verlieren. Das Vermögen des Professors ist nur gering, und er soll fest entschlossen sein, keine weiteren Opfer mehr für seinen Sohn zu bringen. Wenn Sie also kein Mittel haben, ihn zu zwingen"

Die Miene des alten Herrn hatte sich verdüstert-

Den Teufel auch! Wodurch sonst könnte ich ihn zwingen, als durch die Furcht vor dem Skandal. Er wird es doch nicht auf eine Wechselklage gegen den Doctor an« kommen lassen?"

Und warum nicht? Der Skandal ließe sich am Ende ertragen. Wenn Sie keinen stärkeren Trumpf gegen ihn aus­spielen können, wird e» schlecht um Ihre Aussichten be« stellt sein!"

Und trotzdem wollen Sie mir rathen, die Summe noch größer werden zu lassen? Ich muß bekennen, daß ich die Logik darin nicht recht verstche."

Er muß Ihnen einen Bürgen stellen muß noch eine zweite Unterschrift auf dem neuen Wechsel beibringen die Unterschrift eines sicheren, zahlungsfähigen Mannes viel­leicht diejenige seines Onkels, des Stadtraths Werkenthin."

Aber das ist ja offenbarer Unsinn, lieber Doctor entschuldigen Sie das etwas kräftige Wort! Der Stadt­rath ist einer der ängstlichsten Pedanten, die je in Schlafrock und Pantoffeln herumgelaufen sind. Bevor er feine Unter- schrift auf einen Wechsel setzte, würde er hundertmal eher da« Geld selbst hergeben."

Freilich! Ich taxire, daß er weder das Eine noch das Andere thun wird. Aber was kümmert es Sie, ob er von der ganzen Sache überhaupt etwas weiß, oder ob sich Doctor Hallenstein den sauren Gang durch einen etwas eigen­mächtigen Federzug erspart? Wenn Sie nur seine Unterschrift auf dem Wechsel haben! Echt oder unecht, sie macht ihn jedenfalls zu einem vollkommen sicheren Papier."

Der Patriarch schwieg ein paar Secunden lang und blickte nachdenklich in die blauen Rauchwolken seiner Cigarre.

Es ist richtig" meinte er endlichmit einem gefälschten Wechsel hätte man leichtes Spiel. Aber ich mache dergleichen, offen gestanden, nicht gerne. Es ist niemals ganz ohne Gefahr, und Sie fagen ja selber, daß dieser neue Staats- anwalt nein, nein, wenn Sie mir nichts Bessere» rathen können, möchte ich doch lieber an meiner ursprünglichen Ab- sicht ^halt^^ rooßenl _ denke, Sie hätten bisher

noch niemals Veranlassung gehabt, eine Beherzigung meiner Rathschläge zu bedauern. Etwas wirklich Gesährltches würde ich Ihnen kaum empfehlen, und was die moralische Seite der Sache anbetrifft"

Herr Ignaz Barteck machte eine abwehrende Handbewegung.

Reden wir doch keine Dummheiten. Moral ist ein Ding wie ein Gummiband sie läßt sich ausdehnen, so lang man nur will, und sie würde am Ende auch noch für das Geschäft ausreichen. Aber der Doctor wird nicht so dumm sein, in eine solche Falle zu gehen. Er ist kein Student mehr und er weiß, welche Strafe auf eine Wechselfälschung gesetzt ist."

Er trägt sich mit der Hoffnung, eine reiche Heirath zu machen. Wenn Sie durchblicken lassen, daß Sie ein so sicheres Papier schlimmsten Falls noch ein paar Mal prolongiren würden, wird er mit Sicherheit darauf rechnen, den Wechsel früher oder später au» eigenen Mitteln einlösen zu können und wird nicht allzu viele Bedenken haben, da« bequeme Aur- kunftsmittel zu ergreifen. Uebrigens wissen Sie ja bester als ich, wie man dergleichen anzufangen hat, denn Sie be- dienen sich dieses kleinen Geschäftskniff« doch wohl nicht zum ersten Mal." .

Ich will mir's überlegen. Aber er hat am Ende nun lange genug in dem ungeheizten Salon gewartet. 3M» Ihnen unangenehm, wenn ich ihn hier hereinführen lasse?

Doctor Stirner stand auf und nahm seinen &ut

Er darf mich selbstverständlich nicht sehen. 34 W

Geschäft und Sentimentalität zwei Dinge sind, die sich nicht mit einander vertragen."

Er zog ein paar Mal an seiner Cigarre, um den aro­matischen Rauch mit der überlegenen Ruhe eines Weltweisen und mit dem heiteren Behagen eines vollkommen zufriedenen Menschen von sich zu blasen.

Ein gutes Glas Wein nicht wahr, lieber Doctor?" fügte er hinzu.Es hat nicht Jeder einen solchen Tropfen in seinem Keller. Ich kaufte die Restparthie von hundertund­fünfzig Flaschen bei dem Concurse des Bankiers Schmalenbach. Ich wette, daß er beim Einkauf seine zehn Mark für die Bouteille bezahlt hat."

Kann wohl sein!" bestätigte Doctor Stirner etwas zer­streut, indem er seinem ehrwürdigen Geschäftsfreunde das Acten- stück wieder zuschob.In der Sache mit dem Maler brauchen Sie also keinen weiteren Rath. Giebt es sonst noch etwas Neues?" ~ ,, ,

Nichts, Doctorchen! Schlechte Zeiten die Geschäfte sind flau man kann gar nicht vorsichtig genug zu Werke gehen."

Gewiß! Der Staatsanwalt Rodewaldt hat erst gestern die Gebrüder Tobias in Haft nehmen lassen, und es heißt, daß an ihre vorläufige Freigabe nicht zu denken ist, obwohl der Schwiegervater des Herrn Hugo Tobias eine Caution bis zu hunderttausend Mark angeboten hat."

Ein überzeugender Ausdruck von Herzensgüte trat auf des Patriarchen rosiges Antlitz.

Ich hätte es ihnen voraussagen können, den beiden To­bias," meinte er lächelnd.Sie sind bei all' ihrer Klugheit doch immer Dummköpfe gewesen, veritable Dummköpfe, die sich nie ordentlich darauf verstanden, ihren Geschäften die rechte Form zu geben. Und die Form, Doctor das ist die Hauptsache! Man kann heuzutage Alles machen Alles, sage ich Ihnen, wenn man nur eine unschuldige Form dafür zu finden weiß. Aber das ist eine Kunst, die sich nicht lernen läßt; man muß das Talent dazu int Blute haben I Wie gefällt Ihnen übrigens die Cigarre? Neueste Ernte prachtvolles Vuelta abajo-Blatt wie? Aber sieben- hundertundfünfzig Mark sind auch ein Stück Geld, für das man am Ende schon etwas verlangen kann nicht wahr? Alle Wetter! Was giebt es denn schon wieder? Die Malerfrau ist doch nicht etwa noch einmal gekommen?"

Die letzte Frage war im Tone wirklicher Besorgniß an die eintretende Madame Barteck, eine Matrone, die ohne Weitere» in der Eingangsscene de»Macbeth" hätte mit­wirken können, gerichtet gewesen, und bei der Abneigung seines weichen Gemüths gegen Thränen und Klagen konnte die Un­ruhe des Patriarchen wohl begreiflich erscheinen. Aber er athmete erleichtert aus, als er einen Blick auf die von seiner besseren Hälfte überbrachte Visitenkarte geworfen hatte.

Es ist der junge Doctor Hallenstein," meinte er.Er wird wieder prolongiren wollen und womöglich noch ein paar hundert Mark dazu. Aber ich habe keine Lust mehr es wächst mir zu sehr an."

Doctor Stirner hatte hoch aufgehorcht, als Barteck den Namen Hallenstein nannte. Er legte dem alten Herrn, der sehr geneigt schien, den Besucher abzuweisen, die Hand auf das Knie und sagte:

Schicken Sie ihn nicht fort, Barteck! - Ste können ihm immerhin noch weiteren Credit geben ich stehe für

C®er Patriarch riß höchlichst erstaunt die etwas wässerigen Aeuglein auf. , c v

Sie Doctor? Ach, das ist doch wohl nur Spaß! - Ich denke, Sie sind mit den Hallensteins spinnefeind?"

Vielleicht eben deshalb!" war die lakonische Antwort. Wie viel schuldet Ihnen der junge Mann?"

Na, es mögen so um die Fünftausend herum sem mit den Interessen natürlich und mit den Cigarren, die er hat in Zahlung nehmen müssen; denn baares Geld hätte ich selbstverständlich nicht so viel an ihn gewagt."

Und der Wechsel ist schon in nächster Zeit fällig?"